Titterten
Ohne Kläranlage kein Ökosystem

Das Naturschutzgebiet Ryfenstein-Horniflue ist auf die Abwässer des Dorfes angewiesen. Die Kläranlage des Dorfes soll aber stillgelegt werden.

Boris Burkhardt (Text und Fotos)
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Engagiert: Alice Killenberger und Christoph Tschopp.

Engagiert: Alice Killenberger und Christoph Tschopp.

Ganz am Ende der Exkursion kann Alice Killenberger das Problem am besten erläutern: Der Wasserfall am Beginn des Flüegrabens, der von Titterten westwärts nach Reigoldswil verläuft, ist zweigeteilt – links mit viel Wasser direkt von der Titterter Kläranlage, rechts mit wenig Wasser als eigentliche Quelle des Flüegrabenbachs.

Die ausgebildete Umweltpädagogin aus Titterten will damit sagen: 90 Prozent des Wassers für den Bach stammen von der Kläranlage des Dorfes, die oberhalb des Grabens liegt; und wenn sie wie angedacht stillgelegt würde, trocknete der Flüegraben aus. Und mit dem Flüegraben wäre das kantonale Naturschutzgebiet Ryfenstein-Horniflue, das er zum grossen Teil bewässert, gefährdet.

Killenberger als Vorstandsmitglied des Natur- und Vogelschutzvereins Titterten nutzte das vergangene Wochenende der Biodiversität, um bei einer Exkursion auf die Wichtigkeit des Naturschutzgebiets hinzuweisen. Die kleine Wanderung durch den Flüegraben ging vom Reigoldswiler Dorfplatz über den Sagenweg um die Ruine Rifenstein bis zum Amphibienbiotop auf der Hübschenmatt unterhalb des Dorfes.

Glögglifrosch wurde heimisch

Dieses Amphibienbiotop ist ebenfalls Teil des Problems: Es wurde 2008 in den drei ehemaligen Schönungsteichen der Kläranlage eingerichtet, nachdem Killenberger dort eine grosse Population der geschützten Erdkröten und einige Grasfrösche entdeckt hatte; mittlerweile ist auch die gefährdete Geburtshelferkröte („Glögglifrosch“) heimisch. „Dafür sind wir dem Kanton sehr dankbar“, sagt Killenberger: Erst im vergangenen Oktober wurden die drei Teiche von Sedimenten befreit und die rissigen Betonschalen im Boden durch Folien ersetzt.

Nun ist es zwar so, dass das Wasser von der Kläranlage seit dem Entstehen des Biotops wie erwähnt ohne Umwege über die Schönungsteiche direkt in den Flüegraben fliesst und dort die Sedimente ablagert. Das schade sehr den Pflanzen und Tieren im Oberlauf des Baches, sagt Killenberger.

Es sei aber immer noch besser als die geplante Alternative des Kantons, die sanierungsbedürftige Kläranlage Titterten aufzugeben und die Abwässer durch ein neues Rohr direkt in die ARA Füllinsdorf zu führen: „Dann läge der Flüegraben im Sommer zwei bis drei Monate trocken; und ich will mir nicht ausmalen, was das für das Ökosystem bedeuten würde.“

Kanton will neues Abwasserrohr

Bei der Exkursion mit dabei ist auch Christoph Tschopp. Er ist nicht nur Präsident des Naturschutzvereins Arboldswil sondern plante als Bauingenieur in den Achtzigern auch die Schönungsteiche. Wenn der Kanton seinen Plan mit dem neuen Abwasserrohr umsetzen würde, wäre es für Tschopp die beste Lösung, wenn in der Titterter Kanalisation ein Trennsystem von Oberflächenwasser vom Schmutzwasser eingeführt würde.

Lösung ist nicht ganz billig

„Das Oberflächenwasser macht bis zu drei Viertel des Abwassers aus und könnte weiterhin direkt den Flüegrabenbach speisen“, meint Tschopp. Allerdings ist beiden klar, dass auch diese Lösung Geld kosten würde, das der Kanton bekanntlich ja kaum noch hat.