Bildung
«Nicht schon wieder einen Wechsel» – Primarlehrer kämpfen für Lehrmittel und Passepartout

Nach den Bildungsabstimmungen im Baselbiet vom Wochenende geht die Diskussion ungebremst weiter. So wollen Primarlehrer morgen eine Petition lancieren, die sich für die Lehrmittel «Milles feuilles» und «New World» einsetzt.

Michael Nittnaus
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Die Mehrheit der Primarlehrer möchte mit den Passepartout-Lehrmitteln weiterarbeiten. (Symbolbild)

Die Mehrheit der Primarlehrer möchte mit den Passepartout-Lehrmitteln weiterarbeiten. (Symbolbild)

Sandra Ardizzone

Nach der Abstimmung ist vor der Abstimmung, das weiss das Komitee Starke Schule beider Basel genau. Noch am Sonntag drehte es die klare Ablehnung seiner Initiative für nur noch eine Fremdsprache auf der Primarstufe ruckzuck in einen Aufruf für sein nächstes Anliegen. Plötzlich sollen nämlich zwei Fremdsprachen in der Primar «ohne negative Folgen» zu unterrichten sein, so der Schlusssatz der Medienmitteilung. Unter einer Bedingung: Wenn an den Baselbieter Schulen «ein neues, aufbauendes Fremdsprachenkonzept» eingeführt würde.

Damit konzentriert sich das Komitee schon voll auf die Umsetzung seiner nichtformulierten Initiative «Ausstieg aus dem gescheiterten Passepartout-Fremdsprachenprojekt». Und das aus gutem Grund. Denn die Vereinbarung der sechs Kantone Baselland, Basel-Stadt, Solothurn, Bern, Fribourg und Wallis beinhaltet nicht nur das Unterrichten von Französisch ab der dritten Klasse und Englisch ab der fünften, was vom Stimmvolk am Sonntag bestätigt wurde. Daran geknüpft ist auch das Verwenden derselben Lehrmittel: im Französisch Mille feuilles (Primar) und Clin d’oeil (Sekundar) sowie im Englisch New World. Diese halten sich an das Didaktikkonzept des Sprachbades und verzichten auf das Erlernen eines einheitlichen Wortschatzes. Die Initiative fordert klipp und klar: «Die Lehrmittel Mille feuilles, Clin d’oeil und New World dürfen an den Volksschulen nicht mehr eingesetzt werden.»

Umfrage klar pro Passepartout

Da eine Landratsmehrheit dank SVP und FDP die Initiative im Februar überraschend unterstützte, muss Bildungsdirektorin Monica Gschwind nun eine Vorlage ausarbeiten, die das Anliegen aufnimmt. Dagegen wehrt sich jetzt die versammelte Primarlehrerschaft. Schon Ende Mai wendete sich die Schulleitungskonferenz der Primarstufe mit einem Brief an die 90 Landräte, um ihrem Befremden Ausdruck zu verleihen.

Nun weiss die bz: Auch die Primarlehrerkonferenz (PLK) ist nicht untätig. Morgen Mittwoch soll die Delegiertenversammlung der PLK eine Petition verabschieden, die sich gegen den Ausstieg aus Passepartout und das Verbot der drei Lehrmittel wehrt. «Unser Unmut ist sehr gross. Wir wollen nicht schon wieder einen Wechsel der Lehrmittel», sagt Co-Präsident Lukas Flüeler. Er verneint nicht, dass einige Primarlehrer vor allem Mille feuilles kritisch beurteilen. Die klare Mehrheit wolle aber damit weiterarbeiten. Die PLK habe eine Umfrage unter allen Primarlehrern durchgeführt, die bereits im zweiten Zyklus mit den Lehrmitteln arbeiten. Von den Teilnehmern sprachen sich 380 oder 66 Prozent gegen einen Austritt aus Passepartout aus, nur 80 Personen oder 14 Prozent votierten dafür. Für Flüeler ein klares Signal von jenen, die es am besten wissen müssen.

Er hofft, dass die Petition von der Arbeitsgruppe berücksichtigt wird, die Gschwind zur Ausarbeitung der verlangten Vorlage eingesetzt hat. Diese «Task Force Fremdsprachen» mit nicht weniger als 22 Mitgliedern – inklusive der Starken Schule, Schulleitungen, Schulräte, Lehrerverein, Gemeinden und Parteien – trifft sich zurzeit monatlich, um sich zu einigen, wie die Initiative umgesetzt werden kann. Bis im Februar 2019 muss die Vorlage auf dem Tisch liegen. Am Ende dürfte wieder ein Volksentscheid stehen.

Gesucht: Ein neues Leitlehrmittel

Wie die bz weiss, ist von Einigkeit bisher aber wenig zu spüren. Für Ernst Schürch, Präsident der Amtlichen Kantonalkonferenz der Baselbieter Lehrer (AKK), ist der Grund klar: «Die Starke Schule hält bisher eisern am Verbot der drei Lehrmittel fest. Das ist der Knackpunkt.» Dabei bestünde, weil es sich um eine nichtformulierte Initiative handle, bei der Umsetzung durchaus Handlungsspielraum. Das sieht auch Gschwind so: «Wir wollen eine Lösung, die nicht auf ein Verbot rausläuft, sondern auf eine gewisse Freiheit bei der Wahl der Lehrmittel», sagte die Regierungsrätin gegenüber der bz schon am Sonntag. Laut Schürch tendiert die Mehrheit der Arbeitsgruppe dazu, ein neues Leitlehrmittel für jedes Fach zu bestimmen, diesem aber mehrere weitere Lehrmittelvorschläge zur Seite zu stellen. Darunter könnten dann auch wieder Mille feuilles, Clin d’oeil und New World sein.

Diesbezüglich zeigt sich Landrat Jürg Wiedemann von der Starken Schule zumindest etwas weniger eisern als noch in der Task Force: «Natürlich braucht es einen Kompromiss, aber wir fordern eine klare Hierarchie der Lehrmittel.» Für Wiedemann heisst das: Kein Lehrer soll Mille feuilles mehr in seiner Gesamtheit nutzen dürfen, sondern «höchstens» noch einzelne Übungen daraus.

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