Ökologie
Grüne Riesen in Gefahr: Baselbieter Landrat will Bäume im Siedlungsgebiet besser schützen

In den Dörfern verschwinden immer mehr alte und grosse Bäume. Schuld daran seien auch rigide Baugesetze, ist eine Grünen-Landrätin überzeugt. Das Kantonsparlament will nun, dass der Regierungsrat prüft, wie man die Vorgaben baumfreundlicher gestalten kann.

Benjamin Wieland Jetzt kommentieren
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Welche ein Prachtsbaum. Doch so grosse Exemplare wie hier am Lindenplatz in Allschwil gibt es nur noch wenige.

Welche ein Prachtsbaum. Doch so grosse Exemplare wie hier am Lindenplatz in Allschwil gibt es nur noch wenige.

niz/bz-Archiv

Es ist ein Dilemma. Weil im Siedlungsgebiet das Bauland immer besser ausgenutzt wird, bleibt weniger Platz für Bäume. Vor allem für grosse, alte Bäume. Ihre Zahl nimmt ab, auch im Baselbiet. Als die «innere Zerrissenheit unserer modernen Gesellschaft» bezeichnete FDP-Landrat Andreas Dürr das Phänomen bei der gestrigen Sitzung des Kantonsparlaments:

Andreas Dürr.

Andreas Dürr.

Roland Schmid
«Die Frage ist doch, was unser Ziel ist: Baum vor Bau, oder Bau vor Baum? Eines steht fest: Beides können wir nicht haben.»

Der Landrat ist da anderer Meinung. Beides sei möglich: Bau und Baum. Ein Vorstoss, der vom Regierungsrat verlangt, Massnahmen zu prüfen, wie die grünen Riesen im Siedlungsraum erhalten werden können, wurde grossmehrheitlich überwiesen. Selbst fünf SVP-Vertreter stimmten für das Postulat, hinter dem Grünen-Politikerin Lotti Stokar steht.

Das Dilemma zwischen Verdichtung und Baumsterben kennt auch die Oberwilerin. Sie zielt mit ihrem Postulat in erster Linie auf die gesetzlichen Vorgaben. Ein, im wörtlichen Sinn, grosses Wachstumspotenzial für Bäume macht sie bei einer Änderung der Baugesetze aus, genauer gesagt bei den Vorgaben zu den Grenzabständen. Die seien heutzutage zum Nachteil von Grossgewächsen ausgelegt.

Stokar nannte im Vorstoss Beispiele. So müssten etwa 2- bis 3-geschossige Gebäude einen Grenzabstand von 5,5 Metern einhalten. Bei Bäumen betrage der Grenzabstand aber 6 Meter. Auch zu Strassen hin sei es in vielen Fällen nicht möglich, Bäume zu pflanzen.

Lotti Stokar: Baubranche ist auch für Lockerungen

Lotti Stokar

Lotti Stokar

Zvg

«Bäume sind ein wohltuender Anblick», sagte Stokar während der Debatte. «Und wer von uns ist nicht einmal, zumindest als Kind, auf einen Baum geklettert?» Es gehe ihr aber nicht nur um emotionale und optische Aspekte. Der Klimawandel mache es notwendig, dass in unseren Siedlungen mehr Grün vorhanden sei. Ausserdem habe der Regierungsrat Entgegennahme beantragt.

Widerstand kam von Seiten FDP- und SVP-Fraktion. Man wolle keinen strengen Baumschutz, wie ihn etwa Basel-Stadt kenne, sagte Hanspeter Weibel (SVP, Bottmingen), der das Postulat – wohl ironisch gemeint – «bäumig» nannte:

«Kernpunkt ist doch, dass man prüfen soll, inwiefern man die Eigentumsrechte beschränken kann.»

Wer Land besitze, sagte Weibel, solle nicht dazu gezwungen werden können, Bäume zu erhalten. In der Stadt haben die Bäume jedoch auch Mühe. Es ist jedoch eher die Hitze das Problem.

Stokar entgegnete, es gehe lediglich darum, neue Möglichkeiten zu schaffen – das entspreche auch dem Wunsch vieler Architektinnen und Planer. «Wenn man in den Quartieren unterwegs ist, so sieht man immer wieder, dass alte Villen abgerissen werden. Danach wird das Grundstück beim Erbgang aufparzelliert. Werden diese kleinen Parzellen überbaut, lassen die rigiden Grenzabstandsvorschriften häufig nicht zu, dass Bäume gepflanzt werden, selbst dann nicht, wenn der Raum vorhanden wäre.»

Doch selbst bei der SVP gab es Vertreter, die sich für das Postulat aussprachen. Stokars Vorstoss wurde mit 53 Ja- gegen 23 Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen überwiesen. Ein für ein grünes Anliegen durchaus bäumiges Resultat.

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