Liestal
Parteien stehen hinter dem neuen Bahnhof inklusive Hochhaus – das letzte Wort hat aber das Volk

Liestals politische Parteien stehen praktisch geschlossen hinter dem neuen Bahnhof samt umstrittenem Hochhaus. Trotzdem wird es mit grösster Sicherheit zu einer Volksabstimmung kommen.

Andreas Hirsbrunner
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Zukunftsperspektive beim Liestaler Bahnhof: Der Emma-Herwegh-Platz inmitten von neuem Bürogebäude, Hochhaus und Kantonsbibliothek (von links).

Zukunftsperspektive beim Liestaler Bahnhof: Der Emma-Herwegh-Platz inmitten von neuem Bürogebäude, Hochhaus und Kantonsbibliothek (von links).

zvg

Kaum ein Bauvorhaben hat Liestal in den letzten Jahren im Vorfeld so intensiv beschäftigt wie der neue Bahnhof. Das geht nun auch aus dem mit Spannung erwarteten Bericht der vorberatenden Bau- und Planungskommission (BPK) des Liestaler Ortsparlaments hervor. Denn der Bericht ist das erste politische Stimmungsbarometer. Und wie um sicher zu gehen, dass dieses auch geeicht ist, schreibt BPK-Präsident Thomas Eugster (FDP) in der Einleitung den Satz, den wir bei den Dutzenden von Quartierplänen, die in den vergangenen Jahren den Einwohnerrat passierten, noch nie gelesen haben: «Es wurde Wert darauf gelegt, dass sich die BPK-Mitglieder vor der Beschlussfassung auch den Rückhalt ihrer Fraktionen einholen.»

Im Weitern fällt auf, dass sich die BPK mit fünf Sitzungen sehr viel Zeit für den Quartierplan (QP) Bahnhofcorso, wie das Geschäft offiziell heisst, genommen hat; eine dieser Sitzungen – und auch das ist aussergewöhnlich – widmete sie ganz den Argumenten der Opponenten. Fazit des Berichts: Das politische Liestal steht praktisch geschlossen hinter dem neuen Bahnhof inklusive Hochhaus. So verabschiedete die BPK ihren Bericht mit sechs Ja-Stimmen und einer Enthaltung. Wer sich nicht zu einem Ja durchringen konnte, sagt Eugster mit Verweis aufs Kommissionsgeheimnis nicht, er betont aber: «Alle Fraktionen stehen hinter dem Projekt.»

Annäherung bei den Parkplätzen

Wobei die BPK nicht nur durchwinkt, was ihr der Stadtrat vorgelegt hat, sondern drei Zusatz-Anträge ans Parlament stellt, den bemerkenswertesten zum Bereich Energie. Hier verlangt sie, dass die SBB ihre drei Bauten – das vierstöckige eigentliche Bahnhofsgebäude, den angegliederte siebenstöckigen Bürobau und das 15-geschossige Hochhaus – nach dem anspruchsvollen, «zum Zeitpunkt der Baueingabe geltenden Grenzwert des Minergie-P-Standards» erstellen. Sie begründet das damit, dass das vom Stadtrat als Leuchtturmprojekt bezeichnete Vorhaben dies auch im Energiebereich sein soll.

Zudem verlangt sie in Umkehrung der Vorlage, dass der Einsatz von erneuerbaren Energien Priorität vor einem Anschluss ans Fernwärmenetz haben soll. Bei der Parkplatzfrage kommt die BPK der Opposition, die bei der Anhörung mit Raoul Rosenmund, Jürg Holinger und Kurt Bitterli vertreten war, einen Schritt entgegen und fordert eine Ergänzung der Quartierplanvorschriften. So sollen nebst den 70 öffentlichen Park-and-ride-Plätzen unter dem Hochhaus 45 weitere auf dem Güterareal verbindlich gesichert werden.

Trotzdem resultiert bei den Parkplätzen ein Minus gegenüber heute: Insgesamt müssen dem Bahnhofneubau und dem Vier-Spur-Ausbau der SBB 300 Plätze weichen, neu sollen 195 geschaffen werden (die vorerwähnten 115 plus 80 im geplanten Parkhaus Oristal auf der Südseite des Bahnhofs). Genau umgekehrt wirds bei den Veloabstellplätzen: Hier sind neu 950 anstelle der heutigen 630 geplant, was die BPK explizit begrüsst.

Mit ihrem dritten Antrag rennt die Kommission bei den SBB offene Türen ein: Sie verlangt, dass die Bauherrin vor Einreichung des Baugesuchs für das Hochhaus einen Architekturwettbewerb durchführt, wie sie es für die beiden andern Gebäude ja bereits gemacht hat.

Auf taube Ohren stiess die Opposition bei der BPK mit ihrem Hauptanliegen, fürs – umstrittene – Hochhaus einen separaten QP zu erstellen. Was nicht verwundert, haben die SBB doch bereits im März gegenüber der bz klar gemacht, dass sie die drei Bahnhofsbauten nur unter der Formel «Alles oder nichts» realisierten. Der Einwohnerrat wird nun Mitte Mai den QP Bahnhofcorso in erster Lesung beraten und dann am 21. Juni mit 99-prozentiger Sicherheit genehmigen. Doch das ist mit fast ebenso grosser Sicherheit nicht der politische Schlusspunkt.

Denn was der Liestaler Architekt Raoul Rosenmund im Januar in der bz antönte, hat sich mittlerweile verfestigt. Rosenmund: «Wir, das heisst die Gruppe für ein starkes Liestal, werden das Referendum ergreifen, falls es nicht zu einer obligatorischen Abstimmung kommt.» Letzteres wäre der Fall, wenn der Rat mit weniger als einem Vier-Fünftel-Mehr Ja sagt.