Gemeindewahlen 2020
Neue wollen Bisherige verdrängen

In Sissach streben alle amtierenden Gemeinderäte ihre Wiederwahl an. Zwei neue Namen mischen mit.

Simon Tschopp
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Zieht ein Neuer ins Sissacher Gemeindehaus ein?

Zieht ein Neuer ins Sissacher Gemeindehaus ein?

Simon Tschopp

Eine Blutauffrischung täte gut. Diese Aussage hört man derzeit nicht selten auf den Strassen des Bezirkshauptorts im Hinblick auf die Gesamterneuerungswahl des Sissacher Gemeinderats vom 9. Februar. Sämtliche sieben Bisherigen treten erneut an, was sie bereits Ende September 2019 bekannt gemacht haben.

Für diese Blutauffrischung sorgen könnten die beiden neu Kandidierenden: der bürgerliche Bewerber Stephan Marti, Präsident von Pro Sissach, und Roland Schmitter (parteilos). Wer von den amtierenden Ratsmitgliedern am ehesten eine Abwahl zu fürchten hätte, lässt sich nur schwer prognostizieren.

 Stephan Marti.

Stephan Marti.

Zur Verfügung gestellt

Unter dem Kunsti-Debakel gelitten

Sissachs Exekutive leistete in den vergangenen Jahren weitestgehend gute Arbeit, aber sie musste auch leiden – unter dem Debakel um die massive Kostenüberschreitung beim Neubau der Eishalle und bei der Sanierung der Kunsteisbahn. Vor allem Gemeindepräsident Peter Buser, der ebenfalls die Baukommission präsidiert, hat teilweise harsche Kritik über sich ergehen lassen müssen. Er hatte einige schlaflose Nächte. Buser, im Dorf gut verankert und mit der Stechpalme eine kampfstarke Ortspartei im Rücken, informierte zwar regelmässig über den Bauverlauf, jedoch nicht immer mit glücklicher Hand. Er sah sich oft in der Defensive. Im November 2018 platzte drei Stimmbürgern, darunter Stephan Marti, der Kragen und deckten den Gemeinderat mit einem umfassenden Fragenkatalog ein. Die Antworten liessen lange auf sich warten.

 Roland Schmitter.

Roland Schmitter.

Zur Verfügung gestellt

«Der Gemeinderat hätte mehr Spielraum gehabt und auch ausserhalb der Gemeindeversammlungen kommunizieren können. Er hätte die Probleme früh ansprechen sollen», bemängelt der 62-jährige Marti aus zeitlicher Distanz. Wichtig sei, dass derart komplexe Bauvorhaben künftig enger begleitet würden, was die Gemeinde auch tun wolle. «Ich bin gespannt, wie man das konkret umsetzen will, denn neue Projekte stehen bevor», betont er.

Exponiert als Gemeinderäte waren auch Lars Mazzucchelli und Daniel Stocker. Finanzchef Mazzucchelli hat seine grossen Auftritte jeweils an der Rechnungs- und an der Budget-Gemeindeversammlung und wird konstant vom Präsidenten der Rechnungsprüfungskommission herausgefordert. Der SP-Mann, der eine solide Finanzpolitik betreibt, wahrt aber stets die Contenance. Der Freisinnige Stocker, der für den Verkehr zuständig ist, erhält wegen der Begegnungszone immer wieder Tadel. Gefordert wird eine Verkehrsentlastung, was in der kommenden Amtsperiode realisiert werden soll.

Ein Handwerker und ein Kaufmann

Roland Schmitter, der sich momentan zum Bauleiter umschulen lässt, macht Werbung in eigener Sache und meint, ein Handwerker und Baufachmann wie er könnte den Sissacher Gemeinderat «ein ganzes Stück» aufwerten. Er wolle sich für das Dorf und seine Bevölkerung einsetzen und das bestehende Potenzial erweitern. Der 51-Jährige vermisst in der jetzigen Behörde das Teamwork. «Von aussen her habe ich den Eindruck, dass der Rat mehr als Einheit auftreten müsste», urteilt Schmitter. Dieser ist Vizepräsident der Fasnachtsgesellschaft Sissach und baut das Chluri, das jeweils zum Ende der Fasnacht auf der Allmend verbrannt wird.

Der selbstständige Kaufmann Stephan Marti glaubt, dass «ich aufgrund meiner beruflichen Erfahrung in einigen Bereichen etwas einbringen kann». Er kommuniziere gut, auch wolle er neue Dynamik in den Gemeinderat bringen, so Marti, welcher der Sissacher Finanzplanungskommission angehört.

Weder Stephan Marti noch Roland Schmitter zielen mit ihren Kandidaturen auf Personen im Gemeinderat. Der Stimmbürger soll entscheiden, meinen sie unisono. Nicht im Sinn von Marti sein kann jedoch, sollte Daniel Stocker (FDP) oder Fredi Binggeli (SVP) abgewählt werden. Denn das Trio tritt gemeinsam auf und will die bürgerliche Kraft im Gremium stärken. Über ihre Wahlchancen wollen sich die beiden Neuen nicht äussern, das sei «sehr schwierig» zu beurteilen.

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