Laufen
Nicht alle wollen ein neues Stadtquartier

Die Überbauung des Areals Nau, die der Stadt 400 neue Einwohnerinnen und Einwohner bescheren soll, ist umstritten. Während Befürworter von einer riesigen Chance sprechen, attestieren Gegner dem Stadtrat Grössenwahn.

Dimitri Hofer
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Die weissen Gebäude zeigen, wo sich das Quartier Nau dereinst befinden soll. Zwischen diesem und der Altstadt ist ein Park an der Birs geplant.

Die weissen Gebäude zeigen, wo sich das Quartier Nau dereinst befinden soll. Zwischen diesem und der Altstadt ist ein Park an der Birs geplant.

zVg

Die Laufner Bevölkerung entscheidet an der Gemeindeversammlung am Donnerstag, wie ihr Städtchen künftig aussehen soll. Stimmen die Einwohner einer Änderung der Zonenvorschriften und einem Projektierungskredit zu, stellen sie damit die Weichen für die Überbauung des Quartiers Nau. Dort plant der Stadtrat eine neue Siedlung mit Wohnraum für 420 Menschen sowie einen angrenzenden Park an der Birs. Das ambitionierte Projekt, mit dem Laufen attraktiver werden und seine klamme Kasse aufbessern möchte, ist im Hauptort des Laufentals umstritten.

«Viele Einwohnerinnen und Einwohner sind gegen das grössenwahnsinnige Vorhaben des Laufner Stadtrats. Sie werden ihren Unmut an der Gemeindeversammlung deutlich zum Ausdruck bringen», kündigt Roland Roth an. Der Maschinenbauingenieur lebt seit je in Laufen und scheut sich nicht davor, in Leserbriefen in der Lokalpresse die Behörden seines Wohnortes zu kritisieren. So forderte er vor zwei Jahren für den neugebauten Kindergarten Serafin einen besseren Spielplatz. In einem aktuellen Beitrag spricht sich Roth, der in keiner Partei ist, klar gegen das Stadtentwicklungsprogramm (STEP) und die Überbauung Nau aus. Diese ist wie der überdachte Bushof, die neue Stedtlibibliothek in der Amthausscheune und die zu einem Wohnhaus umgebaute Fürstenmühlescheune, Teil des STEP.

Gebiet liegt seit Jahren brach

In den Augen des Überbauungs-Gegners setzt der Stadtrat die falschen Prioritäten. Eine Ortschaft müsse organisch wachsen, gesteuertes Wachstum sei nie gut. «Es sollte darum gehen, Bedingungen für neue Arbeitsplätze im finanziell gebeutelten Laufen zu schaffen, anstatt unlukrative Siedlungen aus dem Boden zu stampfen», meint Roland Roth. Er rechnet mit den Zahlen des Stadtrats vor, dass es 36 Jahre dauern werde, bis die Investitionskosten von 9 Millionen Franken durch neue Steuereinnahmen amortisiert seien.

Deshalb beauftragte die Gemeindeversammlung Ende 2011 den Stadtrat, das Areal Nau einer Wohn- und Geschäftsnutzung zuzuführen. Dieser engagierte Herzog & de Meuron für die Ausarbeitung einer Konzeptstudie. Als Investoren werden die Stararchitekten jedoch nicht auftreten. «Nach den Vorstellungen des Architekturbüros und des Stadtrats soll neben der Altstadt eine Art Neustadt entstehen», erklärt Imhof. Das neue Quartier sei eine riesige Chance für die Stadt und für Wohnen und Arbeiten attraktiv. «Die Einkaufsmöglichkeiten und der Bahnhof befinden sich in unmittelbarer Nähe. Ausserdem liegt das Quartier Nau an der Birs, wo eine wunderbare Flusslandschaft errichtet wird.» Vom Naherholungsgebiet könnten nicht nur die Anwohner profitieren.

Kanton muss Brücke abreissen

Verbunden mit der Überbauung Nau sind Hochwasserschutzmassnahmen des Kantons. «Die Birs wird im Gebiet Nau fast doppelt so breit», freut sich die für Hochbau und Raumplanung zuständige Stadträtin Lilli Kuonen. «Die ökologische Aufweitung des Birsraums kombiniert mit der Siedlungsentwicklung ist für Laufen eine grosse Bereicherung.» Der Kanton verbreitert im Gebiet Nau den Fluss, um den Wasserspiegel um einen Meter abzusenken.

Damit der Birspark nicht von einer Strasse durchschnitten wird, ist geplant, die Naustrasse zu verschieben und die derzeitige Brücke für den motorisierten Verkehr neben die Eishalle zu verlegen. «Der Kanton muss die Brücke für das Hochwasserschutzprojekt abreissen. Die Chance, die Brücke nun an einem neuen Ort wieder aufzubauen, ist darum einmalig», sagt Stadtpräsident Alex Imhof.

Die Bebauung des Quartiers soll in Etappen erfolgen. Mit der letzten Etappe rechnet man in 15 bis 20 Jahren – gesetzt den Fall, die Laufnerinnen und Laufner erteilen der Überbauung nicht schon in drei Tagen eine Abfuhr.