Ein-Blick
Noch zwei Zipfel, bitte! – Bei den Hobbybrauern des Zipfelbiers in Muttenz

In der Rubrik «Ein-Blick» gewährt die «Schweiz am Wochenende» den Lesern Einblick in die Mikrokosmen unserer Gesellschaft. Die Redaktoren beleuchten lustige Vereine, angefressene Sammler oder abgedrehte Nerds. Natürlich kann sich melden, wer sich angesprochen fühlt.

Lucas Huber
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Zipfelbier wird in Muttenz gebraut

Zipfelbier wird in Muttenz gebraut

Lucas Huber
doch diese dafür mit umso mehr Herzblut und Leidenschaft.

doch diese dafür mit umso mehr Herzblut und Leidenschaft.

Lucas Huber

Eine Bieridee steht am Anfang des Biers, das da Zipfel heisst. Und Zipfel tragen sie tatsächlich, die vier Braumeister der Mikrobrauerei Zipfelbier in Muttenz. Und manchmal, wenn die Atmosphäre passt, stimmen sie auch ihr Zipfelliedchen an. Das könnte heute gut und gern der Fall sein, denn die Zipfeligen sind einer der Gastgeber am heutigen Regio-Brauereitag. Die Rundfahrt, die über 400 Trinkfreudige auf zwei Touren in gecharterten Postautos zu je fünf Brauereien chauffiert, hat sich einen Namen als vergnüglicher Anlass mit Rauschgarantie gemacht.

Wie ihre Vorgänger ist auch die neunte Auflage restlos ausgebucht, war es schon nach wenigen Tagen. Was uns zum Ausblick bringt: Anfang Juli nächsten Jahres findet mit der zehnten Auflage der Jubiläums-Regio-Brauereitag statt. Wer dabei sein möchte, muss sich sputen.

Zurück nach Muttenz zu den Mannen in Zipfelkappen, die 2010 ihr erstes Bier brauten, ein Pale Ale, das diese Zeitung vor ein paar Jahren in einem Test mit Bestnoten belobigte. Noch im selben Jahr folgte ein Weihnachtsbier, das eher an Glühwein erinnerte, aber item: «Unser Ziel war erreicht, und wir hatten unser eigenes Bier», sagt Stefan Schröder, der so etwas wie der Oberzipfler ist. Es folgten weitere Sorten, das Schwarzbier Black Zipfel etwa oder das klassische Lagerbier Brownie, gebraut mit sechs Malzsorten.

Wenn Schröder an die Anfänge zurückdenkt, muss er lachen. Auf der Rampe seiner Firma – ja, Mikrobrauer betreiben das Brauen ausnahmslos als Hobby – entstand der erste Sud. «Wir brauten in 60-Liter-Pfannen – Gärung in Plastikeimern – total improvisiert.» Und als die Männer nicht weiterwussten, riefen sie beim Dozenten des kürzlich besuchten Braukurses an.

Noch heute ist die Brauerei klein, geradezu winzig, 3000 Liter beträgt der Ausstoss. Zu wenig, dass finanziell etwas hängenbliebe, zu viel, um unter dem Radar von Lebensmittelinspektorat und eidgenössischer Alkoholverwaltung zu laufen. Als die Inspektoren im vergangenen Jahr sechs Probeflaschen fürs Labor orderten, hatten sie aber lediglich ein Detail auf dem Etikett zu bemängeln: «ca. 4,8 vol. Alc.» sei nicht erlaubt, da müsse man sich schon festlegen. Ansonsten: Topqualität.

Zu besagten 3000 Litern gehören auch jene Lieferungen, die die Brauerei regelmässig für Gewerbeverein, Dorffest oder Sportanlässe produziert. «So bleibt nicht mal für unsere Familienmitglieder etwas übrig», sagt Schröder. Selbstredend, dass das die Hobbybrauer im Stolz verletzte. Darum wird nun expandiert.

Mit der neuen Brauanlage, die im September geliefert wird, wollen sie ihren Ausstoss nicht nur verdreifachen; sie machen damit auch einen ordentlichen Professionalisierungsschub. Denn gerade beim Maischekochen entstehen in der Braustube derzeit noch Temperaturen über 40 Grad – selbst im Winter. «Wir haben dann nahezu 100 Prozent Luftfeuchtigkeit», sagt Schröder. Zipfelbiersauna, wenn man so will.

Gleichwohl wird das Zipfelbier ein handwerkliches Gebräu bleiben, mit ebenso viel Leidenschaft wie Herzblut gebraut. Und wie schmeckt es nun? Das Pale Ale ist eine süffige Angelegenheit, malzig, zurückhaltend mit dem Hopfen und einer güldenen Farbe. Fast hätte es übrigens Muttenzer Bier oder – noch wahrscheinlicher – Wartenberg Bier geheissen. «Doch wie hätte das in der Beiz geklungen: Chef, noch zwei Wartenberg!», fragt Stefan Schröder und streckt zwei Finger in die Luft: «Noch zwei Zipfel! Das klingt doch viel besser.»

www.zipfelbier.ch / www.regio-brauereitag.ch

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