Pratteln
Pannenfirma Cabb will weiter in Sicherheit am Standort Pratteln investieren

Die deutsche Spezialitätenchemiegruppe Cabb AG will am Standort Pratteln im laufenden Jahr rund 40 Millionen Franken investieren. Über die Hälfte davon soll in die Umsetzung eines Sicherheitsprogramms fliessen.

Michel Ecklin
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Cabb AG Pratteln
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Das Pratteler Cabb-Werk hatte schon mehrfach mit Zwischenfällen für Negativschlagzeilen gesorgt.
Zuletzt war im vergangenen August zweimal am gleichen Tag aus derselben Leitung Schwefelsäure ausgelaufen. Eine Person wurde verletzt. Bei der Baselbieter Staatsanwaltschaft sind derzeit fünf Verfahren zu CABB hängig.
Schon früher kam es zu Zwischenfällen. 2010 hatte die Chemiewehr einen Grosseinsatz bei der Cabb.
Die schleichenden Emissionen von Quecksilber dominieren die Diskussion um die CABB AG in Pratteln. Das Bild stammt vom Unfall vom September 2010.
Damals wurden 3000 Liter Chloracetylchlorid freigesetzt – der Säurenebel ist gut erkennbar.

Cabb AG Pratteln

niz Nicole Nars-Zimmer

Seit eineinhalb Jahren ist es ruhig rund um CABB. Letztes Jahr ereignete sich kein einziger Störfall in der Chemiefabrik in Schweizerhalle. 2016 war das noch ganz anders gewesen. Innerhalb weniger Monate kam es zu einer Serie von Unfällen, bei denen Chlor austrat und sogar Mitarbeiter verletzt wurden. CEO Peter Vanacker musste sich entschuldigen. Politiker und Bevölkerung forderten Massnahmen.

Glaubt man der inzwischen teilweise ausgewechselten Unternehmensleitung, hat CABB jetzt alles im Griff. 38 Millionen Franken habe CABB letztes Jahr am Standort Pratteln investiert, sagte Bereichsleiter Thomas Eizenhöfer gestern vor den Medien. Die Hälfte davon sei in die Sicherheit geflossen. Er machte klar: CABB wächst in Pratteln, und parallel dazu wächst die Sicherheit. Das gehe Hand in Hand. Denn die Kunden – etwa Syngenta und Monsanto – würden das ausdrücklich fordern.

2018 geht es ähnlich weiter wie 2017. CABB investiert in Pratteln 40 Millionen Franken. Damit setzt die bei Frankfurt beheimatete Unternehmensleitung ein «Second Barrier»-Konzept um. Mit diesem soll bei Stoffaustritten aus einer ersten Hülle – beispielsweise aus einem Kessel oder einer Leitung – immer noch eine zweite Sicherheitsbarriere vorhanden sein, etwa eine dichte Gebäudehülle. Bereits umgesetzt ist dies in der 2016 erneuerten Elektrolyse-Anlage. Sie macht zudem die gefährlichen Chlortransporte per Bahn überflüssig.

Eingeführt wird zudem ein Meldesystem, das die Feuerwehr «lieber ein Mal zu viel als zu wenig ruft», so CEO Vanacker. Zudem habe 2017 jeder der 350 Mitarbeiter zwei Tage mit Sicherheitstraining verbracht. «Die Sicherheitskultur geht so weit, dass wir den Mitarbeitern sagen, sie sollen sich beim Treppengehen am Geländer festhalten», erklärt Vanacker.

Staatsanwaltschaft ermittelte

Bereichsleiter Eizenhöfers Fazit lautete: «Der Standort Pratteln ist punkto Sicherheit ‹State of the Art›.» Das «Second Barrier»-Konzept komme sehr gut bei den Behörden an. Mit diesen führe man «offene, konstruktive Diskussionen». Das war 2016 anders. Damals hatte das Sicherheitsinspektorat Massnahmen gefordert. Nach einem Störfall ermittelte sogar die Staatsanwaltschaft.

Der Prattler Gemeindepräsident Stephan Burgunder hält den Gesinnungswandel bei CABB für glaubwürdig: «Es bestand Handlungsbedarf, und den hat die Führung erkannt.» Zum Beispiel werde die Gemeinde über Veränderungen informiert. «Das war vorher nicht so.» Das Baselbieter Sicherheitsinspektorat war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.