Wildwechsel
Ohne Solothurner Wildbrücke gibt es keine Baselbieter Hirsche

Die A1 im Raum Oensingen ist das grösste Hindernis für Hirsche. In ein paar Jahren soll es fallen.

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Rückkehrer: Der Rothirsch war vor seiner Ausrottung im Baselbiet heimisch. Womöglich kehrt er bald zurück.

Rückkehrer: Der Rothirsch war vor seiner Ausrottung im Baselbiet heimisch. Womöglich kehrt er bald zurück.

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Am spürbarsten wirkt sich ein Wildtierkorridor im Kanton Solothurn aufs Baselbiet aus, sobald er saniert ist – jener zwischen Kestenholz und Oensingen (siehe Karte). Dort stauen sich im Längwald südlich der Autobahn A1 aus den Voralpen eingewanderte Rothirsche, die das vierspurige, eingezäunte Betonband auf ihrer Ausdehnung in Richtung Norden nicht überqueren können.

Pro Natura schätzt den Hirschbestand im Längwald auf 20 Tiere. Sie würden aus dem Raum Interlaken/Luzern stammen und seien auf dem Fernwechsel, der via Emmental und Oberaargau in den Jura führt, in den jetzigen Raum zwischen Aare und Autobahn gekommen. Offensichtlich fühlen sich die störungsanfälligen Rothirsche im dicht besiedelten Mittelland nicht allzu wohl. Mit GPS-Sendern überwachte Tiere leben laut Pro Natura unsteter als Artgenossen in den Bergregionen. Auch hätten schon Tiere versucht, das Hindernis A1 zu überwinden.

Die Lebensräume in den Solothurner und Baselbieter Jurawäldern würden ihnen zweifellos besser behagen. Im Baselbiet wären gemäss einer Studie die Gebiete Blauen und Bölchen am besten für die Besiedlung durch Rothirsche geeignet. Adrien Zeender vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) beschreibt die Situation im solothurnischen Mittelland so: «Die Hirschpopulation möchte ihr Territorium erweitern und drängt dabei Richtung Norden.»

Nun, der Befreiungsschlag könnte schon bald erfolgen. Andreas Rüegger vom Bundesamt für Strassen (Astra) sagt: «Wir errichten im Zusammenhang mit dem Ausbau der A1 auf sechs Spuren östlich von Oensingen eine 55 Meter breite Wildtierbrücke. Der Baubeginn sollte 2023 erfolgen, falls es keine blockierenden Einsprachen gibt.»

Das heisst, etwa drei Jahre später könnten erste Hirsche aus dem Mittelland ins Baselbiet einwandern. Nicht als Exoten, sondern als Rückkehrer. Denn vor der Ausrottung war der Rothirsch in der ganzen Nordwestschweiz heimisch.

Bereits in den letzten Jahren gab es im Baselbiet vereinzelte Hirsch-Sichtungen, wobei die Herkunft der Tiere nicht klar ist. Möglicherweise sind sie aus Zuchten ausgebrochen oder vom Kanton Jura her zugewandert. Kürzlich sei ein Hirsch mit jurassischen Wurzeln im Laufental vom Zug überfahren worden, sagt Daniel Zopfi von der Baselbieter Jagdverwaltung.

Hirsch ist Bereicherung

Nicht alle warten allerdings mit der gleichen Freude auf die Rückkehr des mit Ausnahme des schon vor Urzeiten ausgestorbenen Wisents grössten heimischen Säugetiers. Während Pro Natura Baselland dem Rothirsch schon vor zehn Jahren das Cover ihres Mitgliederblattes unter dem Titel «Willkommen im Baselbiet» widmete, fürchten sich Förster vor Waldschäden. Zopfi siehts pragmatisch: «Der Hirsch ist eine Bereicherung für unsere Fauna. Aber es ist eine Frage der Menge und man muss die Schäden mittels Bejagung in Grenzen halten.»