Havarie auf dem Rhein
Nun verlagert sich der Stau vom Fluss in die Häfen

Das Schiffshindernis auf dem Rhein in Basel sorgt für Verluste und Probleme, die Versorgung ist aber nicht gefährdet. Der Stau verlagert sich aber zunehmend vom Fluss in den Hafen.

Daniel Haller
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Die Contargo braucht noch mindestens eine Woche, bis der Fahrplan wieder stimmt. Nicole Nars-Zimmer

Die Contargo braucht noch mindestens eine Woche, bis der Fahrplan wieder stimmt. Nicole Nars-Zimmer

Gerade mal 12 Koppelverbände durften gestern talwärts die Unfallstelle des beim Loreleyfelsen gekenterten Säuretankers «Waldhof» passieren. Sie wurden von den deutschen Schifffahrts-Behörden einzeln aufgerufen, mussten einen Lotsen an Bord nehmen und erhielten eine exakte Durchfahrtszeit zugeteilt. Trotz dieser Einschränkungen beginnt sich die Situation auf dem Rhein zu entspannen.

Schiene an der Grenze

«Wir benötigen aber noch mindestens eine Woche, um die Schiffe wieder in den Fahrplan einzuordnen», berichtet Daniel Kaufmann, Geschäftsführer der Contargo AG Basel.

Contargo hat zwischen Düsseldorf und Ludwigsburg durch Umlad auf die Bahn eine Umfahrung der gesperrten Stelle organisiert. «Doch die Kapazität der Schiene kam schnell an ihre Grenze: Ein Schiff fasst bis 350, ein Zug 60 bis 70 Container.» So sei dieser Weg nur für eilige Güter infrage gekommen. Rund 400 für die Schweiz bestimmte Container seien so befördert worden. «Normalerweise werden in den Schweizer Rheinhäfen 2000 Container pro Woche umgeschlagen», erklärt Kaufmann.

Überstunden und Zwangsferien

Während bei Contargo die Organisation des Umleitungsverkehrs dem Personal Überstunden abverlangte, musste man bei der Rhytank AG Überzeiten abbauen und Ferien vorbeziehen, weil 40 bis 50 Schiffe nicht eintrafen. «Wäre es länger gegangen, hätten wir Kurzarbeit beantragen müssen», berichtet Geschäftsführer Severin Plüss.

Ähnlich tönt es bei Ultra-Brag: Während der Rheinsperre wurden teilweise die Leute nach Hause geschickt. «Kommen nun alle Schiffe aufs Mal, müssen wir wieder Überzeiten fahren», schätzt Geschäftsführer Beat Heydrich. Der Flaschenhals verlagere sich von der Unfallstelle in die Umschlagbetriebe in den Häfen.

Dies bestätigt Jesko Wehrt, Personalchef der Tanker-Reederei Fluvia: «Die Schiffe können nun auch wieder talwärts fahren. Doch bei den Lösch- und Ladestellen in den Seehäfen wird es erneut Wartezeiten geben.» Und Kaufmann von Contargo spricht von einem «Containerberg in den Seehäfen», der nun abtransportiert werden muss.

Kosten noch zu beziffern

Wie hoch der Schaden ausfallen wird, sei noch nicht zu beziffern, erklärt Kaufmann. Er könne jedoch allein für Contargo Basel die Millionengrenze überschreiten. Auch Plüss rechnet für Rhytank im Januar mit einem sechsstelligen Gewinnausfall. Und bei Ultra-Brag spricht Heydrich von Mehrkosten beim Personal und von Verlusten durch Güter, die auf andere Transportmittel abgewandert sind. Exakt beziffern lasse sich der Schaden nicht, aber Ultra-Brag könne es mit 200 000 bis 500 000 Franken treffen. Keine Zahl nennen will Wehrt für Fluvia. Doch es seien immerhin drei Viertel eines Monatsumsatzes weg, und jedes Schiff verursache 2000 Euro Kosten pro Tag.

Notfalls gäbe es Pflichtlager

Trotz der Probleme sei aber die Versorgung der Schweiz nie gefährdet gewesen. «Wir konnten die Treibstoffe, die weniger reinkamen durch Lager-Abbau ausgleichen», sagt Plüss. Die Mineralöl-Versorgung sei nie in Gefahr gewesen. Heydrich berichtet von einem Extrazug für Zellulose, der nötig wurde, um die Papierproduktion aufrecht zu erhalten. Insgesamt sei die Schweiz aber erstens flexibel bei den Transportwegen, und zweitens verfüge notfalls der Bund über Pflichtlager.

Glatt hätte es bei einem Wintereinbruch auf der Strasse werden können: Für die Rheinsalinen waren 19 Schiffe mit Salz, insgesamt um die 30000Tonnen, an der Unfallstelle blockiert. Dennoch steht für Kaufmann ausser Frage, dass Binnenschiffe zu den sichersten Transportmitteln zählen: «Wir haben weniger Einschränkungen als die Bahn, ganz zu schweigen von der Strasse mit ihren Staus.» Einen solchen Unfall gebe es höchstens alle 10 bis 15 Jahre.