Neue Kirchenordnung
Hände weg vom Sonntag! Baselbieter Reformierte wollen den Ruhetag besser schützen

Die Synode der Baselbieter Reformierten berät die totalrevidierte Kirchenordnung. Etliche Änderungen müssen beschlossen werden. So wird etwa der Sonntag als Ruhetag definiert und bei der Taufe wird das Wort Eltern durch Erziehungsberechtigte ersetzt. Ein Ziel der Total-Revision sind auch «peppigere» Gottesdienste.

Benjamin Wieland
Drucken
Teilen
Sonntag, Ruhetag gilt schon lange nicht mehr. Das passt nicht allen. (Foto: Sonntagsverkauf in Basel)

Sonntag, Ruhetag gilt schon lange nicht mehr. Das passt nicht allen. (Foto: Sonntagsverkauf in Basel)



Roland Schmid

Der Sonntag ist als Ruhetag nicht mehr sakrosankt. Zwar verbietet das Arbeitsgesetz weiterhin die Beschäftigung von Arbeitnehmenden zwischen Samstag, 23 Uhr, bis Sonntag, 23 Uhr. Doch es werden immer mehr Ausnahmen erlaubt.

Der schleichenden Aufweichung des Sonntagsarbeitsverbots wollen die Kirchen entgegenwirken – auch die Baselbieter Reformierten. In der revidierten Kirchenordnung wird der Sonntag neu explizit als Ruhetag genannt, zuvor war das nicht der Fall. Die neue Bestimmung im Wortlaut: «Die Kirchgemeinden und die Kantonalkirche setzen sich dafür ein und unterstützen Bestrebungen, die christlichen Traditionen zu pflegen und den Sonntag als Tag der Besinnung und Ruhetag zu erhalten.»

Andrea Heger ist Präsidentin der Synode, also des kantonalen Kirchenparlaments, welche die Revision der Kirchenordnung am Dienstag in zweiter Lesung berät. Die EVP-Landrätin aus Hölstein sagt zur bz:

«Der Gesamtgesellschaftliche Trend geht in die Richtung, dass man den Sonntag nicht mehr als Ruhetag betrachtet.»

Es würden immer mehr Aktivitäten auch sonntags ermöglicht. «Wir hatten schon bisher die Auffassung, dass das nicht der richtige Weg ist», fügt Heger an. «Die Synode wollte diese Haltung auch in der Kirchenordnung festgehalten.» Somit habe man eine Grundlage, sich für den Sonntag einzusetzen.

Kein Abendmahl mehr vorgeschrieben an Auffahrt

Neben dem Passus mit dem Ruhetag werden weitere Änderungen der Kirchenordnung der Evangelisch-reformierten Kirche behandelt. Eine Auswahl:

  • Bei der Kindertaufe wird das Wort Eltern durch Erziehungsberechtigte ersetzt. Das habe schlicht damit zu tun, sagt Heger, dass diese Begriffe schon seit Längerem nicht mehr zwingend zusammenfallen würden.
  • Neu soll der Palmsonntag als kirchlicher Feiertag definiert werden, zusätzlich zu den folgenden neun kirchlichen Feiertagen: Erster Advent, Heiligabend und Weihnachten, Karfreitag, Ostern, Auffahrt, Pfingsten, Verenasonntag, Bettag und Reformationssonntag. Gemäss Andrea Heger geht es bei dieser Änderung darum, dass man Feiertage festhalten wollte, an welchen Gottesdienste gefeiert werden, zusätzlich zum Sonntag. Der Palmsonntag sei vor der ersten Lesung noch nicht genannt worden. Daher habe man ihn hinzugefügt.
  • Auf der anderen Seite steht ein Feiertag, an dem die Pflicht, das Abendmahl zu feiern, entfällt: Auffahrt. Hier wolle man Doppelbelastungen vermeiden, sagt Heger. Denn in etlichen Gemeinden würde der Banntag an Auffahrt durchgeführt, inklusive eines ökumenischen Anlasses. «Den Kirchgemeinden soll deshalb nicht vorgeschrieben werden, auch noch ein Abendmahl zu feiern – sie dürfen das jedoch selbstverständlich tun.»
  • Es gibt neue Minimalvorgaben für den Pfarrdienst: Eine Vollzeitstelle pro 1500 Mitglieder. Für kleine Kirchgemeinden gilt die Vorgabe proportional, grosse Gemeinden dürfen mehr Stellen besetzen, müssen das aber nicht.
  • Weiter wird in der neuen Kirchenordnung das Amt Liturg, Liturgin im Nebenamt eingeführt. Andrea Heger sagt, dass es dieses Amt bislang so nicht gegeben habe, lediglich Laienprediger und Laienpredigerin.

Sie ist ein Mammutwerk, die Totalrevision der Kirchenordnung. Bei der Synodenversammlung im Prattler Kultur- und Sportzentrum ist sie das Haupttraktandum. Schon 2020 war die Totalrevision der Kirchenverfassung beschlossen worden.

Hoffnung auf Gottesdienste mit mehr «Pep»

Es handelt es sich um die zweite ausserordentliche Synode nach der ersten im März mit Fortsetzung im Juni. Bis 2023 werden weitere Rechtsquellen revidiert.

Die Revision angestossen hat ein Vorstoss von 2015. Ziel war, dass die Kirchgemeinden Gottesdienste freier ansetzen und gestalten dürfen. So sollten unter anderem gemeinsame Feiern mehrerer Gemeinden unbegrenzt möglich sein. «Andererseits», heisst es in der Einladung zur Synode, «sollte zu ‹peppiger›, vielfältiger Musik- und Liederauswahl im Gottesdienst ermutigt werden.»

Aktuelle Nachrichten