Besitzerwechsel
Neuer Ärger auf dem Walzwerk-Areal – Mieter sind besorgt

Die neue Besitzerin hat Grosses vor – viele Mieterinnen und Mieter fürchten, im «Schicki-Micki-Park» gebe es für sie keinen Platz.

Caspar Reimer
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Das Walzwerk wird umgewälzt. Viele Betriebe sehen für sich hier keine Zukunft mehr.

Das Walzwerk wird umgewälzt. Viele Betriebe sehen für sich hier keine Zukunft mehr.

Ken (8. Juli 2020

Ist es mit dem bunten Nutzungsmix auf dem Walzwerk-Areal zwischen Münchenstein und Arlesheim bald vorbei? Geht es nach Mietern, so lautet die Antwort: Ja. Wie das «Wochenblatt für das Birseck und Dorneck» in seiner jüngsten Ausgabe berichtet, üben Gewerbetreibende Kritik an den Plänen der Eigentümerin des Areals, der Zürcher Investmentfirma Swiss Urban Properties AG (SFUP). Was sie vorhabe, passe in der «Grossspurigkeit nicht zur Region und schon gar nicht zum Walzwerk-Areal», zitiert das «Wochenblatt» eine Person, die anonym bleiben möchte.

Aus Angst vor negativen Konsequenzen möchte keiner der Betroffenen seinen Namen in der Zeitung lesen. Kritik werde von den Besitzern nicht gerne gehört, heisst es. Die Stimmung unter den Mietern des Areals sei aber gereizt, wie von verschiedenen Quellen zu hören ist. Insbesondere Handwerksbetriebe befürchten, dass sie nicht mehr ins Konzept passen. Das Areal mit seinem etwas alternativen Charakter werde «es in dieser Art nicht mehr geben».

Auch Groll schwingt mit in den Äusserungen

Die Quadratmeterpreise seien mit den neuen Verträgen erhöht worden, angesichts der wirtschaftlichen Situation ein problematischer Schritt. Anfragen an die Inhaberfirma, die Mietzinse wegen der Umsatzeinbussen als Folge des Corona-Lockdowns zu erlassen, würden «durchs Band abgelehnt», heisst es aus anderer Quelle. Zudem müssten Betriebe ihren Platz einschränken – wohl zu Gunsten von «vielleicht lukrativeren» Betrieben.

Münchenstein mahnt: «Zum Areal Sorge tragen»

«Die SFUP will möglichst viel Gewinn aus dem Areal ziehen», so die Vermutung. Befürchtet wird ein «Schicki-Micki-Freizeitpark» für Gutverdienende.

Die SFUP erwarb das rund 40000 Quadratmeter grosse Areal 2017 für 54 Millionen Franken. Sie plante ursprünglich eine finanziell lukrative Wohnüberbauung. Dieses Vorhaben stiess aber bei den Standortgemeinden Arlesheim und Münchenstein auf wenig Gegenliebe. Zudem hatten beide Gemeindeversammlungen vor dem Verkauf einen Zonenplan verabschiedet und das Areal der Gewerbezone zugewiesen. Reine Wohnüberbauungen wären somit nicht gestattet.

«Auf die Mietzinspolitik haben die Gemeinde keinen Einfluss»

Zur Kritik der Gewerbetreibenden zitiert das «Wochenblatt» die Münchensteiner Gemeindepräsidentin Jeanne Locher (SP): «Die Gemeinden haben sich auf den Standpunkt gestellt, dass die Gewerbebetriebe und Arbeitsplätze auf dem Areal erhalten bleiben sollen.» Es gelte, zum Areal bei der Weiterentwicklung Sorge zu tragen. «Auf die Mietzinspolitik kann die Gemeinde aber keinen Einfluss nehmen.»

Lochers Amtskollege aus Arlesheim, Markus Eigenmann (FDP), sagt, die Gemeinde habe bei derartigen Vorhaben nur marginale Mitwirkungsmöglichkeiten. Das Areal sei zwar einzigartig und für die Bevölkerung sehr attraktiv. Er fügt aber hinzu, jedes Gebiet müsse sich weiterentwickeln: «Sonst wird es zum Museum und verstaubt.»

Vermieterin sagt, man bedauere die Kündigungen

Martina Vogel von der Swiss Urban Properties AG sagt zum «Wochenblatt», man Suche mit den bestehenden und zukünftigen Mietern das Gespräch, um «deren Absichten frühzeitig kennen zu lernen». Einige Gebäude müssten saniert, andere «ineffizient genutzte Flächen neu organisiert» werden.

Weiter würden sich gewisse freie Flächen neu bebauen lassen. Bezüglich Mietzinsunterstützung lässt Vogel verlauten, man habe «allen Mietern, die wegen der Pandemie ihren Betrieb hätten schliessen müssen, bis Februar 2021 freiwillig den Mietzins gestundet».

Die SFUP weiss von den unzufriedenen Mietern. Laut Martina Vogel haben einzelne bereits mitgeteilt, sie würden sich auf dem Walzwerk nicht mehr weiterentwickeln wollen. Das habe man mit Bedauern zur Kenntnis genommen.