Wahlen
Paukenschlag bei Melioration: Wagner tritt zurück

Hanspeter Wagner tritt als Präsident der Meliorationsgenossenschaft zurück. Seit 2007 hat Wagner millionenschwere Bauprojekte begleitet, eckte aber in der Vollzugskommission vermehrt an. Deshalb legt Wagner sein Mandat nieder.

Roland Bürki
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Die Meliorationen in Wahlen sorgen für Zündstoff. Archiv/niz

Die Meliorationen in Wahlen sorgen für Zündstoff. Archiv/niz

Der frühere kantonale Strassenverwalter im Birseck und Laufental, Hanspeter Wagner, blickt auf eine reiche Erfahrung im Management von grossen Projekten zurück. Millionenschwere Bauprojekte hat der immer mit Herzblut agierende und erfahrene Baufachmann in seiner Amtszeit Jahr für Jahr begleitet. Wohl deshalb hat ihn der Gemeinderat von Wahlen im Herbst 2007 für die Leitung der Meliorationsgenossenschaft Wahlen gewinnen wollen.

Wagner fühlte sich vom anspruchsvollen Projekt für eine Neuaufteilung des landwirtschaftlichen Grundeigentums, ein neues Wegnetz sowie die ökologische Aufwertung der Kulturlandschaft angesprochen. Wagner sagte zu, nicht zuletzt, weil er als Muttenzer Einwohner in keiner Weise in die Melioration eingebunden und somit völlig unabhängig war.

Dafür konnte der pensionierte Strassenverwalter genügend freie Zeit aufbringen für ein intensives und jahrelanges Projekt. «Ich versprach damals bei meiner Wahl Ende 2007, im Interesse aller Beteiligten zu arbeiten und offen, korrekt und ehrlich zu handeln», sagt Wagner heute.

Erwartungen erfüllten sich nicht

Der neu gewählte Präsident der Meliorationsgenossenschaft und damit auch der Vollzugskommission, der eigentlichen Geschäftsleitung, hatte klare Vorstellungen über die anstehenden Projektabläufe, wie aus seinem Ende November an alle Genossenschafter gerichteten Rücktrittsschreiben hervorgeht. So erwartete er vom verpflichteten Ingenieurteam «Fachkompetenz, Durchsetzungsvermögen sowie Vertrags- und Termintreue», während er in der Vollzugskommission eine «objektive und zielgerichtete Beurteilung» der anstehenden Probleme forderte.

Doch Wagner eckte mit seiner Art, die Dinge materiell und finanziell zu hinterfragen sowie die Kommissionsmitglieder zu fordern, bald einmal an. So zum Beispiel, als er 2009 auf Mängel bei den Ingenieurarbeiten aufmerksam machte und den leitenden Ingenieur infrage stellte. «Im Herbst 2010 verspürte ich innerhalb der Vollzugskommission eine zunehmende Isolierung», sagt Wagner und äussert sein Bedauern.

Die Mitglieder hätten den Versprechen der Ingenieure zu Terminen, Verträgen und nicht verifizierten finanziellen Nachforderungen mehr geglaubt als seinen Fakten. «Ohne Rückhalt in der Vollzugskommission kann ich aber die Interessen der Landeigentümer und der Gemeinde nicht weiter vertreten», begründet Wagner den schon per Ende November eingereichten sofortigen Rücktritt. «Die Projektarbeit selbst hat mich aber echt fasziniert», betont der Zurückgetretene mit Nachdruck.

Die Chemie stimmte nicht mehr

In ihrer Erklärung vom 30.November anerkennt die in den Brennpunkt gerückte Vollzugskommission die organisatorischen und technischen Leistungen von Hanspeter Wagner. Sein in den letzten Monaten zunehmender Mangel an Dialog- und Teamfähigkeit, sein fehlendes Vertrauen in Fachleute von Bund und Kanton sowie sein immer schärferer Umgangston hätten die Zusammenarbeit mit den wichtigsten Partnern aber erschwert oder fast unmöglich gemacht. «Wir haben mehrmals versucht, die Situation zu beruhigen», versichert Willy Asprion, Gemeinderat und Mitglied der Vollzugskommission. Leider ohne Erfolg, die Chemie habe einfach nicht mehr gestimmt.

Die Kommission habe deshalb Herrn Wagner gebeten, sein Mandat als Präsident der Meliorationsgenossenschaft und der Vollzugskommission niederzulegen. «Jetzt müssen wir vordringlich neue interne Abläufe regeln und die Genossenschafter über das weitere Vorgehen bis zur Wahl eines neuen Präsidenten informieren», sagt Asprion. Der Terminplan der Melioration sei durch den Rücktritt aber in keiner Weise gefährdet.