Beide Basel
Neue Diskussion um Sicherheitskosten an Spielen des FC Basel

Baselland will sparen und verhandelt mit Basel-Stadt über die Kosten der Polizei-Einsätze rund um die Spiele des FC Basel. Der Druck im Landkanton ist gross: Dass ein Millionen-Unternehmen wie der FCB indirekt subventioniert wird, stösst auf Kritik.

Hans-Martin Jermann
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Behelmte Polizisten der Kantonspolizei Baselland vor dem Basler St. Jakob-Park

Behelmte Polizisten der Kantonspolizei Baselland vor dem Basler St. Jakob-Park

KEYSTONE

Es war nur ein Nebensatz, aber einer, der für Diskussionen sorgen dürfte. Man sei daran, mit Basel-Stadt die Vereinbarung zu den Sicherheitskosten rund um die Spiele des FC Basel zu diskutieren, sagte der Baselbieter Sicherheitsdirektor Isaac Reber in der Landratssitzung vergangene Woche.

Der Hintergrund: Bisher werden die Einsätze der Baselbieter Polizei bei Heimspielen des FCB unter dem Stichwort Nachbarschaftshilfe verbucht. Pro Spiel stellt die Baselbieter Polizei grundsätzlich 15 Mitarbeiter kostenlos ab. Entschädigt wird nur, was darüber hinausgeht – etwa Einsätze bei Hochrisikospielen. Dafür wird jeweils das Polizeikonkordat Nordwestschweiz aufgeboten und die beteiligten Kantone Baselland, Aargau, Solothurn und Bern für ihren Aufwand entlöhnt.

FCB längst «florierende Firma»

Angesichts der finanziellen Schieflage des Kantons versucht die Baselbieter Regierung, eine neue Regelung auszuhandeln. Zusätzlicher Druck kommt aus dem Landrat. Selbst Sportliebhaber wollen nicht mehr hinnehmen, dass der klamme Landkanton Gratis-Polizeieinsätze für den Millionen-Club leistet. «Dass Baselland durch unentgeltliche Polizeieinsätze indirekt den FC Basel dermassen unterstützt, nervt mich gewaltig», sagt der SVP-Landrat und langjährige Fussball-Schiedsrichter Paul Wenger.

Dies auch deshalb, weil der FCB mit seinem Umsatz von mehreren Dutzend Millionen Franken längst kein Verein im herkömmlichen Sinne mehr sei, sondern ein florierendes Wirtschaftsunternehmen. Etwas anderes wäre es, wenn die Polizei einem kleinen Sportverein zu Hilfe eilen müsse, bei einem einmaligen Einsatz, findet Wenger und nennt als Beispiel das Cupspiel des SV Muttenz gegen die Berner Young Boys 2012. Dessen Durchführung war nur dank der Übernahme der Sicherheitskosten durch den Kanton möglich.

Der Reinacher Landrat begrüsst es, dass Sicherheitsdirektor Reber neue Regeln aushandeln will. «Baselland sollte gar so weit gehen und die Einsätze vor dem Stadion zu Vollkosten einfordern – zumindest bei sogenannten Hochrisikospielen.» Solche Einsätze würden nämlich weit über den generellen Sicherheitsauftrag der Polizei hinausgehen, findet Wenger.

Aus der politischen Linken im Baselbiet klingt es vorsichtiger: SP-Landrat und Matchbesucher Andreas Bammatter verweist auf die grosse Ausstrahlung und Identifikationskraft des FCB in der ganzen Region. Rund die Hälfte der Fans im Joggeli wohnen im Baselbiet. Doch auch Bammatter findet: «Ob der FC Basel bei Sicherheitseinsätzen anders behandelt werden soll als der kleine Verein vom Dorf, ist zumindest zu prüfen.»

Bei der Baselbieter Polizei heisst es, dass die beiden Kantone generell über die grenzüberschreitende polizeiliche Zusammenarbeit verhandeln würden. «Diese Vereinbarung ist noch nicht unterschrieben und wir können im Moment keine Auskünfte zu den Inhalten geben», sagt Polizeisprecherin Barbara Richard.

Die erwähnte, im Juni 2010 beschlossene Regelung, wonach Baselland für die FCB-Spiele dem Stadtkanton unentgeltlich Polizisten zur Verfügung stelle, sei mehr als bloss Nachbarschaftshilfe: Baselland erhalte eine Gegenleistung, weil die Einsatzleiter beider Polizeien bei Bedarf auf die gesamten Einsatzkräfte zurückgreifen könnten, sagt Richard. Diese Aussage ist vor dem Hintergrund einiger unrühmlicher Vorfälle auf Baselbieter Boden zu sehen.

FCB bezahlt 1.80 pro Zuschauer

Bestandteil der Vereinbarung von 2010 ist zudem, dass der FCB pauschal 1.80 Franken pro Zuschauer als Beitrag an die Sicherheitskosten an den Kanton Basel-Stadt entrichtet – egal, wie gross das Polizeiaufgebot ist. Bei durchschnittlich 28 000 Zuschauern pro Heimspiel macht dies etwa 50 000 Franken aus.

Damit ist ziemlich genau ein Drittel der Kosten des Basler Justiz- und Sicherheitsdepartements gedeckt. Diese betrugen letztes Jahr rund 150 000 Franken pro Spiel. Das ist der tiefste Wert seit 2008.

Kosten sparen konnte die Basler Polizei in den letzten Jahren einerseits durch technische Installationen rund ums Stadion. Anderseits werden nationale Partien seit längerem kaum mehr als Hochrisikospiele eingestuft – in den letzten zwei Jahren geschah dies nur noch ein Mal.

Während die Sicherheitskosten lange Zeit stetig anstiegen, konnten sie in den letzten Jahren auf 4,2 und 4,3 Millionen Franken gesenkt werden. 2013 lagen sie noch bei 5,7 Millionen.