Kopf der Woche
Ohne Susanne Brêchet wäre Baselbieter Natur ärmer - jetzt tritt sie zurück.

Die Laufentalerin Susanne Brêchet prägte lange die Natur- und Landschaftsschutzkommission. Sie hat in dieser Zeit grundlegende Veränderungen beobachtet.

Andreas Hirsbrunner
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Martin Toengi

Susanne Brêchet Schönthal (52) ist eine erstklassige Zeugin, wenn es um den Wandel in der Natur, aber auch im Naturverständnis von Politik und Gesellschaft in den letzten zwei Jahrzehnten im Baselbiet geht. Denn einerseits leitet Brêchet so lange die Geschäftsstelle des Basellandschaftlichen Natur- und Vogelschutzverbands, andererseits ist sie fast ebenso lange Mitglied der kantonalen Natur- und Landschaftsschutzkommission (NLK).

Letztere ist ein siebenköpfiges Gremium, das Regierung, Verwaltung und Gemeinden berät, das alle raumwirksamen Bauvorhaben im Kanton auf ihre Rechtmässigkeit prüft und – das gibt der Kommission besonderes Gewicht – einsprache- und beschwerdeberechtigt ist. Im Übrigen verfügt die NLK auch über ein eigenes, mehrere 10 000 Franken schweres Kässeli, mit dem Naturschutzvorhaben von Gemeinden, Vereinen und Privaten unterstützt werden. Die vergangenen zehn Jahre hat die Biologin die NLK auch präsidiert, Ende März ist nun Schluss. «Es ist höchste Eisenbahn für den Rücktritt, denn es beginnen sich bei mir Ermüdungserscheinungen breitzumachen. Die rund 19 Jahre waren aber sehr interessant», sagt Brêchet im Gespräch mit der bz.

Jetzt kommt Wald unter Druck

Brêchet hat in dieser Zeit grundlegende Veränderungen beobachtet. Am Anfang ihrer NLK-Zeit habe mit dem taufrischen kantonalen Natur- und Landschaftsschutzkonzept Aufbruchstimmung geherrscht mit dem auch von bürgerlichen Politikern getragenen Konsens, dass der Schutz der Naturwerte ein wichtiger gesellschaftlicher Grundpfeiler sei. In dieser Zeit seien auch Bestandesaufnahmen wie das ornithologische und das Reptilien-Inventar entstanden und in der Folge Gebiete in Wald und Offenland unter Schutz gestellt worden.

Mit einem kleinen Seufzer leitet Brêchet in die Gegenwart über: «Dieser Geist ist überhaupt nicht mehr vorhanden. Heute werden Schutzgebiete als Hindernis für die Entwicklung empfunden und mit Begriffen wie ‹Käseglocke› und ‹Ballenberg› abgestempelt.» Einhergehend damit nimmt Brêchet einen zunehmenden Druck auf die Landschaft wahr, sei es für Freizeitaktivitäten oder Umnutzungen und Ausbauten von ehemaligen Bauernhöfen. Ein besonderer Dorn im Auge ist ihr, dass Gemeinden zunehmend Landwirtschaftszonen in Spezialzonen für Reittherapie, Gartenbau oder bodenunabhängige Landwirtschaft wie Saumast und Legehennen umfunktionieren. «Und was im Offenland keinen Platz mehr hat, weicht in den Wald aus, weil das billig und bequem ist. So entstehen dort immer mehr Energieanlagen und Deponien.» Dabei sei der Wald als Wasserspeicher, Luftreiniger und klimatisch als CO2-Speicher existenziell für den Menschen.

Nebst dem legalen Bauen ausserhalb der Bauzonen nehme auch das illegale zu, begleitet von einer kaum vorstellbaren Dreistigkeit. Brêchet macht ein Beispiel: Die NLK machte vor einiger Zeit einen Augenschein bei einem umgenutzten Hof. Dabei wollte der Bauherr den Mitgliedern einen illegal gebauten Swimming-Pool als Löschteich verkaufen, obwohl daneben ein Hydrant stand. Doch Brêchet will nicht nur klagen: «Wir haben zum Glück ein gutes Bauinspektorat, das bei Bauten genau hinschaut.» Es stehe und falle in der Verwaltung eben viel mit der Person, die ein Amt leite.

Politik kippt vor Einflussreichen

Aber auch die NLK selbst macht periodisch von ihren Einsprachemöglichkeiten Gebrauch – und habe praktisch immer gesiegt vor Gericht. Brêchet erwähnt etwa so umstrittene Projekte wie den Golfplatz in Zwingen, einen Tennisplatz ausserhalb der Bauzone in Frenkendorf oder Neubauten auf der Wasserfallen.

Derartige Interventionen fallen natürlich auch den Politikern auf und so überrascht es wenig, dass vor wenigen Tagen SVP-Landrat Hansruedi Wirz eine Interpellation mit kritischen Fragen zur NLK im Parlament eingereicht hat. Brêchet aber ist überzeugt: «Es braucht diese unabhängige Fachkommission, die weder Mitgliedern noch politischen Strömungen verpflichtet ist. Das zeigt sich gerade bei Fällen, in denen einflussreiche Personen involviert sind.» Dort kippe die Politik oft. Derzeit sitzen drei Landwirte, eine Biologin, eine Geografin, ein Jurist und ein Vertreter der Verwaltung in der NLK. Dass die eingefleischte Laufentalerin – Brêchet ist Burgerin von Liesberg, ist hier aufgewachsen und lebt mit ihrem Mann immer noch hier – sich so für die Baselbieter Natur einsetzt, ist ein Zufall. Eigentlich wollte sie Umweltbeauftragte für das Laufental werden und liess sich deshalb nach ihrem Biologiestudium zur Natur- und Umweltfachfrau weiterbilden.

Doch die Idee von einer solchen Stelle habe sich wieder verflüchtigt, deshalb landete Brêchet beim Basellandschaftlichen Natur- und Vogelschutzverband und als dessen Vertreterin dann in der NLK. Mit dieser Weichenstellung vor zwei Jahrzehnten ist Brêchet mehr als zufrieden: «Das war für mich der absolute Glücksfall.»