Gefunden
Peinlich: Mann auf Pixel-Bild wird gar nicht mehr gesucht

Mit einem verpixelten Bild fahndete die Baselbieter Staatsanwaltschaft nach einem Mann, der an einem Überfall beteiligt gewesen sein soll. Als der Verdächtigte sich meldet, stellen die Behörden fest: Gegen den Mann wird bereits ermittelt.

Benjamin Wieland
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Der Kampf zwischen Paulo Balicha (links) und Shemsi Beqiri im Februar hatte nichts mit Sport zu tun.

Der Kampf zwischen Paulo Balicha (links) und Shemsi Beqiri im Februar hatte nichts mit Sport zu tun.

Report Telebasel

Diese Fahndung dauerte nicht lange. Schon am andern Tag meldete sich ein Gesuchter, von dem die Baselbieter Staatsanwaltschaft am Dienstag ein verpixeltes Foto veröffentlicht hatte. Und dann mussten die Strafverfolgungsbehörden fest stellen: Der Mann ist gar kein Unbekannter – sie hatten den mutmasslichen Schläger schon zweimal verhört. Die Fahndung wurde wieder eingestellt, das Foto vom Netz genommen, der Verdächtige befindet sich auf freiem Fuss.

Es sei «mit dem zur Verfügung stehenden Bildmaterial» nicht gelungen, die auf dem Foto abgebildete Person «als die bereits in das Strafverfahren involvierte Person zu identifizieren», heisst es in der Medienmitteilung der Staatsanwaltschaft vom Freitag. Und: «Die beschuldigte Person wurde in einer frühen Phase des Verfahrens zweimal einlässlich einvernommen.»

Der Kampf zwischen Paulo Balicha (links) und Shemsi Beqiri im Februar hatte nichts mit Sport zu tun.

Der Kampf zwischen Paulo Balicha (links) und Shemsi Beqiri im Februar hatte nichts mit Sport zu tun.

Report Telebasel

Sechs Personen verletzt

Das besagte Verfahren ist wohl eines der aufwändigsten in der Geschichte des Kantons Baselland. Der Verdächtigte soll beim Angriff auf eine Kampfsport-Schule in Reinach beteiligt gewesen sein, der sich vor rund zwei Jahren ereignete. Am
24. Februar 2014 drangen zum Teil Maskierte in das Lokal der Schule ein und griffen mehrere Personen an. Bei den Involvierten handelt es sich um Angehörige zweier verfeindeter Kampfsport-Clans.

Ziel der Aggressoren war ein Kampf der beiden «Anführer», den sie auch tatsächlich herbeiführen konnten. Sechs Personen wurden an jenem Tag verletzt, einige trugen Knochenbrüche davon.

Internet-Foto-Fahndung seit 2013 möglich

Zehn Tage Zeit hatte der Gesuchte. Würde er sich bis zum 10. März nicht gemeldet haben, drohte die Baselbieter Staatsanwaltschaft am 1. März, so würde sie sein Abbild unverpixelt publizieren. Soweit kam es nicht: Der Verdächtigte meldete sich, es stellte sich heraus, dass er bereits verhört worden war.
Mit ihrem Vorgehen hat sich die Staatsanwaltschaft an das Drei-Stufen-Modell gehalten, welches die Schweizerische Staatsanwälte Konferenz (SSK) 2013 verabschiedete. Die drei Stufen lauten wie folgt: Ankündigung der Publikation, Veröffentlichung von verpixelten Bildern, Erkenntlichmachung der Abgebildeten. Zur Anwendung kommt die «Internet-Fotofahndung» aber nur bei Ausschreitungen und Krawallen.

Verfahren füllen 60 Bundesordner

Die riesige Dimension des Verfahrens könnte auch ein Grund für den Faux-pas mit der Pixelfoto-Fahndung sein. Neben dem Hauptverfahren würden 38 Nebenverfahren geführt, sagt Nico Buschauer, Mediensprecher der Baselbieter Staatsanwaltschaft, auf Anfrage. Die Delikte würden «quer durchs Strafgesetzbuch» führen und beträfen etwa Verstösse gegen das Waffengesetz, gegen das Betäubungsmittelgesetz oder Betrug. Gesamthaft seien 70 Personen involviert. 19 davon würden als Beschuldigte geführt. «Die Verfahren», sagt Buschauer, «füllen mittlerweile 60 Bundesordner.»

Die Staatsanwaltschaft hat aus dem Fall offenbar Lehren gezogen. Zukünftig würden Fotos von Gesuchten «allen vorgelegt, die im Verfahren involviert sind», bevor man Bilder publiziere, sagt Buschauer. Das habe man im vorliegenden Fall nicht so gehandhabt. Weiter gibt der Stawa-Sprecher zu bedenken, dass die Fotoqualität im aktuellen Fall sehr schlecht gewesen sei. «Ausserdem gestalten sich die Ermittlungen auch deshalb schwierig, weil viele der Beschuldigten sich gegenseitig decken.»

Anklage noch in diesem Jahr?

Mit baldigem Abschluss des Verfahrens ist nicht zu rechnen. Wie Buschauer bestätigt, hat die Staatsanwaltschaft ein Rechtshilfe-Ersuchen in den USA gestellt. Dieses sei noch offen. Ziel sei es weiterhin, im Jahr 2016 Anklage zu erheben.