Schlösser Bottmingen und Wildenstein
Parteipräsidenten heissen Einmischung der Ehemaligen in den Schlossstreit gut

Ehemalige Mitglieder der Baselbieter Regierungsräte outeten sich kürzlich als Sympathisanten des Aktionskomitees «Ja zu Wildenstein und Schloss Bottmingen». Die aktuellen Parteipräsidenten begrüssen diese Einmischung in den Wildenstein-Streit.

Bojan Stula
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Als sei in diesem Jahr die Baselbieter Regierung nicht schon genügend im Regen gestanden, kam zuletzt ein weiterer kräftiger Wolkenbruch hinzu. Gleich drei ehemalige Regierungsmitglieder outeten sich als Sympathisanten des Aktionskomitees «Ja zu Wildenstein und Schloss Bottmingen».

Elsbeth Schneider, Edi Belser und Erich Straumann unterstützten an einem Medienanlass das Vorgehen der Gegner des regierungsrätlichen Vorhabens, Schloss und Hofgut Wildenstein unter verschiedene Obhut zu stellen. Weitere alt Magistraten wie Peter Schmid, Paul Jenny oder Paul Nyffeler seien ebenso gegen die von der Regierung befürwortete Sparmassnahme. Sechs ehemalige Regierungsräte, die teils offen gegen die fünf amtierenden in einer aktuellen Sachfrage sind – ein in der jüngeren Kantonsgeschichte noch nie da gewesenes Ereignis.

Frustriert vom Sparkurs

Auch nach der Landratsentscheidung von vergangener Woche, in welcher der regierungsrätliche Gegenvorschlag zur Schlossinitiative das Parlament problemlos passierte, war der «Aufstand der Alten» ein kontrovers diskutiertes Thema. Eigentlich müssten die amtierenden Kantonspolitiker diesen Affront verurteilen, könnte man meinen – oder zumindest geteilter Meinung sein.

Weit gefehlt! In einer Umfrage unter den Baselbieter Parteipräsidenten, die die bz noch vor dem Rücktritt von Adrian Ballmer durchgeführt hat, sprechen sich alle Befragten überwiegend positiv über das Engagement der alt Magistraten aus. Es sei das Recht jedes Bürgers, sich in politische Sachgeschäfte einzumischen, lautet der Tenor, das gelte auch für ehemalige Regierungsräte.

Ohnehin seien all jene naiv, die glaubten, dass sich diese nach Ablauf ihrer Amtszeit nicht mehr in die Politik einmischen würden, bilanziert SP-Parteipräsident Martin Rüegg. Dass sie es jetzt öffentlich getan hätten, beweise nur das Ausmass der Frustration mit dem Sparkurs der aktuellen Regierung. «Nicht die ehemaligen, sondern die jetzigen Magistraten sind also das Problem!», schlussfolgert Rüegg.

Auftritt der Schlossgespenster

Dass die amtierenden Regierungsräte am Engagement ihrer Vorgängerinnen und Vorgänger in Bottmingen keine Freude hatten, ist ebenso klar wie nachvollziehbar. In den Büros gewisser untergebener Direktionsmitarbeiter ist despektierlich vom «Auftritt der Schlossgespenster» die Rede. Offiziell zitierbare Aussagen sind selbstredend keine erhältlich – erst recht nicht in dieser Schärfe. Doch hat es sich herumgesprochen, dass gerade der frühere SP-Ständerat Edi Belser, der in Bottmingen den «Verkauf von Kulturgütern» anprangerte, sich unter den Amtierenden keine neuen Freunde gemacht hat. Das sei eine glatte Falschaussage und aus dem Mund eines alt Magistraten umso ärgerlicher, heisst es etwa in der Bau- und Umweltschutzdirektion.

Nicht viel beliebter ist auch die frühere Baudirektorin Elsbeth Schneider, seit sie in Bottmingen proklamiert hat, dass es unter ihr niemals einen solchen Verkauf gegeben hätte – als hätte sie sich damals mit solch roten Zahlen herumschlagen müssen, ätzt ein Kadermitarbeiter in der Volkswirtschaftsdirektion.