Ein Blick
Paradies für Vierbeiner: Hier gehen Katzen in die Ferien

Ein Blick ins Katzehuus in Pratteln.

Delphine Conzelmann
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Einer der raren Momente der Ruhe im Katzehuus.

Einer der raren Momente der Ruhe im Katzehuus.

Sommerzeit ist die Zeit der Daheimgebliebenen. Wenn ein Haustier nicht mit in den geplanten Urlaub reisen kann, bleibt oft nicht die Familie, sondern das Tier zu Hause. Ob im Tierheim abgegebene ausgesetzte Katzen, oder solche, die nur für ein paar Wochen auf die Heimkehr ihrer Besitzer warten müssen: Im «Katzehuus» in Pratteln finden sie alle ihr eigenes Ferienparadies.

Die Leiterin des Tierheims, Anja Pignataro, lernte den Betrieb bereits 1972 im frühen Kindesalter kennen, als ihre Mutter das Heim übernahm. Heute arbeiten mehrere Tierpfleger in der Katzenbleibe, die sich hauptsächlich über Legate, Spenden und Mitgliederbeiträge finanziert. Geld machen lässt sich damit nicht. Pignataro und ihren Mitarbeitern geht es aber auch in erster Linie um die Liebe zu den Vierbeinern.

Hier wird jede Katze mit Namen gekannt und gerufen. Eine ganze Landschaft aus Kratzbäumen, Klettergerüsten und Körben erstreckt sich über mehrere Räume. Sogar ein Aussengehege bietet im Sommer etliche Spielmöglichkeiten. Trotz der wohnlichen Stimmung fällt es manchen Katzen schwer, sich an die neue Umgebung zu gewöhnen: «Die Unruhestifter kommen alle zusammen in ein Gehege. Dort sind sie dann ganz zahm», sagt Pignataro lachend.

Aufwendige Putzarbeiten

Sie muss es wissen, denn selbst wenn im Katzenhaus der Zwist mitten in der Nacht ausbricht, schaut sie noch nach dem Rechten. In der Ruhe-Oase für Katzen ist Stille das oberste Gebot: «Wenn ich die Tiere schreien höre, weiss ich, dass etwas schief läuft. Dann müssen wir eingreifen», meint die Katzenexpertin. Manche Viruserkrankungen können durch Stress erst ausbrechen. Dass der Zug nur wenige Meter am Gehege vorbeidonnert, stört die entspannte Atmosphäre nicht, meint Pignataro, die den Lärm nach Jahrzehnten im Katzenhaus gar nicht mehr hört. Genauso wenig ihre seelenruhigen Schützlinge, die sich noch nicht einmal von den beiden verspielten Hunden aus der Ruhe bringen lassen, die vor dem Katzengitter auf- und abspringen.

Doch so idyllisch die Stimmung im Katzehuus auch ist, dahinter steckt viel Knochenarbeit. Die Tiere erfordern täglich nicht nur die Versorgung mit Futter und Medikamenten, sowie persönliche Betreuung. Besonders die Putzarbeiten auf dem grossen Gelände sind aufwendig: «Wenn wir voll belegt sind, beherbergen wir um die 110 Katzen. Mit der Reinigung der Katzen-WCs und Futternäpfe fällt mehrstündige Arbeit an», erklärt Pignataro.

Trotz ihrer vielen Aufgaben gehen die Mitarbeiter im Katzehuus auf jedes Tier persönlich ein, denn je nach Charakter und Herkunft unterscheiden sich auch die Bedürfnisse der Katzen. So gibt es im Heim beispielsweise einen Mehrgenerationenbereich: Die entspannten Senioren seien die einzigen, die die Kleinen nicht piesacken. Auch auf Katzen mit traumatischen Lebensgeschichten oder physischen Beschwerden muss besonders Rücksicht genommen werden. Doch obwohl sich im Heim auch schwächelnde Exemplare einfinden, haben Pignataro und ihr Team keine Mühe, die Tiere weiterzuvermitteln. Sogar für sehr alte Katzen oder solchen mit Diabetes werde in den meisten Fällen in Kürze ein neues Zuhause gefunden. Die Katzen, die nur über die Ferien im Heim verweilen, sind meistens Stammgäste. Natürlich gäbe es darunter auch besondere Lieblinge, räumt Pignataro ein. Dass sie ihr Leben den Vierbeinern gewidmet hat, zeigt aber, dass jede Katze im Herz der passionierten Tierpflegerin und in ihrem Heim ein Plätzchen findet.