Denkmalschutz
Neubau des Dorfladens: Arisdorf fühlt sich vom Denkmalschutz schikaniert

Arisdorf liegt im Streit mit dem Denkmalschutz. Dieser opponiert gegen das Bauprojekt für einen neuen Dorfladen. Der Investor Rolf Schäfer reagierte mit einem offenen Brief an Regierungsrätin Pegoraro.

Andreas Hirsbrunner
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Für Präsident Alex Kämpfen passt der links geplante Neubau gut zum Liftturm am alten Schulhaus.

Für Präsident Alex Kämpfen passt der links geplante Neubau gut zum Liftturm am alten Schulhaus.

Kenneth Nars

Investor Rolf Schäfer hat Grosses vor in Arisdorf, das aber nun an den Vorbehalten des Denkmalschutzes zu scheitern droht. Deshalb hat Schäfer zu einem unorthodoxen Mittel gegriffen: Er hat in der gestrigen bz einen «offenen Brief an unsere Regierungsrätin Frau Sabine Pegoraro» veröffentlicht, in dem er mit massiver Kritik an Mitarbeitern der Bau- und Umweltschutzdirektion auffährt.

Dabei ist Schäfer nicht irgendein Jungspund, sondern ein gestandener Geschäftsmann, der die Firma Amcis in Bubendorf aufgebaut hat. Zusätzlich ins Gewicht fällt, dass der Arisdörfer Gemeinderat nicht vom Vorgehen her, aber in der Sache voll hinter Schäfer steht. Präsident Alex Kämpfen sagt: «Es bringt uns in Rage, wenn der Denkmalschutz ein für unser Dorf enorm wichtiges Projekt mit Scheuklappen statt aus einer Gesamtsicht anschaut.»

Grosse Allianz für das Projekt

Um was geht es? Das knapp 1700 Seelen zählende Arisdorf hat keinen Einkaufsladen mehr. Dies haben die Einwohner in einer Umfrage auch bemängelt. Der Gemeinderat suchte nach einer Lösung und wurde fündig: Volg erklärte sich bereit, einen Laden in Arisdorf zu führen, falls eine geeignete Lokalität im Zentrum zur Verfügung steht. Die Milchgenossenschaft zeigte sich unter diesen Voraussetzungen gewillt, das ehemalige Milchhüsli zu verkaufen. Und mit dem in Arisdorf wohnenden Rolf Schäfer fand der Gemeinderat einen Investor, der nach einer sinnvollen Geldanlage suchte.

Die Knacknuss Notschlachtlokal, das ans Milchhüsli angebaut und mit einem langjährigen Baurecht zugunsten mehrerer Gemeinden belastet war, löste Arisdorf mit einem Neubau. Dieser wird im Juni eingeweiht. Den entsprechenden Kredit von über einer halben Million Franken bewilligte die Gemeindeversammlung vor rund einem Jahr - «einstimmig», betont Kämpfen. Er wertet dies als zwar indirektes, aber klares Volks-Ja für das geplante Volg-Bauprojekt. Dieses beinhaltet neben dem Laden ein Café, eine Arztpraxis und fünf Wohnungen, die auch als Alterswohnungen nutzbar sind. Das entsprechende Baugesuch wurde letzten Oktober eingereicht.

Denkmalpflege stellt sich quer

Weniger Freude als die Arisdörfer hatten die zuständige Ortsbildpflegerin und die kantonale Denkmal- und Heimatschutzkommission am Projekt. Sie bemängelten insbesondere das Volumen des Neubaus und verlangten dessen Gliederung. Es folgte ein Brief-Pingpong zwischen Kommission und Gemeinde und eine Überarbeitung des Projekts.

Ende April verlangte der Gemeindepräsident einen Augenschein vor Ort mit der Kommission und dem Bauinspektorat. Die Ortsbildpflegerin sagte per Mail ab. Kämpfen: «Das ist eine Geringschätzung der Gemeindebehörden.» Dies umso mehr, da Kämpfen das Bauprojekt als «absolut zonenkonform» einschätzt.

Für Schäfer war die Mail Auslöser des offenen Briefs an Pegoraro. Immer kämen neue Auflagen und er befürchte, dass der vertraglich gebundene Volg abspringe. Schäfer: «Ich wollte etwas Gutes fürs Dorf machen. Jetzt habe ich die Nase langsam voll.»

Die Bau- und Umweltschutzdirektion verweist an den Leiter des Bauinspektorats, Andreas Weis. Dieser zeigt sich völlig überrascht vom offenen Brief. Das Bauinspektorat habe letzten Dezember vom Bauherrn bereinigte Pläne verlangt und seither nichts mehr gehört.

Der ganze Konflikt mit dem Denkmalschutz ging völlig am Bauinspektorat vorbei. Dies sei unüblich, meint Weis. Und die Denkmalpflege war für die bz nicht erreichbar; der versprochene Rückruf blieb bis gestern Abend aus.