ÖV-Initiative
Gratis-U-Abo: Initiative steht, Goodwill der Regierung ist sicher

Linke und Grünliberale wollen, dass Kinder und Jugendliche bis zum 20. Lebensjahr das U-Abo gratis bekommen. Die dafür nötigen 3000 Stimmen zu sammeln, gestaltete sich aber als Herausforderung.

Jonas Hoskyn
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Bitte einsteigen: Bis 20 soll der öffentliche Verkehr in Basel gratis werden. Das fordert eine Initiative.

Bitte einsteigen: Bis 20 soll der öffentliche Verkehr in Basel gratis werden. Das fordert eine Initiative.

Kenneth Nars

Die wichtigste Nachricht zuerst: «Es sollte reichen», sagt Emmanuel Ullmann. Der Grünliberale ist einer der Köpfe hinter der Initiative «Gratis-ÖV für Kinder und Jugendliche», die im September 2019 lanciert wurde. Die Forderung: Bis zum 20. Lebensjahr soll das Umweltschutz-Abonnement gratis bezogen werden können. Lanciert hatte die Initiative eine Gruppe von Politikerinnen und Politikern von Basta bis Grünliberale und BDP. Co-Präsidentin neben Ullmann ist SP-Nationalrätin Sarah Wyss.

Allerdings gestaltete sich das Sammeln der 3000 Unterschriften deutlich schwieriger als anfänglich vermutet. Ende Woche läuft die wegen der Coronapandemie verlängerte Frist ab und die Initianten werden bis zuletzt zittern müssen. «Wir mussten einen ziemlichen Schlussspurt hinlegen», sagt Ullmann. Lange habe es gar so ausgesehen, als würde die Initiative scheitern. Auch jetzt liegen noch Unterschriften bei der Staatskanzlei zur Vorbeglaubigung.

Sammeln auf der Strasse deutlich schwieriger

Dabei sei der Start der Unterschriftensammlung gut verlaufen. «Das Thema ist schnell erklärt, und man hat schnell eine Meinung dazu. Viele Passanten haben gleich unterschrieben», sagt Ullmann. Mit der Coronapandemie sei das Sammeln auf der Strasse dann deutlich schwieriger geworden. Andere Wege, wie etwa das Versenden von Unterschriftenbogen, hätten nur schlecht funktioniert. «Da ist nur wenig zurück gekommen», sagt Ullmann. Die Initianten sind mit diesen Problemen nicht alleine. Auch nach dem Scheitern der beiden Initiativen für die Umbenennung der St.Jakobshalle in Roger-Federer-Arena und für Videoüberwachungskameras an Hotspots führten die Verantwortlichen die Pandemie als grosse Hürde an.

Als schlechtes Omen will Ullmann die Schwierigkeiten aber nicht verstanden wissen: «Ich glaube, wir greifen mit der Initiative ein aktuelles Thema auf. Ich rechne uns gute Chancen aus», sagt er und verweist auf die elsässische Stadt Strasbourg, wo im Herbst eine analoge Regelung umgesetzt wird. In der Stadt Bern wurde Anfang Monat eine Initiative eingereicht, die den ÖV komplett gratis machen möchte.

Einen Vorteil haben die Initianten auf ihrer Seite: Zuständig für die Behandlung der Initiative ist das Bau- und Verkehrsdepartement und damit die neue GLP-Regierungsrätin Esther Keller. Und diese war bis zu ihrer Wahl vergangenes Jahr ebenfalls Mitglied des Initiativkomitees.