Riehen
O Tannenbaum, o Tannenbaum, wie schön sind deine Flüge

Bereits zum fünften Mal sind in Riehen die Weihnachtsbäume zum Wurfobjekt umfunktioniert worden. 8,15 Meter betrug die eindrückliche Tages-Bestmarke. Und auch der Nachwuchs schoss Tannenbäume durch die Luft.

Eva Wieser
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Der Nachwuchs schoss 800g schwere Bäume durch die Luft.
9 Bilder
Beim Weitwurf kommt es auf jeden Zentimeter an.
Weihnachtsbaum-Weitwurf vom TV Riehen
Mit voller Kraft werden die Bäume durch die Luft geschleudert.
Alle Augen sind auf den Buben gerichtet.
Die zukünftigen Weitwurf-Champions üben fleissig.
Die Bäume der Männer wiegen 4 kg.
Den 3kg schweren Baum warfen die Frauen auf über 8 Meter.
Volle Konzentration ist beim Abwurf gefordert.

Der Nachwuchs schoss 800g schwere Bäume durch die Luft.

Nicole Nars-Zimmer

Leichtathletik mitten im Winter? Diskusscheiben und Speere fliegen doch normalerweise an warmen Sommertagen durch die Luft. Nicht so in Riehen – die wetterfesten Athletinnen und Athleten des Turnvereins trotzten der Normalität und wärmten sich am Samstagmorgen auf dem Dorfplatz für ihre winterliche Disziplin auf: den Weihnachtsbaum-Weitwurf.

«Ohne jegliche Flugeigenschaften»

Die Vorfreude hält sich aber in Grenzen. «Das hätt jetzt nit miesse sii», schimpft ein Turnvereinler, und schaut skeptisch zum wolkenverhangenen Himmel. Es regnet ununterbrochen.

Auch Hans Ruedi Bärtschi, Präsident des TV Riehen, bleibt unter dem schützenden Festzelt im Trockenen stehen und erinnert sich an die letzten vier Weihnachtsbaum-Wettkämpfe: Einmal habe es geschneit, aber regnen tue es nun wirklich zum ersten Mal.

Am wenigsten Eindruck macht das trostlose Wetter den Wurfobjekten. «Total unförmig und ohne jegliche Flugeigenschaften», beschreibt Raphael Schüle, Medienverantwortlicher des TV Riehen, die alles andere als aerodynamischen Bäume.

Doch genau das mache den Wettkampf spannend, sagt der Mitorganisator des Weihnachtsbaum-Weitwurfs. «Es gibt kein Reglement, man kann den Baum werfen, wie man will», erklärt Schüle. Er müsse einfach im markierten Bereich landen.

So klügelt jeder seine eigene Technik aus. Jemand schüttelt den Baum kräftig durch: «Ohne Nadeln ist er leichter und fliegt sicher weiter», erklärt der Nachwuchssportler seine Schlaumeier-Taktik.

Weniger Gedanken über die Wurftechnik macht sich Gemeinderat Christoph Bürgenmeier. Er nutzt den Dorfanlass, um seine Flyer zu verteilen und Wahlkampf für die bevorstehenden Gemeindewahlen zu betreiben.

Rekord: 8,15 Meter

Im Verlauf des Morgens versuchen sich 60 Werferinnen und Werfer. Als Hauptgewinn winkt ein Besuch im Thermalbad. Grund genug, den Regenschirm zuzuklappen und den Weihnachtsbaum am Schopf zu packen, um mit etwas Glück bald im warmen Badewasser sitzen zu dürfen.

Den Tagesrekord hält Sabine Brotschi aus Lausen. Den drei Kilogramm schweren Baum wirft sie 8,15 Meter weit – und somit 25 Zentimeter weiter als Rolf Binkert. Der Riehener holt sich den Heimsieg in der Kategorie «Männer», bei der ein vier Kilo schwerer Weihnachtsbaum geworfen werden muss.

Auch der Nachwuchs ist gesichert: Den 800 Gramm schweren Tannast, den die Kinder durch die Luft fliegen lassen, wird vom Birsfelder Samuel Tschudin ganze 4,05 Meter weit geschleudert.

Die Athleten der Wurfgruppe des TV Riehen werden neben dem Weihnachtsbaum-Weitwurf in einer zweiten Disziplin gefordert: Beim Sponsoren-Bankdrücken wird das Kräftemessen leistungsorientierter.

Während einer halben Stunde heben acht Athleten der Wurfgruppe so viel Gewicht wie möglich. Die Abrechnung erfolgt in Tonnen: Insgesamt stemmen die Wurfbegeisterten rund 81 Tonnen in die Höhe.

Somit wird der Plausch-Anlass zumindest für die Wurfgruppe zu einer sportlichen Standortbestimmung. Und sollte diese nicht wie gewünscht ausfallen, bleibt den Athletinnen und Athleten bis zum Sommer noch etwas Zeit, an Kraft zuzulegen und an der Technik zu feilen.

Denn sobald die Weihnachtsbäume gegen Disken, Speere, Kugeln und Hämmer getauscht werden, gilt es wieder ernst.