Oberwil
Oberwiler Schnecken hauen an der Fasnacht auf den Putz

Gegen 40 Wagen, Guggen, Schyssdräggzügli und Pfeiffergruppen zogen durch den Dorfkern von Oberwil. Sie nehmen das Verkehrschaos im Dorf, die hiesigen Beizen und den Weltuntergang auf die Schippe.

Jürg Jeanloz
Merken
Drucken
Teilen
Die Guggenmusik Nuggispucker.
10 Bilder
Die Wilde aus Oberwil
D Nachtwyber Schnaegge Oberwil.
Sonniger Fasnachts-Umzug in Oberwil
Die Fasnacht bietet Gelegenheit zu persoenlichen Statements.
Die Wasen Binggis vom Kindergarten Oberwil.
D Schrumpfkepf Gugge.
D Pierrot Clique
Die Schnaeggi Waggis spielen das Restaurant VIVA (im Hintergrund) aus.
Humpe Heber Waggis

Die Guggenmusik Nuggispucker.

Martin Töngi

Der Pfarrer von Oberwil suche Gloriahühner, verkünden der Weihwasserfrosch und der Kerzendocht. Unter Gloriahühner verstehen die beiden Oberwiler Dorforiginale etwas despektierlich Sängerinnen für den Kirchenchor.

Sie bilden im grossen Umzug der Oberwiler Fasnacht ein Schyssdräggzügli und reihen sich verschämt zwischen einer zwanzig Meter langen Tramimitation der BLT und der lauten Guggenmusigg Ueli-Schränzer aus Basel ein.

Keiner bleibt verschont

Dafür kramen sie gehörig in der Nostalgietruhe der Oberwiler Schnecken und machen bekannt, dass in den nächsten Tagen eine Kuh zu versteigern ist. Die Blutwurst sei für fünfzig Rappen und das Kilo Kutteln für drei Franken zu haben. Und für die Gemeinderatswahlen werde am nächsten Dienstag ein «Sagg-Gumpe» im Schwingerkeller organisiert mit anschliessendem Lämmerhüpfen.

Neben den beiden Originalen nehmen auch die Schnägge-Rueche das Verkehrschaos in Oberwil auf die Schippe. «Es het doch überhaupt kai Zwägg, die viele Baustelle göhn nid wäg.»

Hart ins Gericht mit den hiesigen Beizen gehen die Oberwyler Räppli. «Isch's Kotlett zech wie Autopneu, issisch halt es Cordon bleu», steht auf ihrem Wagen. Im Guide Carnaval ziehen sie die Oberwiler Restaurants und ihre Angestellten so richtig durch den Kakao. «Bim Personal weisch aifach nie, sin sy Dekor oder schaffe die». Ganz anders präsentieren sich die Schnäggefrässer. Sie zelebrieren sich selbst, kommen als vornehme Könige mit roten Samtroben daher und fahren in einer prächtigen Originalkutsche mit zwei Pferden.

Gäste aus der Region

Hinter der Basler Garde-Clique, die als Mönche und andere Monster ihre Märsche erklingen lassen, verkünden die Granate-Schnägge den Weltuntergang. In Frack und Zylinder verteilen sie Mimosen und machen den Schaulustigen nochmals richtig Mut. Auch die Explosiven aus Reinach glauben an den Weltuntergang und treten mit dem Maya-Kalender und dem Fixdatum des 21.12.2012 ihren Beweis an.

Die Kiwi-Frässer aus Basel bringen ihr Sujet gleich selbst mit. «Schifffahrt uf em Rhy, gha sehr gfärlech sy», steht an ihrer MS Roma. Sie trieb bekanntlich nach einem Motorschaden auf die mittlere Brücke zu und schlug mit dem Führerhaus an der Brücke an. Zwei Waggis treiben mit einer fahrbaren Badewanne Allotria und decken jüngere Damen und Girlies mit Räppli ein. Bequem macht sich die Gugge Grossstadtchnulleri aus Kaiseraugst, die ihre Cecilia auf einem grossen Wagen intoniert und einen Höllenlärm veranstaltet. Der von Bundesrat Ueli Maurer so sehnlichst erwartete Flieger Saab Gripen kommt als Original daher und löst bei den Erbauern eine kaum zu kurierende Grippe aus.

Es lässt sich nicht leugnen, die Oberwiler werden zu recht als Schnägge bezeichnet. D'Spezi Giftschnägge thematisieren die i-Phone Manie mit ihren vielen Apps und die Schnägge-Füürwehr mit ihren grünen Männchen kommt wie die alte Post hintendrein.