Sparvorgaben
Optimierung von Baselbieter Sek-Klassen soll Lehrer-Stellen kosten

Die Baselbieter Bildungsdirektion will die Anzahl Schülerinnen und Schüler in Sekundarschulklassen nicht erhöhen. Kantonale Sparvorgaben will sie über eine konsequente standortübergreifende Bildung erster Klassen umsetzen - was längere Schulwege bringen kann. Lehrer-Stellen sollen abgebaut werden.

Daniel Haller
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Auf der Sekundarstufe I führt die vorgeschlagene Klassenoptimierung zu einem Abbau von rund 36 Vollzeitstellen. (Symbolbild)

Auf der Sekundarstufe I führt die vorgeschlagene Klassenoptimierung zu einem Abbau von rund 36 Vollzeitstellen. (Symbolbild)

KEYSTONE/PETER SCHNEIDER

Die Baselbieter Bildungsdirektion will im Rahmen der Finanzstrategie 2016–2019 sparen. Dafür will sie die Zahl der Sekundarschulklassen senken. Bisher wurde kontrovers diskutiert, zu diesem Zweck die Obergrenze für die Klassengrösse von 24 auf 26 Schüler heraufzusetzen. Neu will die Bildungsdirektorin Monica Gschwind auf diesen Schritt verzichten.

Um das Sparziel trotzdem zu erreichen, plant sie stattdessen, dass künftig die Anzahl kantonaler Sekundarklassen aufgrund der Budgetvorgaben des Landrats durch die Bildungsdirektion festgelegt wird. Ausser im Niveau A soll künftig die Klassen-Obergrösse 24 Schüler betragen. Dabei sollen die Klassen möglichst aufgefüllt werden. Das heisst, dass man Schülerinnen und Schüler auch an weiter entfernte Standorte schicken würde. Im Einzelfall könnten dafür Schulhäuser ausserhalb des Schulkreises infrage kommen.

Sollte es nötig sein, die Höchstzahl von 24 Schülern zu überschreiten, oder wenn die Unterrichtsbedingungen erschwert sind, sollen aus sogenannten «SOS-Ressourcen» zeitlich befristet zusätzliche Lektionen genehmigt werden. Gemäss der Gesetzesänderung, welche die Regierung am Mittwoch in die Vernehmlassung schickte, könnte der Kanton mit diesen Massnahmen bis 2020 19,4 Millionen Franken sparen, indem auf Sekundarstufe I 36 Vollstellen und auf Sekundarstufe II sechs Vollstellen wegfallen. Für den Abbau der 36 Vollstellen würden auch Kündigungen nötig.

Qualitätsabbau befürchtet

«Das geht in die richtige Richtung», erklärt Paul Hofer (FDP) mit dem Hinweis, dass er die Vorlage noch nicht eingehend studieren konnte. «Auch wird die Qualität des Unterrichts nicht gesenkt.» Mit dieser Ersteinschätzung steht er unter den befragten Mitgliedern der landrätlichen Bildungs-, Kultur- und Sportkommission allein da: «Das kann nicht gut gehen», fasst Caroline Mall (SVP) ihren ersten Eindruck zusammen. «Wir von der SP werden dafür kaum Hand bieten», erklärt Miriam Locher. «Das bedeutet langfristig Qualitätsabbau», erklärt Florence Brenzikofer (Grüne).

Erleichtert zeigt sich Mall, dass die Klassengrösse im Niveau A der Sekundarstufe I nicht heraufgesetzt wird. «Aber auch im Niveau E benötigen die Schüler zunehmend Zusatzlektionen.» Dies werde – falls dafür die Mittel plafoniert würden – der «zentrale Knackpunkt». Die Massnahmen seien also «nicht umsetzbar ohne Kollateralschäden für die Kinder, die Lehrpersonen und die Erziehungsberechtigten.»

Auch Brenzikofer sieht Probleme beim Niveau E: «Erfahrungsgemäss bekommen diese Klassen am meisten Zuwachs, da entweder Schüler von Niveau A aufsteigen oder aus dem Niveau P ins E wechseln.» Seien aber die Klassen von Beginn weg «bis an den Rand voll», dann werde der Wechsel zwischen den Niveaus oder das Repetieren schwieriger und könne zusätzlich mit einem Wechsel in eine andere Schule verbunden sein.

Zudem stehe in der 9. Klasse die Berufswahl im Vordergrund, was gerade bei schwächeren Schülern für die Lehrkräfte einen hohen Aufwand bedeute: «Grosse Klassen sind nicht optimal, um – bis anhin hatten wir im Baselbiet Erfolg – gute Anschlusslösungen zu finden.» Weiter würden die Entlassungen junge Lehrkräfte treffen, die dem Kanton dann bei der nächsten Pensionierungswelle fehlen. «Der Abbau von 36 Vollzeitstellen wird deutlich mehr Personen treffen, da viele Teilzeit arbeiten.»

«Für mich ist der Verzicht auf grössere Klassen keineswegs mit der Verschiebungen von Schülern und Schülerinnen gekoppelt», meint Locher. Verhandlungsspielraum sieht sie keinen. «An der Bildung lässt sich grundsätzlich nicht weiter kürzen, da ist das Potenzial aus unserer Sicht ausgeschöpft.»