Parkplätze
Noch immer Streit um die Umsetzung von Tempo 30

Tempo 30 muss in Pratteln umgesetzt werden. So will es das Volk – das Gemeindeparlament stört sich jedoch an Details. Am Montag debattierte der Einwohnerrat mehr als eine Stunde über versetzte Parkfelder, enge Durchfahrten und vieles mehr.

Patrick Rudin
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Am 25. November 2012 sagte die Prattler Bevölkerung Ja zur Temporeduktion in Wohnquartieren.

Am 25. November 2012 sagte die Prattler Bevölkerung Ja zur Temporeduktion in Wohnquartieren.

Das Thema wird eindeutig zum Fasnachtssujet Nummer 1: Vor knapp zwei Jahren beschloss das Prattler Stimmvolk die flächendeckende Einführung von Tempo 30 in den Wohnquartieren, später folgte ein Beschluss des Einwohnerrats zur Parkraumbewirtschaftung. Seit ein paar Wochen ist die konkrete Umsetzung beider Aufträge sichtbar, und der Widerstand entzündet sich nun am Detail: Pratteln setze Tempo 30 zu eng um, lautete vor allem aus bürgerlichen Kreisen bereits vor einem Monat die Kritik.

Auch am Montag debattierte der Prattler Einwohnerrat erneut mehr als eine Stunde über versetzte Parkfelder, enge Durchfahrten, unkomfortable Parkplatzausfahrten und das weitere Vorgehen. Im September verlangte der Einwohnerrat einen «Markierungsstopp», doch weil die Umsetzung von Tempo 30 in die Kompetenz des Gemeinderats fällt, sind die Möglichkeiten des Gemeindeparlaments faktisch auf Unmutsäusserungen beschränkt.

Nur eine Schwelle montiert

Gemeinderat Ruedi Brassel (SP) betonte, man habe seither lediglich die völlig unbestrittenen Markierungen in puncto Rechtsvortritt geändert, ansonsten aber sämtliche Parkfelder lediglich vormarkiert. «Es hat nicht nur kritische Reaktionen, sondern auch sehr viel Zustimmung gegeben», sagte Brassel. Auch sei man bei den baulichen Massnahmen zurückhaltend gewesen, beispielsweise habe man nur eine Schwelle gesetzt.

Einwohnerrat Christoph Pfirter (SVP) hingegen kritisierte, es gäbe wegen der wechselseitig angeordneten Parkplätze in Pratteln nun keine Strasse mehr, wo man einfach geradeaus fahren könne. In manchen Strassen würde es völlig reichen, einfach ein Tempo-30-Schild aufzustellen. Ruedi Brassel meinte dazu, die eidgenössischen und kantonalen Vorgaben würden dies nicht erlauben.

Stoppstrassen aufgehoben

Doch nicht nur von Tempo-30-Gegnern gab es Kritik: Auch Christoph Zwahlen (Grüne und Unabhängige) monierte, er habe sich über neue Markierungen an der Giebenacherstrasse geärgert – die Situation dort sei gefährlich. Gemeinderat Ruedi Brassel sagte, man gehe jedem konkreten Vorschlag nach. Er räumte ein, dass manche Stoppstrassen bereits aufgehoben seien, obwohl die Tempo-30-Tafeln noch nicht aufgestellt sind: Man setze darauf, dass die Leute dennoch ihr Tempo anpassen würden. Sofern keine Einsprachen eingehen, sollten die Signale bald stehen. Der Einwohnerrat behandelte am Montag drei Vorstösse zum Thema, fasste aber keinen Beschluss.

Am 25. November 2012 sagte die Prattler Bevölkerung Ja zur Temporeduktion in Wohnquartieren. In drei Zonen wurde Tempo 30 eingeführt. Im Frühling sagte der Gemeinderat, die Erfahrungen mit dem dortigen Langsamverkehr seien «durchwegs positiv».