Muttenz
Neuer Fachhochschul-Campus: Hier wird grün gelehrt, aber nicht gelebt

Am neuen Fachhochschul-Campus in Muttenz wird dereinst Nachhaltigkeit gelehrt, doch der Bau ist alles andere als grün. Das kritisiert der Baselbieter Grünen-Landrat Jürg Wiedemann. Doch kommt seine Kritik nicht schon zu spät?

Leif Simonsen
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Der Neubau Kubuk der FHNW wird nicht vollumfänglich im Minergie-P-Standard gebaut.

Der Neubau Kubuk der FHNW wird nicht vollumfänglich im Minergie-P-Standard gebaut.

Visualisierung/ZVG

Vier Jahre vor Inbetriebnahme wird bereits die erste Kritik am Neubau der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Muttenz laut. Während die Baselbieter Regierung in der Vorlage zum Baukredit selbstbewusst von einem «Leuchtturmprojekt» spricht, welches der sogenannte Kubuk «unter ökonomischen, sozialen und ökologischen Kriterien sein wird», bezweifelt der Grünen-Landrat Jürg Wiedemann vor allem Letzteres. «Ein Gebäude, das 300 Millionen kostet, muss Champions-League-tauglich sein», findet der Birsfelder. Der Neubau, der aufs Studienjahr 2018/2019 hin in Betrieb genommen werden soll, sei jedoch allerhöchstens Durchschnitt, ist Wiedemann überzeugt.

In Basel ist Minergie-P Standard

Wiedemann stört sich, dass «genau dort, wo Nachhaltigkeit gelehrt werden soll, darauf verzichtet wird». So wird die Zertifizierung Minergie-P gemäss Vorlage nur angestrebt, «soweit sinnvoll und möglich». Während die Gebäudehülle und die haustechnischen Anlagen die Anforderungen erfüllten, gäbe es für den Laborbereich keine Zielvorgaben. «In Basel-Stadt gilt etwa, dass alle neuen Gebäude der öffentlichen Hand im Minergie-P-Standard gebaut werden müssen», sagt Wiedemann. Und auch die anderen FHNW-Neubauten seien vorbildlich: In Münchenstein wird beispielsweise umfassend im Minergie-P-Standard gebaut.

Doch selbst dieses Label würde den Grünen nicht zufriedenstellen. Weil die Hochschule erst 2018 in Betrieb genommen wird, glaubt er, dass die fortschreitende Technik dem Kanton in die Hände spielt. Er hält nicht nur das Minergie-P-Label («sehr energieeffizient») für realistisch, sondern sogar Minergie-A. Für diese Klassifizierung ist ein Nullverbrauch nötig, das Gebäude erzeugt seine Energie und das Warmwasser selber.

Wie es scheint, kommt Wiedemanns Reaktion zu spät. Bereits am Donnerstag ist die Vorlage im Landrat traktandiert, und selbst seine Fraktionskollegen äussern – wenn überhaupt – nur vage Kritik. Mit 11 zu 0 Stimmen empfiehlt die Bau- und Planungskommission (BPK) die Annahme des Kredits. Das grüne BPK-Mitglied Julia Gosteli ist der Meinung, dass «das Gesamtkonzept nach Abwägen der Finanzen stimmt». Welche finanziellen Auswirkungen indes die Minergie-Zertifizierungen gehabt hätten, wissen weder sie noch Wiedemann – und auf die Schnelle konnte das auch der Kanton gestern nicht herausfinden. Eine Anfrage der bz bei der Baudirektion blieb erfolglos.

Kritik an Regierung und Landrat

Trotz seiner Unzufriedenheit wird auch Wiedemann am Donnerstag den grünen Knopf drücken, wenn es um die Verabschiedung des Baukredits geht. Der Campus, in dem die Studienrichtungen Architektur, Bau und Geomatik, Life Sciences, Pädagogik, Soziale Arbeit sowie der Trinationale Studiengang in Mechatronik untergebracht sein wird, ist für den Landkanton von zu grosser Bedeutung, als dass der Bildungspolitiker ihn jetzt noch ausbremsen will.

Statt eines Vorstosses wird er es deshalb bei einer Wortmeldung belassen. Wiedemanns Kritik wird sich dann in erster Linie an die Regierung richten. Aber auch an jene Parlamentarier, die den Finger in den Kommissionsberatungen nicht auf den wunden Punkt gelegt haben. So erhofft er sich, dass das nächste Grossprojekt des Kantons Baselland auch in ökologischer Hinsicht ein Leuchtturm sein wird.