Budegt 2020
Nichts mit Kehlen begiessen: Kein Geld – Neujahrs-Apéro abgesagt

Der Titterter Gemeinderat musste den Neujahrsapéro streichen, weil das Budget 2020 nicht abgesegnet worden war.

Simon Tschopp
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Gemeindepräsident Heinrich Schweizer erklärt: «Solange wir kein Budget haben, können wir nur Ausgaben tätigen, die gesetzlich oder vertraglich festgelegt sind.» (Symbolbild)

Gemeindepräsident Heinrich Schweizer erklärt: «Solange wir kein Budget haben, können wir nur Ausgaben tätigen, die gesetzlich oder vertraglich festgelegt sind.» (Symbolbild)

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Noch selten hat in Titterten ein neues Jahr so ruhig begonnen wie diesmal. Nicht wie üblich lud der Gemeinderat die Dorfbevölkerung am 1. Januar abends zum Neujahrsapéro ein. Er liess den Anlass kurzerhand platzen. «Traditionsgemäss würden wir gerne zum Wechsel der Jahreszahl zusammen mit Euch unsere Kehlen begiessen. Aber angesichts des fehlenden Budgets für das Jahr 2020 kann die Gemeinde keinen Neujahrsapéro offerieren», ist im offiziellen Mitteilungsblatt «Schnitz Poscht» zu lesen.

Gemeindepräsident gibt nicht so schnell auf

Der Souverän hat an der Gemeindeversammlung vom 12. Dezember den Voranschlag 2020 abgelehnt. Danach erklärte Gemeindepräsident Heinrich Schweizer: «Solange wir kein Budget haben, können wir nur Ausgaben tätigen, die gesetzlich oder vertraglich festgelegt sind.» Der abgeblasene Neujahrsapéro ist die erste Folge davon. Am 20. Januar präsentiert die Exekutive der Versammlung den überarbeiteten Voranschlag. «Die Korrekturen sind minimal, die Zahlen mehr oder weniger dieselben wie beim ursprünglichen Budget», dämpft Schweizer die Erwartungen. Sie könnten gar nicht gross sparen.

Im Hinblick auf die Gemeindewahlen vom 9. Februar hat Heinrich Schweizer unterdessen entschieden, sich erneut der Wahl zu stellen. Er will Titterten nicht hängen lassen. Der Präsident erzählt: «Es gibt böse Zungen im Dorf, die sagen, ich hätte einen Scherbenhaufen verursacht. Jetzt will ich helfen, die Scherben zusammenzuwischen», meint Schweizer lakonisch.

Der 59-Jährige präsidiert seit fünfeinhalb Jahren den Titterter Gemeinderat, dem er seit Mitte 2010 angehört. Das vergangene Jahr gestaltete sich für Heinrich Schweizer und dessen Behörde als schwierig. Nach sofortigen Rücktritten in der Exekutive muss diese seit Dezember 2018 in Unterzahl agieren; trotz mehrer Wahlgänge konnte der Gemeinderat nicht vervollständigt werden. Später folgten die kollektive Demission der Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission sowie eine Abstimmungsbeschwerde, welche die Baselbieter Regierung jedoch abgewiesen hat. Und zuletzt noch das abgelehnte Budget.