Liestal
Notfallkredit von 10 Millionen Franken soll marode A 22 retten

Die Liestaler Umfahrungsstrasse A 22 ist marode – besonders auf den 900 Metern, wo sie auf Stelzen über die Ergolz führt. Nun beantragt die Regierung einen Notfallkredit von zehn Millionen Franken, um sie vor dem Einsturz zu bewahren.

Andreas Hirsbrunner
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Die A22 ist dort, wo sie auf Stelzen über der Ergolz verläuft, in einem maroden Zustand. Das ist vor allem für Lastwagen eine Gefahr.

Die A22 ist dort, wo sie auf Stelzen über der Ergolz verläuft, in einem maroden Zustand. Das ist vor allem für Lastwagen eine Gefahr.

Roland Schmid

Wenn die Regierung eines klammen Kantons, der selbst die Löhne der Mitarbeiter kürzt, um einen Notfallkredit in zweistelliger Millionenhöhe ersuchen muss, dann ist Matthäi am Letzten. Und das ist es offensichtlich bei Liestals Umfahrungsstrasse A 22. Denn die Regierung schreibt in ihrer Antwort auf eine Interpellation von Landrat Daniel Altermatt (GLP): «Aufgrund des Zustandes des Bauwerkes kann es im Fall einer Überbelastung zu einem partiellen Versagen von Bauteilen kommen.»

Weil also wegen des maroden Zustands der A 22 selbst ein Teilzusammenbruch nicht mehr ausgeschlossen werden kann, will der Kanton nun mit Sofortmassnahmen Gegensteuer geben. Das Regionaljournal Basel des Schweizer Radios berichtete gestern, dass dafür zehn Millionen Franken nötig seien; eine Zahl, die der Baselbieter Kantonsingenieur Oliver Jacobi gegenüber der bz bestätigt. Wobei Jacobi fast im gleichen Atemzug ergänzt, dass es sich beim Betrag nur um eine Schätzung aufgrund von Erfahrungen handle, denn noch kenne man den genauen Zustand des heikelsten Strassenstücks nicht im Detail.

Pflaster sollen Brücke helfen

Bei diesem Stück handelt es sich um jene etwa 900 Meter, auf denen die A 22 auf Stelzen über der Ergolz verläuft. Hier haben das Alter – die A 22 wurde zwischen 1968 und 1970 gebaut -, die Verkehrszunahme, die Verdoppelung des Gewichts der Lastwagen auf mittlerweile 40 Tonnen und die vor 30 Jahren aufgepfropften Lärmschutzwände der Statik der Kunstbauten besonders zugesetzt. Sobald der Notfallkredit gesprochen ist, will Jacobi einen – kleinen – Teil des Geldes dafür einsetzen, die Brücke über der Ergolz mittels eines verschiebbaren Gerüsts von unten vertieft zu begutachten. Dann werden auch die Notfallmassnahmen und deren Kosten klarer definiert werden können. Jacobi: «Ich gehe davon aus, dass wir der Brücke statisch mit Klebarmierungen helfen müssen, mit denen wir den Beton wie mit Pflastern zusammenhalten.»

Er hofft, dass der Notfallkredit Regierung und Parlament so schnell passiert, dass noch in diesem Jahr mit den ersten Baumassnahmen begonnen werden kann. Obwohl das alles nicht sehr beruhigend tönt, schliesst Jacobi eine Sperrung der A 22 für den Autoverkehr aus, «falls nicht ein Erdbeben oder ein Hochwasser die Ergolzbrücke zum Einstürzen bringt». Kritischer ist es bei den Lastwagen. Dazu sagt der Kantonsingenieur: «Am heikelsten ist, wenn ein Lastwagen an den Brückenrand fährt. Dann könnte ein Stück abbrechen wie bei einem Knäckebrot.»

Eine Sperrung der A 22 für Lastwagen sei «vorerst» aber nicht nötig, falls die Notfallmassnahmen ergriffen würden, versichert die Regierung in ihrer Interpellationsantwort. Allerdings könnte es zu einer Gewichtsbeschränkung beim Schwerverkehr kommen. Um für ein partielle Sperrung gewappnet zu sein, bereitet das Tiefbauamt derzeit auch ein Verkehrskonzept für Lastwagen vor.

Für den Liestaler Stadtrat Franz Kaufmann wäre auch eine Teilsperrung «eine Katastrophe» für den Kantonshauptort. Kaufmann: «Wenn die Lastwagen nicht mehr auf die A 22 dürfen, dann trauen sich auch viele Automobilisten nicht mehr auf die Umfahrungsstrasse. Dann haben wir das Verkehrschaos in Liestal.»

Nach den Notfallmassnahmen steht eine umfassende Instandstellung der A 22 an. Der Landrat hat dafür bereits einen Planungskredit von 8,5 Millionen Franken gesprochen. Diese Sanierung soll dann Grössenordnung 100 Millionen kosten. Noch hofft der Kanton aber, um diesen Brocken zu kommen. Denn eigentlich wollte der Bund die A 22 (und die A 18) bereits vor zwei Jahren übernehmen. Weil das Volk aber die Erhöhung der Autobahnvignette an der Urne ablehnte, ist die Übernahme auf den Sankt-Nimmerleinstag verschoben worden.

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