Baselbieter FDP
Paul Hofers Abgang – nicht ganz so freiwillig wie von ihm dargestellt

Vor mir war die FDP am Einschlafen»: Die Aussagen des zurückgetretenen Parteipräsidenten Paul Hofer in der bz sorgen im eigenen Lager reihum für Stirnrunzeln.

Hans-Martin Jermann
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Paul Hofer FDP BL

Paul Hofer FDP BL

Nicole Nars-Zimmer (niz)

In der Baselbieter FDP hat vor Weihnachten der überraschende Rücktritt von Präsident Paul Hofer nach bloss 16 Monaten Amtszeit für Unruhe gesorgt. In der bz hat sich Hofer erstmals im Detail zu den Gründen geäussert – und munter Öl ins lodernde Feuer gegossen: «Vor mir war die Partei am Einschlafen, ich musste alles neu aufbauen.»

Das ist unverhohlene Kritik an Vorgängerin Christine Frey, von der Hofer im August 2017 das Parteipräsidium übernommen hatte. Auch das Urteil zu Nachfolgerin Saskia Schenker liest sich zwischen den Zeilen nicht gerade wie überschwängliches Lob: Nachdem er die FDP wieder auf Vordermann gebracht habe, brauche es nun eher wieder Konsolidierung. Dafür sei Schenker die richtige Person.

«Hat sich keinen Gefallen getan»

Die markigen Worte des Oberwilers sorgen jedenfalls bei Mitgliedern der Parteileitung für Irritationen. «Die FDP war in den letzten Wochen in einer schwierigen Situation. Ich hätte von Paul Hofer mehr Zurückhaltung erwartet», sagt Schenker, die Parteipräsidentin ad interim. Die Aussagen seien auch inhaltlich nicht gerechtfertigt gewesen. «Er hat sich damit sicher keinen Gefallen getan», fügt sie an.

Noch deutlicher wird Rolf Richterich, FDP-Fraktionschef im Landrat: «Die Behauptung, wir hätten vor seinem Amtsantritt geschlafen, ist barer Unsinn.» Die Baselbieter FDP sei 2011 an einem Tiefpunkt angelangt, seither aber erfolgreich unterwegs. 2015 habe man sowohl bei den kantonalen als auch nationalen Wahlen zugelegt, analysiert Richterich.

Der Binninger Landrat Marc Schinzel wurde von Hofer 2017 in die Parteileitung berufen. Auch er kritisiert die Aussage: «Hofers Vorgängerin Christine Frey war 2015 die erfolgreiche Architektin der Koalition mit SVP und CVP. Von Schlafen kann keine Rede sein.»

«Paul Hofer ist Paul Hofer»

Doch wie kommt Hofer, der noch immer im Landrat politisiert, zu dieser Einschätzung und weshalb tritt er nach dem Rücktritt nach? Einen Teil der Antwort lieferte Hofer im Interview mit offenherzigen Aussagen. Der 71-jährige CEO eines Biotech-Start-up sieht sich als unkonventionellen Macher, der auch mal einsame Entscheide fällt. «Ist Paul Hofer ein normaler Politiker?», fragt er und antwortet: «Tatsächlich nicht.» Schinzel sagt: «Paul Hofer ist Paul Hofer. Er hat seine eigene Art, sich auszudrücken.» Wohlwollend könne man seine Aussagen auch so interpretieren, dass er die Partei auf eine breitere Basis stellen wolle. «Und das hat er unzweifelhaft getan.»

Richterich hingegen findet: «Hofer wollte die FDP im Stil eines Managers führen. Er verkannte, dass dies gar nicht so gefragt ist.» Als Präsident habe man kaum mehr Macht als andere Parteileitungsmitglieder. Christine Frey, welche die FDP fünf Jahre geführt hat, gibt sich kurz angebunden. «Als ehemalige Parteipräsidentin äussere ich mich nicht über meinen Nachfolger.»