Biel-Benken
Nomadin der Lüfte bringt Mädchen das Fliegen bei

Während einer Woche lernten in Biel-Benken 18 Mädchen von einer Vertikaltuchkünstlerin, mit dem Tuch umzugehen. Der Kurs stiess bei allen auf Begeisterung.

Lucas Huber
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Tänzerisches Spiel in luftiger Höhe mit weichen Tüchern, Schwerkraft und dem Körperschwerpunkt.

Tänzerisches Spiel in luftiger Höhe mit weichen Tüchern, Schwerkraft und dem Körperschwerpunkt.

Lucas Huber

Flatternde Tücher sind ein Blickfang. Sind sie dazu noch bunt, umso mehr. Und hängen, turnen, recken sich daran turnende Mädchen, strahlen die Betrachter – vor allem, wenn es sich dabei um ihre Eltern handelt.

Es ist der letzte Tag des einwöchigen Kurses Vertikaltuch-Akrobatikkurses, den die Eltern-Mitwirkung auf die Beine gestellt hat, ein Verein von Eltern, dessen Name sagt, was Programm ist. Entstanden ist die Idee für den Kurs im vergangenen Jahr, als der Schülerzirkus «Luna» in Biel-Benken haltmachte und eine Vertikaltuch-Euphorie entfachte.

Prominente Kursleiterin

Die Dozentin Christina Wintz wurde eigens aus Berlin eingeflogen. Sie lehrt Menschen quasi das fliegen und gilt in der Szene als weltbekannte Trapez- und Vertikaltuchkünstlerin. Sie tritt nämlich nicht nur in ihrer Berliner Heimat auf, sondern auch in Japan und Korea, in Griechenland und Argentinien. Und die sieht auch genauso aus, wie man sich eine Vertikaltuchartistin vorstellt: Lockiges Haar, Lachfalten bis unter die Augen, eine Beschwingtheit, die an jene der Kinder erinnert, bare Füsse.

Und wenn «Nomadin der Lüfte», wie sich Wintz selbst bezeichnet, nicht selbst am Tuche hängt, dann zeigt sie andern, wie es geht. In der vergangenen Woche unterrichtete sie in Biel-Benken täglich drei Stunden lang 18 begeisterte Mädchen. Dieser Unterricht gipfelte gestern kurz vor Mittag in einer kleinen Aufführung für die Eltern.

Verknotet, aber elegant

Es haut nicht alles hin. Muss es auch nicht. Doch die Bewegungen sind geschmeidig, und bisweilen entsteht dieser Zauber des flatternden Tuches, in dem, verknotet aber elegant, Jungakrobaten die Blicke fesseln. Christina Wintz jedenfalls ist begeistert ob der Kinder. Und die Eltern ohnehin. Einerseits ob deren Lernfähigkeit, andererseits ob deren Motivation. «Mit den Kindern hier kann ich besser arbeiten als in Berlin», sagt sie unverblümt und meint damit die Aufmerksamkeit der Kinder. «Hier», sagt sie, «sind die Kinder ruhig, sie hören zu und geben vollen Einsatz.»

Stolz ist man in Biel-Benken zum einen, die namhafte Künstlerin verpflichtet zu haben. Und wenn man die Begeisterung in den Gesichtern der Kinder sehe, sei das ohnehin Lohn genug, freut sich Susanne Borer, Initiantin des Kurses. Bei ihr ist die Dozentin für diese eine Woche am Baselbiet auch untergekommen.

«Es war für uns beide ein Risiko, wir kannten uns nicht», blickt Wintz amüsiert zurück, «aber es wurde zum totalen Erfolg». Dieser ist so total, dass bereits heute feststeht: In einem Jahr wird Christina Wintz Biel-Benken wieder beehren, um jungen Mädchen das Fliegen beizubringen. Vielleicht ist dann auch ein Junge dabei. «Die Buben wären willkommen gewesen, aber der eine, der sich angemeldet hatte, war noch zu jung», schmunzelt Borer, wohl wissend, dass das Vertikaltuch alles in allem Frauensache ist.