Neuer Verein schiesst gegen Photovoltaik

Die neu gegründete «Liga Baselbieter Stromkunden» möchte in der kantonalen Strompolitik ein Gegengewicht zu «links-grünen Extrempositionen» bilden. Erste Zielscheibe ist dabei die Photovoltaik-Subventionierung der Elektra Baselland (EBL).

Michael Nittnaus
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bz Basellandschaftliche Zeitung

Die Initiative «Weg vom Öl» habe sie wach gerüttelt. Auch wenn diese Ende September an der Urne klar scheiterte und das Baselbieter Stimmvolk dem von bürgerlicher Seite unterstützten Gegenvorschlag den Vorrang gab, sei ihnen etwas klar geworden: «Die energiepolitischen Diskussionen in Baselland werden von links-grünen Gruppierungen dominiert, die teils realitätsfremde Positionen vertreten», sagt Christoph Buser. Der FDP-Landrat gründete deshalb nun die «Liga Baselbieter Stromkunden» und ist ihr erster Präsident.

Verein bürgerlich dominiert

Der Verein präsentierte sich heute offiziell im Haus der Wirtschaft in Liestal der Öffentlichkeit. Die Wahl des Ortes ist nicht zufällig: Buser sitzt auch in der Geschäftsleitung der Wirtschaftskammer Baselland. Die Liga ist auch sonst bürgerlich dominiert: Neben Buser sitzen die ehemaligen Landräte Remo Franz (CVP) und Rita Kohlermann (FDP) im Vorstand. Dazu noch Dominique Beurret, der Präsident der Umweltkommission der FDP Baselland, sowie SVP-Landrat Hansruedi Wirz und der CEO der Prattler Chemiefirma Cabb AG Robert Dahinden. Dennoch betonen die Beteiligten, dass der neue Verein «unabhängig von irgendwelchen Partei-Interessen oder Unternehmen im Energiebereich ist».

Wind und Sonne aus dem Ausland

Inhaltlich schreibt sich die Liga auf die Flagge, sich für eine «zukunftsorientierte, sichere, wirtschaftliche, aber auch realisierbare Energiepolitik und Stromversorgung» im Kanton einzusetzen. Konkret bedeutet dies: Die Liga setzt bei der Stromfrage auf einen an die kantonalen Klimaverhältnisse angepassten Mix. «Den erneuerbaren Energien gehört die Zukunft, doch gerade für Photovoltaik- und Windkraft-Anlagen gibt es geeignetere Standorte als das Baselbiet», hält Remo Franz fest.

Im Kanton setze man deshalb auf Energieeffizienz bei den Gebäuden und erneuerbare Wärmeproduktion (Solarthermie, Holzenergie, Biogas) sowie Wasserkraft. Wind- und Sonnenenergie sollten dagegen von den beiden Energieversorgern Elektra Baselland (EBL) und Elektra Birseck Münchenstein (EBM) besser im Ausland bezogen werden, so Franz.

EBL-Aktion ein «Werbe-Gag»

Deshalb übt die Liga auch scharfe Kritik an der jüngsten EBL-Aktion: Das Energieunternehmen wendet eine halbe Million Franken auf, um 100 Photovoltaikanlagen auf Einfamilienhäusern zu subventionieren (Basellandschaftliche Zeitung von heute). «Die EBL gaukelt den Leuten vor, etwas Gutes zu tun. Tatsächlich fördern sie aber ineffiziente und noch nicht ausgereifte Technologien. Die Aktion ist bloss ein kostspieliger Werbe-Gag», moniert Buser. Photovoltaik rechne sich hierzulande schlicht noch nicht.

Die Liga der Baselbieter Stromkunden hofft, bis in sechs Monaten 2000 Mitglieder zu haben, um möglichst rasch initiativ- und referendumsfähig zu sein.