Sparmassnahmen BL
Nur wenige wollen die Schule freiwillig wechseln

Wegen der Baselbieter Sparmassnahmen müssen diesen Sommer 100 Schülerinnen und Schüler die Sekundarschule wechseln. Weil sich zu wenig Freiwillige dafür gemeldet haben, setzt Baselland jetzt Druck bei den Eltern auf.

Andreas Hirsbrunner
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Für rund hundert Sek-Schüler heisst es im Sommer, kräftiger in die Pedale zu treten. Denn sie können nicht das nächste Schulhaus besuchen.

Für rund hundert Sek-Schüler heisst es im Sommer, kräftiger in die Pedale zu treten. Denn sie können nicht das nächste Schulhaus besuchen.

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100 Baselbieter Schüler, die im Sommer in die erste Sekundarklasse eintreten, können das nicht im nächstgelegenen Schulhaus tun, weil der Kanton sparen und möglichst wenig Klassen führen will. Diese Zahl nannte Bildungsdirektorin Monica Gschwind (FDP) vor einem Monat gegenüber der bz. Und sie fügte bei, dass sie hoffe, dass sich ebenso viele fänden, die freiwillig einen längeren Schulweg unter die Räder nähmen. Nun, die Hoffnung hat sich nicht erfüllt, wie die Rückmeldungen der Eltern auf einen ersten Aufruf zeigen: 40 Schüler respektive Eltern hätten sich zu einem freiwilligen Wechsel bereit erklärt, sagt Urs Zinniker, ad interim-Leiter des Amts für Volksschulen (AVS).

Also musste das AVS einen Gang höher schalten: Es hat nun jene Eltern angeschrieben, deren Kindern der Besuch eines anderen Schulhauses vom Weg her am ehesten zumutbar ist. Wo es zu wie vielen Schülerverschiebungen kommt, kann Zinniker in der jetzigen Phase nicht sagen. Es gelte nun zuerst, die angeschriebenen Eltern anzuhören. Diese haben bis zum 13. Mai Zeit, entweder einem andern Schulstandort zuzustimmen oder zu begründen, wieso das für ihr Kind nicht zumutbar ist. Danach verfügt das AVS, wogegen die Eltern erstinstanzlich beim Regierungsrat und danach bei den Gerichten rekurrieren können.

Das werden – so zeigen die Erfahrungen aus vergangenen Jahren – auch etliche machen, womit es kaum zu 60 Zwangsverschiebungen kommen dürfte. Zinniker sagt dazu: «Wenn das Gericht die Eltern bei Beschwerden stützt, dann müssen wir weitere Optionen prüfen.» Eine wäre, die maximale Zahl von 24 Schülern pro Klasse zu überschreiten. Wie weit das bei den Abwägungen des AVS eine Rolle spielt, dazu will sich Zinniker in der jetzigen Phase nicht äussern.

Auch in «Gschwind-Land» harzts

Beim Thema Zwangsverschiebungen steht vor allem einer der sieben Sekundarschulkreise im Blickpunkt – der Kreis Frenkentäler. Denn das ist «Gschwind-Land». Dies, weil sich die damalige Hölsteiner Landrätin und heutige Regierungsrätin Gschwind im Jahr 2011 vehement gegen Schülerverschiebungen vom Waldenburgertal ins Nachbartal nach Reigoldswil wehrte. Der Oberdörfer Schulleiter Olivier Grossenbacher sagt zur Situation im Waldenburgertal: «Neun Kinder vom Niveau P aus unserem Einzugsgebiet können im Sommer nicht in unsere Sekundarschule eintreten, weil wir nicht zwei Klassen führen können, denn diese wären zu klein.»

Sechs dieser Kinder hätten sich freiwillig für einen Wechsel bereit erklärt, vier nach Liestal und zwei nach Reigoldswil. Die restlichen drei Schüler müsse das AVS bestimmen. Er habe wie gewünscht eine Priorisierung vorgenommen und diese dem AVS mitgeteilt, ergänzt Grossenbacher. Ob das AVS im Schulkreis Frenkentäler auch mit Verfügungen rechnet, will Zinniker nicht sagen.

Die Schulleiter haben noch ein weiteres Problem zu lösen: Hintergrund der Schülerverschiebungen ist, Lehrerstellen einzusparen. Im ganzen Kanton sollen es 30 Vollzeitstellen sein. Massgebend für das Vorgehen bei Lehrerentlassungen ist ein Regierungsratsbeschluss aus dem Jahr 2004.

Schulleiter will mehr Spielraum

Demnach müssen zuerst die Lehrer mit den wenigsten Dienstjahren, dann jene mit den wenigsten Lebensjahren gehen. Abweichen kann der Schulrat von diesen Kriterien, wenn es Lehrer mit unbefriedigender «Unterrichtsbefähigung» gibt. Grossenbacher, um beim Beispiel Frenkentäler zu bleiben, muss rund drei Vollzeitstellen streichen, weil es an seiner Schule ab neuem Schuljahr nur noch 18 statt wie jetzt 20 Klassen gibt.

Grossenbacher hat wenig Freude am vorgegebenen Szenario: «Dieses schränkt eine Schulleitung bei einer pädagogisch sinnvollen Planung sehr ein. Ich würde es begrüssen, wenn wir einen vergleichbaren Spielraum hätten, wie er in der Privatwirtschaft gang und gäbe ist.»

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