Binningen
Parteien geben sich zahm und konsensorientiert

Die politische Stimmung in Binningen ist nach dem Schlossdebakel gereizt. Eine Umfrage der bz zeigt jedoch, dass sich die Parteien auffällig zurückhaltend äussern. Niemand will offiziell mit der Schlossgeschichte Wählerstimmen generieren.

Joël Hoffmann
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Das Schloss 2007 vor dem Umbau, der bis heute zu Streit führt. niz

Das Schloss 2007 vor dem Umbau, der bis heute zu Streit führt. niz

Stattdessen sprechen alle von Konsens, Zusammenarbeit und Vertrauen.

Guido Keel-Bänziger, Sektionspräsident Grüne, bringt stellvertretend für alle die neue Harmonie auf den Punkt: «Wir stehen für eine zukunftsgerichtete Konsenspolitik, die nach einer Legislatur der negativen Schlagzeilen stark anzustreben ist.»

CVP für Grüne im Gemeinderat

Keel vermutet, dass die Gemeinderatskandidatin Mirjam Schmidli für die Grünen in die Exekutive einziehen könnte. Die zwei Bisherigen, Heidi Ernst (SP) und Mike Keller (FDP), seien wohl nicht gefährdet.

CVP-Co-Präsidentin Katrin Bartels könnte sich neben der CVP-Kandidatin Silvia Bräutigam Hiltbrunner durchaus einen kleinen Linksrutsch in der Exekutive vorstellen – also wie beim Kanton mit den Grünen, aber ohne SVP. Bartels will die SVP mit ihren beiden Kandidaten Christian Schaub und Urs-Peter Moos auf keinen Fall im Gemeinderat. Insbesondere die polarisierenden Äusserungen von Moos in der bz stossen Bartels sauer auf: «Ich hoffe, dass die Bürger Leute wählen, die konsensfähig sind.»

«Keine Polemik und Effekthascherei»

Die SP setzt mit der bisherigen Heidi Ernst und den Kandidaten Barbara Jost Zürcher und Philippe Meerwein auf den Status quo mit drei Sitzen im Gemeinderat. In Anspielung auf den Stil der SVP betont SP-CoSektionspräsident Stephan Zürcher: «Wir unterstützen keine Polemik und Effekthascherei.» Zürcher ist zuversichtlich, dass die SP im Einwohnerrat wegen der Schlossgeschichte nicht federn lassen muss. Doch genau das befürchten die Grünen: «Die Frage ist, ob der SP-Gemeindepräsident Charles Simon für die Pannen der letzten Jahre verantwortlich gemacht wird.»

Die SVP hingegen werde von der Schlossgeschichte profitieren. SVP-Sektionspräsident Roy Ewald äussert sich zahmer als sein Parteikollege Moos. Die Schlossgeschichte habe der SVP sicher mehr Beachtung eingebracht. «Es war aber auch ein undankbarer Job», meint Ewald in Bezug auf Moos’ Interpellationen. Ewald glaubt, dass die SVP reif sei für einen Sitz im Gemeinderat: «Im Einwohnerrat ist es uns regelmässig gelungen, für unsere Anliegen parteiübergreifend Mehrheiten zu gewinnen.»

FDP bedauert Vertrauensverlust

Bei der FDP, der grössten Partei im Einwohnerrat, bedauert Vizesektionspräsident Sven Inäbnit die Folgen des Schlossdebakels: «Die Leute sind unzufrieden mit der Aufarbeitung, und das Vertrauen in die Politik schwindet.» Obwohl die FDP nebst Daniel Nyffenegger mit dem bisherigen Mike Keller antritt, glaubt Inäbnit an eine spannende, offene Gemeinderatswahl.