Zeglingen
Ohne Maschinen und Mathematik geht überhaupt nichts

Sägemeister Andreas Meier von der Meier Holz AG in Zeglingen ist von Holz fasziniert. Weshalb? Der 57-Jährige erzählt von seinem Beruf und sagt, aus welchem Holz man dafür geschnitzt sein muss

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Sägemeister Andreas Meier (rechts) instruiert Isabelle Gubler, Lehrtochter im zweiten Lehrjahr, bei der Stammaufgabe auf den Schnellspannwagen der Sägerei.

Sägemeister Andreas Meier (rechts) instruiert Isabelle Gubler, Lehrtochter im zweiten Lehrjahr, bei der Stammaufgabe auf den Schnellspannwagen der Sägerei.

Roland Schmid

«Von 1974 bis 1977 lernte ich bei Häring in Pratteln Säger. Ich besuchte mit den Zimmerlehrlingen die Gewerbeschule. Dazu machte ich jährlich dreiwöchige Spezialkurse für Säger und für Schärferei in der Fachhochschule Biel. In unserer Region hatte es immer nur etwa einen Sägerlehrling alle drei Jahre. Früher lernten nur Junge Säger, deren Väter einen solchen Betrieb besassen.

Mit den Orkanen Vivian und Lothar in den 1990er-Jahren, die viel Fallholz hinterliessen, geriet die Holzbranche in den Fokus der Öffentlichkeit. Es wurde vermehrt über Sägereien und Säger geschrieben und geredet. Als ich Säger lernte und dies jemandem erzählte, wurde ich gefragt: ‹Was ist das?› Man kannte diesen Beruf gar nicht. Es gibt auch nicht mehr viele Ausbildungsplätze.

Wie der Bruder, so die Schwester

Unser Betrieb ist die grösste Sägerei in der Region. Ich habe die Meisterprüfung absolviert. Damit darf ich Lehrlinge ausbilden. Wir haben zwei Lehrlinge, davon eine Lehrtochter, was in diesem Beruf eine Ausnahme ist. Isabelle Gubler hat ihre Probezeit vor der Lehre mit Bravour bestanden. Sie hat eine Beziehung zu diesem Beruf; ihr Bruder ist Säger im dritten Lehrjahr, ihr Vater Forstwart.

Die Sägerlehre dauert drei Jahre. Die Lehrlinge gehen in Lenzburg zur Gewerbeschule, die dort gesamtschweizerisch organisiert ist. Möglich ist zudem eine zweijährige Attestlehre. Ich finde es toll, dass auch schulisch Schwächere unseren Beruf erlernen können. Vorteilhaft ist die Meisterprüfung, wenn man eine Sägerei führt. Ich kenne mich auch in der Buchhaltung, Kalkulation und Betriebswirtschaft aus. Als Säger bin ich täglich mit Mathematik konfrontiert. Ich arbeite viel mit Zahlen und stelle Berechnungen an. Will man Säger lernen, darf Mathematik keinesfalls das schwächste Fach sein.

11 000 Kubikmeter Holz pro Jahr

Als Säger muss man gerne mit Maschinen arbeiten und technisch versiert sein. Immer wieder fallen Reparaturen an, kleinere sollte man selber erledigen können. Die Beziehung zu Holz und Wald ist wichtig, unser Beruf erfordert Holzkenntnisse. Unsere Lehrtochter macht derzeit auch die Jagdprüfung.

Holz kann vielseitig eingesetzt und gebraucht werden. Die Fehler des Holzes müssen wir erkennen, auch das ist Bestandteil der Ausbildung. Dies ist relevant für den Verwendungszweck. Am meisten an meinem Beruf gefällt mir, mit Holz zu arbeiten. Es ist faszinierend zu sehen, wo ein Baum einst gestanden hat und was schliesslich aus dessen Holz geworden ist. Zwei, drei Monate nachdem der Baum gefällt worden ist, ist das Holz verbaut. Hochwertige Produkte und ein breit gefächertes Sortiment sind für uns zentral. Wir produzieren allerlei Bretter, Kantholz und Latten, frisch oder getrocknet, roh oder gehobelt. So ist auch unsere Kundschaft vielfältig bedient, und wir haben kein Klumpenrisiko. Ich möchte nicht eine Sägerei führen, die stets das gleiche Produkt herstellt. Die Hälfte der Produkte, die wir verkaufen, laufen über den Handel. Baugeschäfte, Zimmereien, Schreinereien und die Landwirtschaft sind unsere weiteren Kunden.

Wir können auf 60 Lieferanten zurückgreifen, alles Bürgergemeinden. Ich pflege mit den Revierförstern einen regen Austausch. Jeden Herbst gebe ich ihnen vor, wie viel Holz wir für das kommende Jahr benötigen. Wir verarbeiten primär Nadelholz aus Baselbieter Wäldern: Tannen und Fichten machen 80 Prozent aus, dann Föhren, Lärchen sowie wenig Douglasien und Laubholz.

Die gefällten Bäume sind 60 bis 90 Jahre alt. Derzeit schneiden wir jährlich rund 11 000 Kubikmeter Holz, vor vier, fünf Jahren verarbeiteten wir gar 14 000 Kubikmeter. Grund dieser Differenz sind der laufend fallende Eurokurs und die dadurch um 20 Prozent billiger gewordenen Leimholzprodukte. Diese werden bei Minergiehäusern verwendet und kommen vor allem aus dem Ausland.

Seit 1880 wird in Zeglingen gesägt

Unsere Firma beschäftigt 13 Mitarbeitende, das sind zehn Vollzeitstellen. Im Sägewerk arbeiten elf Personen, davon acht Maschinisten. Bei uns stehen permanent etwa 30 Maschinen im Einsatz. Ein Dienstplan sorgt dafür, dass sich bei der Bandsägeanlage unsere Maschinisten regelmässig ablösen und einer höchstens einen halben Tag diese Maschine bedient, weil die Arbeit sehr anstrengend ist.

Unsere Sägerei existiert seit etwa 1880. Nun ist die vierte Generation Meier am Ruder. Sie wird geführt von mir und meinem Bruder Kurt, der Hochbauzeichner von Beruf ist. Bis Ende der 1950er-Jahre wurde die Sägerei noch mit einem Wasserrad betrieben. Danach erfolgte die Elektrifizierung. 1966 brannte die Sägerei komplett nieder. Sechs Jahre danach erfolgte der Neubau. Seither wurde stets erweitert. Eine grosse Solaranlage auf dem Dach produziert heute 50 Prozent mehr Strom, als unsere Sägerei verbraucht.»

Aufgezeichnet von Simon Tschopp