Altersstrategie
Oberwil und Bottmingen setzen auf betreutes Wohnen statt Altersheime

Die Gemeinden Oberwil und Bottmingen erarbeiten eine gemeinsame Altersstrategie. Statt ein neues Altersheim zu bauen, wollen die Gemeinden in Betreuungsmodelle investieren die auf die Bedürfnisse der heutigen Senioren zugeschnitten sind.

Julia Gohl
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Oberwil und Bottmingen wollen ihr ambulantes Pflegeangebot ausbauen. (Symbolbild)

Oberwil und Bottmingen wollen ihr ambulantes Pflegeangebot ausbauen. (Symbolbild)

Chris Iseli/AZ

Eigentlich war die Rede von neuen stationären Plätzen, einem zusätzlichen Altersheim. Denn Hochrechnungen zeigten, dass dies im Altersheimkreis Oberwil-Bottmingen schon bald nötig sein würde. Doch dann driftete der Fokus in eine andere Richtung. «In manchen Gemeinden, darunter etwa Basel, werden Leute erst ab einer gewissen Pflegestufe im Altersheim zugelassen», weiss Martin Spörri, Leiter der Abteilung Soziales, Gesundheit und Alter in Oberwil. «Bei uns hingegen haben viele Altersheimbewohner tiefe Pflegestufen, manche sogar Pflegestufe 0. Sie alle wären nicht unbedingt auf ein Altersheim angewiesen. Doch als Ersatz bräuchten sie entsprechende ambulante Angebote und/oder Wohnangebote mit unterstützenden Dienstleistungen.»

Genau dort setzen die Gemeinden Oberwil und Bottmingen nun an. Sie arbeiten an einer gemeinsamen Altersstrategie. In deren Rahmen sollen die bestehenden Angebote überprüft und Lücken geschlossen werden. «Die Leute möchten lieber möglichst lange zu Hause bleiben», erklärt die Oberwiler Gemeinderätin Rita Schaffter. Deshalb glaubt sie, dass ein Ausbau der ambulanten Angebote den Bedarf an stationären Plätzen mindern könnte. «Ob wir in einigen Jahren trotzdem zusätzliche stationäre Plätze anbieten müssen, lässt sich noch nicht sagen. Diesbezüglich gilt es, die Entwicklung im Auge zu behalten.»

Diese gehe gerade im Altersbereich sehr schnell, findet die Bottminger Gemeinderätin Mélanie Krapp. «Es gibt zwar immer mehr ältere Leute, aber die Gesellschaft wandelt sich stetig. So sind die älteren Leute heute zum Beispiel aktiver als noch vor ein paar Jahren und können dank medizinischer Fortschritte auch länger zu Hause bleiben. Solche gesellschaftlichen Entwicklungen lassen sich schwer voraussehen, weshalb es riskant ist, vorauseilend Altersheime zu bauen.»

Naheliegende Zusammenarbeit

Oberwil und Bottmingen arbeiten im Altersbereich schon lange zusammen, betreiben gemeinsam das Alters- und Pflegeheim Drei Linden in Oberwil und haben seit drei Jahren auch eine gemeinsame Spitex. «Da ist es naheliegend, dass wir nun auch eine gemeinsame Altersstrategie ausarbeiten», findet Krapp. «So lassen sich wertvolle Synergien nutzen. Zudem lohnt es sich für die Einwohner: Sie erhalten alle Hilfestellungen und Angebote von der ersten bis zur letzten Stufe in der näheren Umgebung.»

Die Zusammenarbeit mit Bottmingen habe schon immer sehr gut funktioniert, erzählt Schaffter. «Und im Kanton geht der Trend sowieso Richtung Zusammenarbeit der verschiedenen Gemeinden. Auch im Alter soll nach Wünschen des Kantons künftig in Regionen gedacht werden. Das kann nicht von heute auf morgen passieren, aber in Zukunft werden wir hier im Leimental sicher alle zusammenarbeiten. Die enge Partnerschaft mit Bottmingen ist dabei ein guter erster Schritt.»

Nachholbedarf im Wohnbereich

Erste Massnahmen aus der neuen Altersstrategie sollen bereits 2017 umgesetzt werden. Welches diese sind, steht allerdings noch nicht fest. Denn die Altersstrategie existiert noch nicht. Es haben bereits Gespräche mit Fachpersonen und Institutionen aus dem Altersbereich stattgefunden. Daraus haben sich bereits erste Ansatzpunkte ergeben. «Wir haben zum Beispiel grossen Nachholbedarf im Bereich Wohnen im Alter», so Schaffter. «Alles, was zwischen selbstständigem Wohnen und dem Pflegeheim liegt, ist bei uns zu wenig vorhanden.» Dazu gehöre etwa das Angebot an betreutem Wohnen, aber auch günstiger Wohnraum sei wichtig.

Den nächsten Schritt auf dem Weg zur Altersstrategie nehmen die Gemeinden am 16. April. Dann laden sie die Bevölkerung zum öffentlichen Workshop in Oberwil. «Dort können die Einwohnerinnen und Einwohner unserer Gemeinden ihre Ideen und Anliegen einbringen», erläutert Schaffter. «Es ist wichtig, dass wir nicht einfach an den Bedürfnissen der Kunden vorbeiplanen.» Nach diesem Workshop wird sich eine Arbeitsgruppe mit der Ausformulierung von Massnahmen beschäftigen, die Kosten eruieren und Zeitpläne aufstellen. Die Gemeindeversammlung soll schon Ende Jahr via Budget die ersten Punkte aus der Altersstrategie absegnen.