Nutzungsstrategie
Attraktiver und bekannter: Waldenburg will vorwärtskommen

Eine Steuerungsgruppe eruiert nun, wie das Stedtli attraktiver und bekannter werden soll. Vier Arbeitsgruppen, eine mit Kindern, haben den Bezirkshauptort unter die Lupe genommen.

Simon Tschopp
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Leute sehen sich interessiert die Resultate der Arbeitsgruppe öffentlicher Raum an.
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Die Kindergruppe präsentiert ihre Lösungsansätze.
Ein Blick auf die Pinwand ist auch ein Blick in die Zukunft.
Ein Reliefmodell dient dazu, um auch Waldenburgs topografische Lage zu sehen. Das Stedtli ist in Hügel eingebettet.

Leute sehen sich interessiert die Resultate der Arbeitsgruppe öffentlicher Raum an.

Simon Tschopp
(14. Juni 2021)

Das Zauberwort heisst Nutzungsstrategie, mit welcher der Bezirkshauptort Waldenburg – primär die Altstadt – attraktiver fürs Wohnen und bekannter für Auswärtige gemacht werden soll. Espace Suisse, der Verband für Raumplanung, hat am Montagabend der Bevölkerung Ideen präsentiert, die zusammen mit vier Arbeitsgruppen entstanden sind.

Diese haben über Wohnen, öffentlichen Raum sowie über Einkauf/Gastronomie/Tourismus gebrütet. Eine Gruppe Kinder hat Waldenburg aus ihrer Perspektive beleuchtet. Die Arbeitsgruppen analysierten den Istzustand und formulierten daraus 25 Massnahmen. Klar ist: Mit den begrenzten Ressourcen kann nicht alles umgesetzt werden.

Wie könnte es in zehn Jahren aussehen?

Florian Inneman, Experte für Altstadt- und Ortskernfragen, stellt das 75 Seiten starke Papier vor und wagt zuerst einen Blick in die Zukunft – ins Jahr 2031. Er fabuliert von steigenden Einwohnerzahlen, Altstadtparking, Waldenburg als Profiteur von Homeoffice, wie der Ort als kinderfreundliche Gemeinde ausgezeichnet wird, von aufgewertetem öffentlichem Raum und der neuen Waldenburgerbahn, die derzeit am Entstehen ist.

Dann holt Inneman die zahlreichen Anwesenden zurück in die Gegenwart. Er weist auf den «mangelnden Spielraum bei der Weiterentwicklung», aufs «fehlende Bewusstsein für bauliche Qualitäten» hin. Und die Schattenlage Waldenburgs.

«Dies ist zumindest das Image gegen aussen»,

fügt der Referent an. Dieser zeigt sogleich auf, wie dem beizukommen wäre: Das Stedtli fürs Wohnen attraktiver machen, die Qualitäten herausstreichen und die Hauseigentümer sensibilisieren.

Im öffentlichen Raum konstatiert Inneman, dass die Kommune mit vielen Ansprüchen zu kämpfen hat. In der Nutzungsstrategie wird dafür ein Nutzungskonzept vorgeschlagen. Basierend darauf sollen Plätze umgestaltet werden.

Alleinstellungsmerkmal erreichen und zum Ausflugsziel werden

Grosses Potenzial sieht Espace Suisse im Bereich Einkauf/Gastronomie/Tourismus mit dem Stedtli als «Perle». Der Strukturwandel ist weitgehend abgeschlossen, viele Arbeitsplätze sind verloren gegangen. Mit einem kleinen Laden, in welchem regionale Spezialitäten verkauft werden und der als Treffpunkt dient, könnte Waldenburg ein Alleinstellungsmerkmal erreichen und zum Ausflugsziel werden. Kulturelle Lichtblicke gab es in den vergangenen zwei Jahren: mit einem Freilichttheater im Pfarrhof und einer Kunstausstellung. «Solche Anlässe sind wichtig», betont Inneman.

Für diesen ist «aussergewöhnlich», dass auch Kinder in die Weiterentwicklung von Waldenburg eingebunden werden.

«Sie sind bei uns nicht so auf dem Radar»,

gesteht Florian Inneman. Eine überraschende Aussage aus dem Mund eines Experten einer professionellen Organisation für Raumplanung. Die Gruppe Kinder wird begleitet vom Kinderbüro Basel. Sie hat wichtige Orte im Stedtli unter die Lupe genommen mit dem Resultat, dass der Schulhausplatz für Kinder als zentraler Ort gilt. Auch hier ist der Wunsch, den Platz neu zu gestalten.

Steuerungsgruppe nimmt Arbeit bald auf

Laut Gemeinderat Markus Schlup wird sich nun eine Steuerungsgruppe mit der Nutzungsstrategie befassen. Die erste Sitzung ist im August vorgesehen. Die Steuerungsgruppe wird die Schwerpunkte setzen, die Arbeiten begleiten und periodisch überprüfen sowie bei Bedarf die Arbeitsgruppen beiziehen.

Nach dem Vortrag verschieben sich alle ins Freie, wo die Arbeitsgruppen ihre Resultate an Pinnwänden vorstellen. Unter den Leuten findet ein reger Austausch statt, es wird gefachsimpelt. Marianne Müller findet es gut, dass es diese Impulse gibt.

«Ich habe den Eindruck, dass auch etwas realisiert werden kann.»

Wichtig sei, dass die Kinder einbezogen würden.

Andreas Grüning wohnt seit 15 Jahren in Waldenburg. Er erachtet die Vorschläge als «interessant» und hofft, dass ein paar davon umgesetzt werden, «auch wenn wir finanziell nicht so gut dastehen». Man müsse mit wenigen Mitteln versuchen, was daraus zu machen. Der Bayer zog damals beruflich in die Schweiz und suchte im Baselbiet eine Bleibe.

«Ich habe mich in der ganzen Gegend umgeschaut, in Waldenburg hat's mir am besten gefallen: von der Lage, der Substanz und den Häusern her sowie wegen der Anbindung an den öffentlichen Verkehr.»

Ganz so schlimm ums altehrwürdige Stedtli kann es also nicht stehen.