Neue Heimatkunde
Eingeklemmt und verwechselt: Das Schicksal der Gemeinde Böckten

Böckten erhält nach über 150 Jahren eine neue Heimatkunde. Das Dorf ist geprägt von seiner Lage zwischen den Oberbaselbieter Zentren Sissach und Gelterkinden.

Tobias Gfeller
Merken
Drucken
Teilen
Martin Furter präsentiert neue Heimatkunden Böckten.

Martin Furter präsentiert neue Heimatkunden Böckten.

Bild: Tobias Gfeller

Wohl jede Böckterin und jeder Böckter kann eine Geschichte erzählen, dass sich Auswärtige ins 820 Seelendorf verirrt haben, obwohl sie nach Buckten wollten. Meistens passiert es umgekehrt, weil Buckten im Homburgertal dank HD Läppli doch etwas bekannter ist. Auch Martin Furter hat eine solche Geschichte auf Lager: «Als ich in meinem Garten sass, hielt ein grosses Auto an. Ich fragte den Fahrer, ob er etwas suche.» Dieser sei verdutzt gewesen, dass er seinen Kollegen mit dem Lastwagen auf der Autobahn verloren hat, obwohl sie doch mit den Stühlen für die Mehrzweckhalle nach Böckten wollten. Furter war schnell klar, was passiert ist. Und tatsächlich: Der Lastwagenfahrer verirrte sich nach Buckten. «Böckten, nicht Buckten!», müssen die Einwohnerinnen und Einwohner aufgrund der Verwechslungsgefahr immer wieder klarmachen.

Pläne für Umfahrungsstrasse

Mit der kürzlich erschienen neuen Heimatkunde könnte Böckten etwas an Bekanntheit gewinnen. Gemäss Martin Furter, Mitglied der vor drei Jahren ins Leben gerufenen Heimatkundekommission, sei Böckten sogar für einzelne Oberbaselbieterinnen und Oberbaselbieter unbekannt. Das liege vor allem an dessen Lage zwischen den beiden Zentrumsgemeinden Sissach und Gelterkinden. «Böckten ist quasi eingeklemmt. Die meisten fahren hier ohnehin einfach nur durch.»

Dementsprechend viel befahren ist auch die Kantonsstrasse. Der Lärm ist beträchtlich, zu Stosszeiten gibt es oftmals Stau. Pläne für eine Umfahrungsstrasse aus den 1960er-Jahren wurden nie realisiert. «Wir haben den Kanton immer wieder auf die Problematik aufmerksam gemacht und um Lösungen gebeten», sagt Gemeindepräsident Elmar Gürtler, der die Heimatkundekommission präsidiert.

Es überrascht wenig, dass Böckten gemäss Martin Furter als einzige Baselbieter Gemeinde gegen die 2006 eröffnete Umfahrung Sissach gestimmt hatte. «Alle wussten hier, dass Böckten den Verkehr abbekommen würde. Und so ist es auch gekommen.» Einen ÖV-Anschluss durch den zwischen Sissach und Gelterkinden verkehrenden Bus gibt es erst seit wenigen Jahren.

Kreuzung als Dorfplatz

Obwohl Böckten in den vergangenen 40 Jahren dank Überbauungen im Talboden und Neubauten am sonnigen Südhang seine Einwohnerzahl verdoppeln konnte, ist die Geschichte rund um den Dorfkern jederzeit spürbar. Dass Martin Furter bei der Präsentation der neuen Heimatkunde am Donnerstagabend auf dem Spaziergang eine Kreuzung mit einer Strassenlampe mit Wegweisern als «Dorfplatz» und «wichtigen Ort» bezeichnete – daneben hat es einen kleinen Platz mit Sitzmöglichkeiten, steht sinnbildlich für die Idylle, die sich Böckten trotz Wachstum erhalten konnte. Das Dorf hat sich zwar entwickelt, doch der Grundcharakter mit den vielen kleinen Obstgärten ist stets der gleiche geblieben. Das Leben pulsiert auch weniger auf dem vermeintlichen Dorfplatz als vielmehr rund ums Schulhaus und zu Nicht-Coronazeiten in der Mehrzweckhalle.

Wie sehr Böckten von seiner Lage zwischen Sissach und Gelterkinden geprägt wurde, zeigt sich am einstigen Bezirksschulhaus, in dem zuvor die Familie Merian ihren Herrschaftssitz hatte und heute die Gemeindeverwaltung einquartiert ist. Weil sich Sissach und Gelterkinden nicht einigen konnten, wer das Schulhaus erhält, kam Böckten als Kompromiss zum Handkuss. Doch mit dem Wachstum der beiden Zentren brauchten diese je selber eine Sekundarschule.

Die Heimatkundekommission wollte in der Heimatkunde vor allem das Böckten von heute mit Blick auf dessen Entwicklung festhalten. Wer es genau kennenlernen möchte, kann dies mit dem extra für die Heimatkunde entworfenen Quiz tun. Nur wer Böckten gut kennt oder die Heimatkunde zu nutzen weiss, wird auf das richtige Lösungswort kommen.