Sissach
Neuer Anlauf für Tempo-30-Zonen

Der Gemeinderat bringt flächendeckende Tempo-30-Zonen vor die Gemeindeversammlung. Bereits 1999 stimmten die Sissacher über ein ähnliches Projekt ab. Es wurde zunächst gutgeheissen, dann aber von einem Referendum gebodigt.

Lucas Huber
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Der Gemeinderat will alle Wohngebiete beruhigen. Lucas Huber

Der Gemeinderat will alle Wohngebiete beruhigen. Lucas Huber

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) propagiert das Modell 50/30 schon seit Jahren: Tempo 50 auf verkehrsorientierten Strassen, also den Haupt- und wichtigsten Nebenstrassen, Tempo 30 in den Wohngebieten. Genau diese Unterteilung der Gemeindestrassen in zwei Kategorien strebt Sissach nun an. Im Nordwesten des Bezirkshauptorts gilt seit über zehn Jahren Tempo 30. «Ein Erfolgsmodell», sagt der zuständige Gemeinderat Martin Hauswirth.

Die Strassen seien sicherer, die Unfälle seltener, die Wohnqualität besser. Nun plant der Gemeinderat, ein Netz von drei weiteren Tempo-30-Zonen über Sissach zu spannen, das praktisch die gesamte Wohnfläche der Gemeinde umfasst. Es sind dies neben der bestehenden Zone «Nordost» die Zonen «Süd» (südlich der Bahnlinie), «Mitte» (zwischen Rheinfelderstrasse südlich der Ergolz und der Zunzgerstrasse nördlich der Bahnlinie) sowie «Nordost» (nördlich der Hauptstrasse, östlich der Rheinfelderstrasse). Da die Hauptstrassen Hoheitsgebiet des Kantons sind, sind diese derzeit kein Thema für die Tempo-30-Zonen.

Tempo 30 ist weniger gefährlich

Die Chancen, als Fussgänger einen Unfall mit einem Auto bei Tempo 50 zu überleben, stehen gemäss BFU bei 30 Prozent. Bei Tempo 30 steigt die Wahrscheinlichkeit auf 90 Prozent. Insbesondere für Kinder und ältere Menschen stellen die Strassen ein erhöhtes Risiko dar. Darum ist Martin Hauswirth die Zone «Nordost» besonders wichtig. Dort befindet sich das Bützenen-Schulhaus. Zusammen umfassen die drei geplanten Zonen aber sämtliche Kindergärten, die Primarschule und die beiden Sekundarschulen.

Bauliche Massnahmen will der Gemeinderat möglichst umgehen. So sollen einzig wechselseitig angezeichnete Parkplätze die Geschwindigkeitsreduktion bestärken. An den Eingangsportalen werden ausserdem deutliche Markierungen angebracht, die den grössten Teil der veranschlagten Kosten von rund 150 000 Franken verschlingen werden.

Hoffen auf Zustimmung

Bereits 1999 stimmten die Sissacher über ein ähnliches Projekt ab. Damals wurde das Begehren, das aus der Bevölkerung stammte, an der Gemeindeversammlung gutgeheissen, später aber per Referendum gebodigt. Heute, sagt Verkehrschef Hauswirth, stünden die Chancen besser: «In den letzten Jahren hat ein Wandel in den Köpfen der Bevölkerung stattgefunden. Das Vorhaben stösst heute eher auf offene Ohren.» Darum rechnet Martin Hauswirth mit einer Zusage aus der Bevölkerung. Diese wird an der Gemeindeversammlung vom 21. Juni entscheiden.