Spitalplanung
Nordwestschweiz erwartet mehr Patienten

Die Kantone Baselland, Basel-Stadt, Aargau und Solothurn planen gemeinsam den Spitalbedarf.

Alessandra Paone
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Nordwestschweiz erwartet mehr Patienten

Nordwestschweiz erwartet mehr Patienten

Wie sehen die Spitallisten der einzelnen Kantone aus? Welche Spitäler werden aufgerüstet, welche geschlossen? Wer gehofft hatte, auf diese Fragen eine Antwort zu erhalten, wurde gestern enttäuscht. Denn die Gesundheitsdirektoren der vier Nordwestschweizer Kantone Baselland, Basel-Stadt, Aargau und Solothurn haben an der Medienkonferenz in Liestal lediglich ihre gemeinsame Bedarfsplanung präsentiert. Erst in der ersten Hälfte 2011 sollen die Spitallisten festgelegt und die Leistungsaufträge an die Spitäler vergeben werden. Was aber jetzt schon feststeht: Die bisherigen Kapazitäten in allen vier Kantonen reichen auch künftig.

Ein Meilenstein

Die vier Regierungsräte zelebrierten ihre Kooperation in der Spitalversorgung dennoch als Meilenstein. «Wir sind die Ersten, die sich getraut haben, eine gemeinsame Bedarfsplanung zu erarbeiten», betonte der Baselbieter Gesundheitsdirektor Peter Zwick. Grund für die Zusammenarbeit ist in erster Linie das revidierte Krankenversicherungsgesetz des Bundes. Dieses verpflichtet die Kantone, ihre Versorgungsplanung untereinander zu koordinieren. Die Nordwestschweizer Kantone arbeiten in der Spitalversorgung heute schon zusammen. Der Startschuss für die gemeinsame Bedarfsanalyse fiel jedoch im vergangenen Februar. An der eigenen Verantwortung der einzelnen Kantone ändert die Kooperation allerdings nichts.

Das Resultat der Bedarfsplanung sind einerseits sechs Versorgungsberichte – einer für jeden Kanton, ein gemeinsamer und einer für das Gebiet nördlich des Juras. Andererseits wurden Prognosen für Fallzahlen, Aufenthaltsdauer, Pflegetage, Patientenbewegungen, medizinische Leistungen und andere Parameter für die Bedarfsplanung per 2020 erstellt. Als Grundlage dienten die Zahlen aus dem Jahr 2008 und Erfahrungswerte des Kantons Zürich.

10.7 Prozent mehr Patienten

Wurden vor zwei Jahren in der Nordwestschweiz noch 196000 Patienten behandelt, sollen es laut Bedarfsprognose in zehn Jahren deren 217139 sein – also 10,7 Prozent mehr. Die Steigerung ist vor allem auf die Bevölkerungszunahme und die zunehmende Alterung der Menschen zurückzuführen. Schon 2008 bildeten die über 59-Jährigen mit 44 Prozent die grösste Altersgruppe. Eine Rolle spielt auch die erwartete medizintechnische Entwicklung. Die Fallzahlen präsentieren sich aber nicht in allen Kantonen gleich. So erwartet der Kanton Aargau 17,3 Prozent mehr Fälle. Basel-Stadt rechnet dagegen mit einer Abnahme um 2,6 Prozent. Der Grund sei, dass in Basel heute schon viele Senioren lebten, sagte der Basler Gesundheitsdirektor Carlo Conti.

Trotz der Zunahme der Fälle soll die mittlere Aufenthaltsdauer von 7,6 auf 6,7 Tage und die Zahl der Pflegetage um 2,3 Prozent auf 1,45 Millionen sinken. Dies, weil dank des medizinischen Fortschritts immer mehr Leiden ambulant behandelt werden.
Zudem verändern sich die finanziellen Anreize durch die Einführung der Fallpreispauschalen. Auch hier schwanken die Zahlen zwischen den Kantonen: Basel-Stadt rechnet mit einem Rückgang der Pflegetage um 23,6 Prozent. Aargau erwartet hingegen einen Anstieg um 11,1 Prozent. Mehr Fälle erwartet werden künftig in Herz- und Gefässchirurgie, Kardiologie und Angiologie, aber auch bei Nieren-, Rheuma- und Lungenleiden.

Die Untersuchung der Patientenströme hat gezeigt, dass die Kantone 91,3 Prozent der akutsomatischen Behandlungsfälle selber erbringen. Der Rest wird ausserkantonal eingekauft. Auffällig dabei ist, dass sich rund 40 Prozent der Solothurner ausserhalb ihres Kantons behandeln lassen. Basel-Stadt gilt indes als «Importkanton».