Muttenz
Offizielles Startsignal für den Bau der neuen Anlage mitten im Hardwald

Die neue Trinkwasseraufbereitungsanlage ist politisch umstritten – architektonisch aber nicht. Schon im Oktober dieses Jahres soll das Gebäude stehen; die Anlage wird ein Jahr später ihre Arbeit aufnehmen.

Boris Burkhardt
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«Natürlich» soll sich die Trinkwasseraufbereitungsanlage in die Landschaft zwischen Hardwald und Rheinfelderstrasse fügen.

«Natürlich» soll sich die Trinkwasseraufbereitungsanlage in die Landschaft zwischen Hardwald und Rheinfelderstrasse fügen.

zvg

Pünktlich zum 120-Jahr-Jubiläum der Trinkwasserversorgung in Muttenz konnte Gemeinderat Joachim Hausamann (Grüne) gestern das offizielle Startsignal für den Bau der neuen Trinkwasseraufbereitungsanlage (TWA) Obere Hard geben. 120 Jahre – ganz so lange reicht die Geschichte des kommunalen Kraftaktes für 17,42 Millionen Franken nicht zurück; doch Hausamann erinnert daran, dass bereits unter seinem Vorgänger Kurt Kobi (SP) die «umfangreichen Abklärungen und Planungsarbeiten, Verhandlungen und politischen Diskussionen» begannen. Schon im Oktober dieses Jahres soll das Gebäude stehen; die Anlage wird ein Jahr später ihre Arbeit aufnehmen.

Unsauberes Grundwasser

Nötig wurde die Grossanlage direkt an der Rheinfelderstrasse mit der Reinigungskapazität von 20'000 Kubikmetern pro Tag durch die Belastung des Grundwassers in der Hard, die eine externe Untersuchung 2008 belegte. Danach finden sich unter anderem Chlorsubstanzen, Herbizide und pharmakologisch aktive Substanzen im Wasser. Als mögliche Quellen der Verschmutzung nennt Hausamann das Industrieareal in Schweizerhalle, den Auhafen, den Rangierbahnhof und die Deponien Margelacker, Rothausstrasse und Feldreben. Auch möglicherweise verschmutztes Rheinwasser könnte bis zu den Brunnen der Gemeinde gelangen. In der mehrstufigen Aufbereitung sollen die Mikroverunreinigungen nun «entfernt, abgebaut und unschädlich gemacht» werden. 2010 und 2011 stimmte der Souverän Planung und Bau der TWA zu.

Emotionale Abstimmung

Politisch diskutiert wurde der kommunale Alleingang im Vorfeld zum ersten Entscheid 2010 vor allem innerhalb der Gemeinde, zum Teil sehr emotional, wie die bz damals berichtete. Das von der FDP geführte Gegenkomitee stiess sich vor allem an den hohen Kosten der autarken Wasserversorgung. Laut Hausamanns Vorgänger Kurt Kobi waren aber alle Alternativen entfallen: Die Hardwasser AG hatte kein Interesse, Wasser aufzubereiten, das sie nicht selbst fördert; und die TWA in Pratteln befand sich ganz im Osten der Gemeinde. Nicht beigelegt ist jedoch die Meinungsverschiedenheit mit dem Kanton. Er hatte schon vor dem Entscheid zum Bau der TWA deutlichgemacht, dass er eine «regionalisierte Wasserversorgung» im Kanton bevorzuge. Doch die Strategie dazu ist heute noch in der Mache, wie Alberto Isenburg, Leiter des Amtes für Umwelt und Energie des Kantons, auf Nachfrage bestätigt. Der Kanton überlege auch, die Verantwortung für die Trinkwasserversorgung auf die neu zu schaffenden Regionen zu übertragen. In jedem Fall wären allerdings die Kommunen weiterhin zur Finanzierung verpflichtet.

Forderungen an den Kanton

Die Gemeinde sieht sich deshalb bis heute im Stich gelassen vom Kanton: «Die Verunreinigungen hat nicht die Gemeinde allein zu verantworten», sagt Hausammann und begründet mit diesem Argument den Anspruch der Gemeinde auf eine Kompensation aus dem Trinkwasserfonds. Dieser Fonds wurde etwa zur selben Zeit wie die Muttenzer Abstimmung von der Pharma-Industrie in Höhe von 20 Millionen Franken geäufnet. Der Regierungsrat stellt sich in seinem selbstverfassten Reglement jedoch auf den Standpunkt, dass die Fondsmittel nur für kantonale Trinkwasserprojekte, nicht für kommunale zu verwenden seien.

Abseits der politischen Nebengeräusche will Muttenz mit der TWA Obere Hard architektonische Akzente setzen. Das Gebäude aus Spritzbeton presst sich nach Auskunft des Architektenbüros Oppenheim als Hülle an das technische Innenleben der Anlage und wirke dadurch «natürlich gegossen». Der Spritzbeton soll «natürlich altern» und so die Gegensätze zwischen der Natur im Hardwald und der Industrie in Schweizerhalle symbolisieren.

Das Gebäude wurde gleichzeitig als Besucherzentrum konzipiert: Schulklassen und andere Gruppen sollen sich hier über die «innovative Trinkwasseraufbereitung» informieren können, sagt Hausammann. Der Eingangsbereich des Gebäudes ist deshalb einer Grotte mit Wasserbecken und Steg nachempfunden: «Kalt, feucht und mystisch». «Das Wasser wird erlebbar», verdeutlicht Hausammann die pädagogische Komponente des Konzepts.