Liestal
Nun darf die EBL den Wind auf dem Schleifenberg messen

Der Energieversorger sichert sich von der Bürgergemeinde das Exklusivrecht für einen Liestaler Windpark. Ab kommendem Herbst wird die EBL den Wind messen um zu entscheiden, ob ein Windpark überhaupt rentabel wäre.

Daniel Haller
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Aufgrund eines angepassten Anstrichs sollen dereinst die Windräder auf dem Schleifenberg ob Liestal (Blick vom Bahnhof) kaum ins Auge stechen.

Aufgrund eines angepassten Anstrichs sollen dereinst die Windräder auf dem Schleifenberg ob Liestal (Blick vom Bahnhof) kaum ins Auge stechen.

zVg/Bearbeitung bz

Das Windkraftprojekt auf dem Schleifenberg ist auf Liestaler Boden einen Schritt weiter: Die Genossenschaft Elektra Baselland (EBL) hat mit dem Grundeigentümer, der Bürgergemeinde Liestal, einen Standortvertrag abgeschlossen. Mit diesem sichert sich die EBL ab: Wenn sie alle anderen noch offenen Fragen mit Ja beantworten kann – die Abklärungen sind zeitraubend und kostspielig – wird die Bürgergemeinde ihr das Land für die drei Windkraftwerke im Baurecht zur Verfügung stellen.

Die vierte angestrebte Anlage des Windparks käme auf Füllinsdorfer Boden zu stehen. Dort wurde gegen den gleichen Vertrag, den nun die Bürgergemeinde Liestal unterzeichnet hat, das Referendum ergriffen. Die Abstimmung wird am 5. Juni stattfinden.

Langsam laufende Windräder

Ab kommendem Herbst will die EBL nun mindestens ein Jahr lang mit einem Mast den Wind messen. Von den Ergebnissen hängt ab, ob der Windpark rentabel ist. «Wir bauen nur, wenn die Anlage wirtschaftlich ist», betont EBL-Geschäftsleiter Urs Steiner. «Schliesslich verwalten wir treuhänderisch das Geld unserer Kunden.» In die Wirtschaftlichkeitsberechnungen wird auch einfliessen, wie hoch die Einspeisevergütung des Bundes dann sein wird, wenn man mit dem Bau wirklich loslegen kann. Diese wird sukzessiv, analog zu den Solaranlagen, jährlich gesenkt.

Die Windmessungen werden auch die Grundlagen liefern für den Entscheid, welcher Typ Windkraftwerk infrage kommt. Da es sich im internationalen Vergleich um ein Schwachwindgebiet handelt – dies haben die bereits erfolgten Messungen mit Infrarot ergeben – wird man sich für Rotoren mit relativ langen Flügeln entscheiden, die den Wind auf einer möglichst grossen Fläche ernten.

«Dies bedeutet, dass die Windräder relativ langsam mit 10 bis 12 Umdrehungen pro Minute laufen werden», erläutert Projektleiter Martin Strohmaier. Da das jetzt von der Bürgergemeinde zugesicherte Grundstück fast in Nord-Süd-Richtung verläuft und die Haupt-Windrichtung in der Ost-West-Achse liegt, kämen die drei Anlagen optimal nebeneinander zu stehen, ohne sich gegenseitig den Wind wegzunehmen.

Noch viele Hürden

Doch das ist Zukunftsmusik: «Im Schnitt dauert es in der Schweiz acht Jahre vom Projektbeginn bis zum Baugesuch», berichtet Strohmaier, der unter anderem die Pilotanlage auf dem Nufenenpass realisiert hat. «Und dann kommen noch die Einsprachemöglichkeiten.» Als Nächstes stehen nun Untersuchungen zu Flora und Fauna auf dem Schleifenberg an. Dabei geht es jeweils unter anderem um Vogel-Zugrouten und die Distanz zu den Brutgebieten seltener Arten.

Am Projekt ist neben der EBL, die Erfahrungen mit einem Windpark in Ostdeutschland mitbringt, die Liestaler Genossenschaft Adev beteiligt. Diese hat in Saint-Brais im Jura bereits einen Windpark gebaut und seit Jahren im Betrieb.

Auch wenn sich die EBL nun von der Bürgergemeinde Liestal das Exklusivrecht auf den potenziellen Bauplatz vertraglich hat zusichern lassen: Der eigentliche politische Prozess wird erst einsetzen, wenn es um die Umzonung geht. «Erst dann wird sich zeigen, ob es Opposition gegen den Windpark gibt», meint Steiner. Bisher habe die EBL jedoch in Liestal ein positives Klima der Akzeptanz vorgefunden.

Neben Liesberg zwei weitere Projekte in der Region

Ende 2013 begann die EBM ihr Projekt in Laufental zu planen. In Liesberg hat sie mit den Grundeigentümern eine Vereinbarung im Februar 2014 abgeschlossen, in Roggenburg im Juli 2014 und Januar 2015. Zur Zeit läuft die Machbarkeitsstudie, die bis Ende 2016 abgeschlossen sein sollte.

Anschliessend kommt die eigentliche Projektierung inklusive Umweltverträglichkeitsprüfung. Dies hängt ab von den Ergebnissender Windmessung, die noch bis im Herbst 2016 läuft. «Erst dann liegen fundierte Daten für einen Projektentscheid vor», erklärt EBM-Sprecher Jo Krebs. Es geht um einen Windpark mit maximal 6 Windräder mit je 2,5 MW installierter Leistung.

Weiter wurden Untersuchungen zu Umweltthemen, Luftfahrt, der Zufahrt und elektrischen Erschliessung durchgeführt. Eine abschliessende Beurteilung werde die EBM Ende dieses Jahres vornehmen. «Wir sind aber aufgrund der bisherigen Resultate optimistisch.»

In Liesberg gabs 2014 und in Roggenburg 2015 Informationsveranstaltungen für die Einwohner. «Wir haben mit der Bevölkerung einen guten Kontakt, die Menschen sind vorsichtig offen, stellen richtigerweise aber auch kritische Fragen», berichtet Krebs. Zusätzlich gebe es eine Begleitgruppe mit Vertretern der Gemeinde, den Grundeigentümern und aus der Bevölkerung.

Neben dem Projekt Liesberg sei die EBM daran Abklärungen für Windanlagen in Muttenz und Meltingen durchzuführen. Auch dort habe man bereits Vereinbarungen abgeschlossen, die Untersuchungen sein aber weniger fortgeschritten.

Auf der Challhöchi fehlt noch die Raumplanung

Das älteste Projekt der Region ist der Windpark auf der Challhöchi, das die IWB 2010 aufgleiste. Mit den Grundeigentümern konnte sie frühzeitig Reservationsverträge abschliessen. «Die Bevölkerung wurde im ersten Jahr auf Informationsveranstaltungen in den drei Gemeinden Röschenz, Kleinlützel und Burg detailliert über das Vorhaben informiert», berichtet IWB-Sprecher Erik Rummer.

Die Messungen 2011 und 2012 hätten gezeigt, dass für einen wirtschaftlichen Betrieb genug Wind weht. Die technischen Abklärungen sind weit fortgeschritten: Die IWB spricht von fünf Turbinen mit einer Nabenhöhe von 140 Meter und einem Durchmesser von 120 Meter mit je 3 Megawatt Leistung. Die Challhöchi erfülle viele Voraussetzungen für einen guten Standort: «Der Standort ist weit entfernt von Wohngebieten und verkehrstechnisch gut erschlossen. Das Areal ist kein Naturschutzgebiet, der Wind ist gut. Zudem existiert in der Nähe eine Hochspannungsleitung, für die Einspeisung des Stroms.»

Was noch fehlt, sind die raumplanerischen Voraussetzungen. So ist die Festsetzung der Windkraft-Potenzialgebiete im Baselbieter Richtplan vom Kanton beschlossen, aber vom Bund noch nicht abgesegnet. Zudem sind nicht nur drei Gemeinden betroffen, sondern auch zwei Kantone. So müssen auch auf Solothurner Seite die Richt- und Zonenpläne angepasst werden. Gegen das Projekt hat sich mit dem Verein Windstill eine dezidiert auftretende Opposition organisiert, sodass auf allen Stufen mit Einsprachen zu rechnen ist.

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