Notfall
Notfallpatienten kommen schneller an die Reihe

Hausärztliche Notfallpraxen in Spitälern Liestal und Bruderholz etablieren sich gut. Erstmals legt das Spital Liestal Zahlen der letzten sieben Monate vor. Auch beim Bruderholz wagt man erste Schlüsse.

Michael Nittnaus
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Ob hausärztliche Notfallpraxis oder Notfallstation: Der Eingang beim Spital Liestal ist derselbe. bz-archiv/ZVG

Ob hausärztliche Notfallpraxis oder Notfallstation: Der Eingang beim Spital Liestal ist derselbe. bz-archiv/ZVG

bz Basellandschaftliche Zeitung

Das Bein verstaucht, eine blutende Schramme am Arm oder einen anschwellenden Insektenstich eingefangen? Seit gut einem halben Jahr gilt es in diesem Fall, nicht automatisch die Hausarztpraxis, sondern die Notfallstationen der Kantonsspitäler Liestal und Bruderholz aufzusuchen. Aus der (Hausärzte-)Not geboren, zeichnet sich mittlerweile ab, dass sich dieses Modell in weiten Teilen des Baselbiets durchsetzt. Erstmals legt das Spital Liestal Zahlen der letzten sieben Monate vor. Auch beim Bruderholz wagt man erste Schlüsse.

Auffälligster Trend: Für die Patienten konnten die Wartezeiten deutlich verkürzt werden. «Dank der Hausärzte werden Bagatellfälle massiv schneller behandelt», sagt Rolf Hügli. Für den ärztlichen Leiter des Bruderholzspitals habe sich damit in der Praxis bestätigt, was man bei der Planung bloss zu hoffen wagte. Und Heinz Schneider, Direktor des Spital Liestals, ergänzt: «Aus Sicht der Patienten ist der Systemwechsel also erfreulich.» Hügli lobt zudem die enge Zusammenarbeit zwischen Hausärzten und Spitalpersonal: «So sehen unsere Assistenzärzte, mit welch einfachen Mitteln ein Hausarzt auskommt.»

Je nach Tag grosse Unterschiede

Den Zahlen möchte Schneider aber noch nicht zu viel Gewicht geben. Weshalb der Tagesschnitt der gesamten Notfallstation inklusive Hausarztpraxis seit März tiefer liegt, als noch ohne dieses eine Jahr zuvor, schiebt er dem Zufall zu. Denn: «Erst nach zwei Jahren kann man wirkliche Trends erkennen.» Dementsprechend sei es auch noch zu früh, jetzt bereits die Wirtschaftlichkeit zu bilanzieren. «Noch ist der Aufwand höher als der Ertrag, aber wir haben ja auch viel investiert», sagt Schneider.

Nach wie vor eine grosse Schere besteht zwischen der Auslastung unter der Woche und den Wochenenden. Im Falle von Liestal strömen Samstag und Sonntag täglich bis zu
47 Patienten zu den zwei Hausärzten in die Notfallpraxis. Werktags gibt es selten Schichten mit bloss fünf bis sechs Behandlungen. Beim Bruderholz wird erst seit Juli auch am Donnerstag eine Schicht angeboten – Zahlen dazu gibt es noch keine. An den Wochenenden kämen im Schnitt täglich 25 Patienten zum einzelnen Hausarzt. «Das ist aber noch ohne Allschwil, das erst seit Juli dabei ist», betont Hügli.

Hausärzte finden sich mit Lohn ab

Die Spitzenwerte sind für Schneider in Liestal «an der Grenze des Zumutbaren». Statt zwei bald drei Hausärzte aufzubieten, müsste von den Hausärzten aber selber entschieden werden, sagt er. «Ob zwei oder drei Ärzte ist eine reine Preisfrage und müsste letztlich doch vom Spital finanziert werden», entgegnet Beat Biedermann. Der Füllinsdörfer Hausarzt fungiert für Liestal als Sprecher der Baselbieter Ärztegesellschaft. Er selbst bezeichnet manche Wochenenden als «stressig, aber machbar».

Ein heftig diskutierter Punkt zwischen Spitälern und Hausärzten vor dem Systemwechsel war die Höhe des Gehalts (die bz berichtete). Mittlerweile klingt es versöhnlicher: «Ich habe mich mit den 150 Franken pro Stunde abgefunden, da ich mittlerweile anerkenne und schätze, was das Spital uns alles bietet», sagt Biedermann. Gleichwohl müsse man die Hausärzte verstehen, die durch den tieferen Labortarif bereits eine massive Lohnkürzung hinter sich hätten. Beim Bruderholz könnte die nächste Vorstandssitzung eine Änderung bringen. Hügli: «Dann analysieren wir das erste Halbjahr. Fällt es hochprofitabel aus, würden wir den Hausärzten auch mehr zahlen.»