The Gurke
Neues Wahrzeichen mit Basler Fassade in London

«Die Gurke» («The Gurke») ist ein Wahrzeichen in der Londoner Skyline. Der 2004 errichtete Büroturm ist nicht nur einer der bekanntesten Bauten des Stararchitekten Lord Norman Foster, sondern auch eine der bekanntesten Fassaden aus der Produktion der Aescher Firma Schmidlin.

Christian Mensch
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Londoner Glasbauten: «Cheese Grater» (links) und «The Gurke».

Londoner Glasbauten: «Cheese Grater» (links) und «The Gurke».

Zur Verfügung gestellt

In unmittelbarer Nachbarschaft entsteht nun «Die Käse-Raffel» («Cheese Grater»). Der Architekt Richard Rogers zieht einen Glaspalast von 225 Metern in die Höhe, der eine ähnliche spektakuläre Konstruktion aufweist - und dessen Fassade ebenfalls aus der Region stammt.

Die Yuanda Europe, so der Name der Firma, die für die Fassade verantwortlich zeichnet, hat ihren Sitz im Hafen Kleinhüningen. 90 Personen arbeiten dort, im ersten vollen Betriebsjahr erzielten sie einen Umsatz von 110 Millionen Euro. Der Name verweist darauf: Die Muttergesellschaft ist ein chinesischer Industriekonzern, der sich nicht mehr damit begnügt, günstig für den Weltmarkt zu produzieren. Vielmehr tritt er mit Unterstützung des Staates nun selbst als Hightech-Anbieter auf.

Die Produktion is in China

Das Fassaden-Know-how findet sich noch weitgehend in Europa und geballt in der Region Basel. So arbeiten bei Yuanda, dem europäischen Hauptsitz, denn auch Personen, die vorher Gleiches bei Schmidlin gemacht haben. Die Produktion der Metall- und Glaskonstruktionen ist selbstredend in China, wo insbesondere der Rohstoff Glas günstiger ist und die Löhne ein Zehntel der hiesigen betragen.

Seine Vorrangstellung hat Schmidlin vor sechs Jahren verloren. Im Februar 2006 musste der Fassadenbauer Konkurs anmelden. Schon Monate zuvor war die Situation offenkundig prekär, wie häufig in der turbulenten 70-jährigen Schmidlin-Geschichte. Doch nun standen bis zu 200 Entlassungen beim Produktionsstandort Aesch zur Diskussion. Kurzfristig versuchte das Management auch, mittels Umstrukturierungen die hohen Risiken in eine Drittfirma auszulagern, um nur diese liquidieren zu müssen.

Die Führung liegt bei Paul Burkhalter

Als jedoch Fehlkalkulationen bei zwei Prestigeaufträgen in England ein zusätzliches Loch von 13 Millionen Franken aufrissen, war die Überschuldung gegeben. Insgesamt 750 Mitarbeitende standen plötzlich auf der Strasse, davon rund 400 in der Region. Zulieferer aus der Region hatten offene Rechnungen für 15 Millionen Franken.

Günther und Ingeborg Tröster, ein bayrisches Unternehmer-Ehepaar, übernahm die Schmidlin aus der Konkursmasse und führt sie seither als Schmidlin-TSK weiter. Vor drei Jahren meldete die «Basler Zeitung», der Turnaround sei geschafft, Schmidlin schreibe wieder schwarze Zahlen. Der Personalbestand, der nach dem Konkurs bei 100 Mitarbeitern lag, sei wieder auf 240 gestiegen. Mittlerweile hat das Management erneut gewechselt, seit vergangenem Sommer liegt die Führung bei Paul Burkhalter. Der aktuelle Mitarbeiterbestand wird mit 160 Personen beziffert.

Konsortium aus den Golfstaaten

Der Name Schmidlin klingt jedoch weiter - zum grossen Ärger von Schmidlin-TSK. So tritt der deutsche Fassadenbauer Lindner auf dem internationalen Markt als Lindner-Schmidlin auf. Grund: Lindner übernahm 2006 die Londoner Schmidlin-Niederlassung, die für die Vermarktung des Schweizer Know-hows gegründet worden war. Auch die Schmidlin LLC in Dubai lebt als Name weiter. Diese Niederlassung, die nicht zuletzt als Gegengeschäft zu einem Waffendeal zwischen der Schweiz und dem Emirat gegründet worden war, heisst nun Thomas Bennett Schmidlin und gehört zu einem Konsortium aus den Golfstaaten.

Schmidlin-TSK ist im ganz grossen, internationalen Geschäft derzeit nicht vertreten. Dort tobt ein Preiskampf, in dem auch die chinesischen Anbieter nicht mehr automatisch als Sieger hervorgehen. Im vergangenen Jahr, so erklärt Yuanda-Geschäftsführer Peter Tschudin, habe der Preisvorteil der Chinesen gegenüber der internationalen Konkurrenz noch rund 15 Prozent betragen, doch dieser Vorteil sei vollständig weggeschmolzen. Erste Sparrunden hat es bei Yuanda kürzlich schon gegeben, weitere sind angesagt. Wo Fassadenbauer am Bau von Wahrzeichen mitwirken, ist die Luft erneut dünn geworden.