Verarbeitung
Neue Holz-Wunderwelten tun sich auf: Gelterkinder ganz vorne mit dabei

Die Margen für Buchenholz sind klein und die Frankenstärke schwächt den Markt ebenfalls. Aber der Holzverarbeiter ANW mit Sitz in Gelterkinden will die Buche salonfähig machen.

Lucas Huber
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Keine andere Maschine weltweit könnte diesen Nussknacker aus Buche herstellen (die Öffnung fasst einen Kopf).

Keine andere Maschine weltweit könnte diesen Nussknacker aus Buche herstellen (die Öffnung fasst einen Kopf).

Zur Verfügung gestellt

Das Geschäft mit dem Holz harzt. Besonders die Buche gilt als Problembaum. Nicht weil ihr Holz von schlechter Qualität wäre. Ganz im Gegenteil. Trotzdem ging und geht es dem Preis für Buchenholz an den Kragen. Die Margen sind klein, und die Frankenstärke tut ihr Übriges. Da erstaunt es nicht, dass Waldbewirtschafter und Holzverarbeiter händeringend nach einträglicheren Lösungen suchen.

Eine solche könnte die Fagus Jura SA mit Sitz in Vendlincourt JU bieten. Gegründet 2014, gehört das Unternehmen Nordwestschweizer Waldbesitzer-Organisationen und der grössten Laubholz-Sägerei der Schweiz. Das Ziel ist, ab 2016 Hochleistungs-Bauelemente aus hiesiger Buche zu produzieren – damit das Holz auch aus Baselbieter Wäldern nicht billig nach Asien exportiert oder umweglos in den Hackschnitzelheizungen von Herrn und Frau Schweizer verfeuert wird.

Liestals Bahnhof aus Buchenholz

Denn Buchenholz eignet sich optimal als Konstruktionsholz. Es ersetzt mitunter Armierungsstahl. Das betont auch die ETH Zürich, die etwa an einer Verbunddecke aus Buchenholz und Beton forscht. Und seit der Gesetzgeber achtgeschossige Holzbauten erlaubt, wird Buche als Bauholz noch interessanter. Der Baselbieter Volkswirtschaftsdirektor Thomas Weber erklärte kürzlich an einer Fachtagung, dass das neue Hauptgebäude am Liestaler Bahnhof aus Buchenholz gebaut werden könnte. «Der Kanton unterstützt diese Entwicklung», versprach er.

Vom Aquabasilea bis zum «Chedi»

Griechenland, Italien, England: Das Abbundcenter Nordwestschweiz ANW, einer der führenden industriellen Holzverarbeiter der Schweiz, lieferte schon nach halb Europa. Auch für das Aquabasilea in Pratteln, das Sole Uno in Rheinfelden oder das Hotel Chedi in Andermatt hat die ANW Holz zurechtgesägt.

Die Firma zählt sechs Mitarbeiter, ihr Sitz ist Gelterkinden, produziert wird allerdings im nahen Wittnau. ANW verarbeitet rund 2000 Kubikmeter Holz im Jahr, ihre Kunden sind Holzbaubetriebe, Schreinereien und Zimmereien.

Die Maschine der Firma Technowood aus Alt St. Johann SG ist eines der modernsten Bearbeitungscenter weltweit. Vereinfacht gesagt ist es ein Bohr-, Fräs- und Sägewerk, das Sparren und Balken auf allen sechs Seiten vollautomatisch bearbeiten kann. «Diese Maschine ist ein riesiger Sprung vorwärts. Sie eröffnet ganz neue Welten und verarbeitet tonnenschwere Balken millimetergenau.» Das sagt Thomas Rohner, eine der grössten Kapazitäten punkto Holzbau in der Schweiz. Er schwärmt von den neuen Möglichkeiten der Branche; allen voran der Hybridbauweise, etwa mit Buche und Beton. Das Potenzial, das er in der Buche als Bauholz, im Holz als Baustoff allgemein und im Abbundcenter der ANW im Speziellen sieht, ist riesig. Neue Paradigmen entstünden, das werde die Schaffung ganz neuer Berufe mit sich bringen, ist er überzeugt. «Und dafür brauchen wir die schlausten Köpfe, die man überhaupt finden kann.»

Dank der neuen Anlage erhält die ANW eine fast einmalige Marktposition, schrieb die «Schweizer Holz-Zeitung» kürzlich. Geschäftsführer Philipp Gerber sieht das ähnlich: «Wir gehören zu den Ersten, die Abbund- und Planungsdienstleistungen für den Bau mit Buche anbieten können. Punkto Innovationskraft sind wir also ganz vorne dabei.»