Neue Abgabe
Naturschützer wollen die Katzensteuer

Umweltschützer schlagen wegen wildernden Büsis Alarm. In Therwil sei zum Beispiel die Zauneidechse in gewissen Gebieten nicht mehr anzutreffen. Eine Katzensteuer könnte Abhilfe schaffen.

Benjamin Wieland
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Vögel landen in Katzenmäulern, aber auch viele andere Tiere – jetzt wird über eine Katzensteuer nachgedacht.

Vögel landen in Katzenmäulern, aber auch viele andere Tiere – jetzt wird über eine Katzensteuer nachgedacht.

Getty Images/iStockphoto

Hauskatzen sind süsse kleine Massenmörder: Rund 1000 Kleintiere erlegt ein Büsi mit Freilauf pro Jahr. Mäuse und Vögel gehören zu den beliebtesten Opfern der Killer auf vier Pfoten – Insekten und Reptilien werden aber auch nicht verschmäht.

In der Region Basel ist dies ein Problem. Gebietsweise brachten wildernde Hauskatzen Eidechsenarten zum Verschwinden. Das hiess es am vergangenen Freitag an einer Tagung des Schweizerischen Tierschutzes in Olten. An dieser hielt unter anderem Verhaltensforscher Dennis Turner ein Referat; er gilt in Tierschützerkreisen als Katzenanwalt. «Freilaufkatzen – das Büsi als neues Feindbild des Naturschutzes?», lautete der Titel seines Vortrags. Turner sagte unter anderem, es gebe bislang keine stichhaltigen Beweise, dass Katzen eine Tierart ausgerottet hätten. Doch, entgegnete der Bottminger Urs Tester: In Therwil sei die Zauneidechse in bestimmten Gebieten nicht mehr anzutreffen – und dafür gebe es keine andere plausible Erklärung als wildernde Büsis.

Tester ist der Abteilungsleiter Biotope und Arten bei Pro Natura Schweiz. Er sagt auf Anfrage: «Der Indizienbeweis, dass Hauskatzen lokal Kleintierarten ausrotten können, ist längst erbracht.» Das Problem sei, dass diese Haustiere nicht nur im Garten ihrer Besitzer auf Jagd gehen würden, sondern auch am Waldrand und in Naturschutzgebieten. Die Zauneidechse – Tier des Jahres 2005 – sei gerade morgens wenig flink und somit eine leichte Beute für bestens genährte, fitte Hauskatzen.

400 Franken pro Büsi und Jahr

Abhilfe schaffen könnten gesetzliche Massnahmen – etwa eine Katzensteuer. Eine solche schlug Johannes Jenny, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau, im Mai vor. Ein «eigentliches Massaker» sei es, was herumstreunende Hauskatzen in der freien Natur anstellen würden, sagte Jenny, der auch für die FDP im Aargauer Kantonsparlament sitzt. Ein grosser Teil der Beutetiere würde nämlich nicht verspeist, sondern nur verstümmelt. Jenny schlug für unkastrierte Tiere eine Jahressteuer von 300 bis 400 Franken vor. So gedenkt Jenny, den Katzenbestand zu senken.

Im Baselbiet stösst der Vorschlag aus dem Nachbarkanton auf grosses Echo. «Eine Katzensteuer finden wir prüfenswert», sagt Urs Chrétien, Geschäftsführer von Pro Natura Baselland. «Die Katze ist das einzige Haustier, das unkontrolliert springen gelassen wird. Kommt das bei Hunden vor, wird sofort eingegriffen.»

«Bis zur Vermenschlichung»

Gleicher Meinung ist Petra Ramseier. Die Biologin ist Regionalvertreterin der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz (Karch). «Hauskatzen in der freien Natur sind generell ein Problem, sie haben einen angeborenen Jagdinstinkt.» Massnahmen zur Beschränkung der Zahl der Katzen seien «sicherlich eine Überlegung wert».

Weniger überzeugend findet die Steuer Urs Tester. Er frage sich, ob solche Pauschallösungen etwas bringen würden. «Der Zauneidechse ist es egal, ob sie von einer kastrierten oder unkastrierten Katze verstümmelt wird.»

Susanne Brêchet Schönthal, Geschäftsführerin des Basellandschaftlichen Natur- und Vogelschutzvereins, fragt sich, ob eine Abgabe tatsächlich jemanden davon abhalten könnte, sich eine Katze zu beschaffen. Denn diese würde bei uns, wie der Hund, «einen extrem hohen Stellenwert» geniessen – das gehe «bis zur Vermenschlichung».