Pensionskasse
«Pensionskasse kann nichts für die Teuerung»

Der Projektleiter der Pensionskassenreform, Markus Nydegger, erklärt die Notwendigkeit der teilweise schmerzhaften Neuerungen und zeigt auf, dass die Pensionskasse keine Schuld an der Teuerung trägt.

Leif Simonsen
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Herr Nydegger, Sie sind Projektleiter der Reform der Basellandschaftlichen Pensionskasse, die aus ihrer finanziellen Schieflage geführt werden soll. Wer ist von dieser Reform betroffen?

Markus Nydegger: Das sind all jene, die in der Vergangenheit zu wenig Beiträge bezahlt haben. Also alle Kantonsangestellten sowie diejenigen der 240 angeschlossenen Arbeitgeber. Und der Kanton selber als Arbeitgeber wird einen grossen Teil zur Amortisation beitragen.

Das sind dann die Steuerzahler, die dafür gerade stehen, dass die Pensionskasse schlecht gewirtschaftet hat.

Die Pensionskasse hat überhaupt nicht schlecht gewirtschaftet. Sie war im Gegenteil gut, wenn man mit dem Durchschnitt vergleicht. Sie kann nichts dafür, dass das Zinsniveau derart tief war. In den letzten Jahren gab es gleich drei grosse Krisen an den Finanzmärkten. Zudem kann die Pensionskasse auch nichts dafür, dass die Menschen immer älter werden. In den letzten zehn Jahren hat sich die Lebenserwartung um zwei Jahre gesteigert – das muss dann wieder vom Kollektiv gezahlt werden. Um den demografischen Wandel abzufedern, haben wir daher beschlossen, das Rentenalter von 64 auf 65 zu erhöhen.

Eine weitere wichtige Neuerung ist die Änderung vom Beitrags- zum Leistungsprimat. Was kommt damit auf den Beitragszahler zu?

Das Leistungsprimat legt die Höhe der Rente des Beitragszahlers in Prozent seines versicherten Einkommens fest. Im Kanton Baselland sind das 60 Prozent des versicherten Lohnes. Im Leistungsprimat ist diese Leistung garantiert. Dieses Primat setzt auch eine gewisse Solidarität voraus. Die Jüngeren bezahlen so eigentlich zu viel. Jemand, der eine kontinuierliche Karriere macht, bezahlt zugunsten eines Versicherten, der eine steilere Karriere macht. Demgegenüber ist das Beitragsprimat individuell und gleicht einem Sparkonto. Dorthin fliessen die Beiträge des Arbeitgebers wie auch des Arbeitnehmers. Die Rente wird durch einen festgelegten Umwandlungssatz definiert.

Warum der Wechsel? Finanzdirektor Adrian Ballmer sagt, dass dies an sich keinen Spareffekt habe.

Heute gestalten die Menschen ihre berufliche Tätigkeit viel flexibler als früher. Wenn ich heute mein Arbeitspensum von 80 auf 60 Prozent reduzieren will, dann verliere ich automatisch 20 Prozent der Rentenleistung. Wenn ich das im Beitragsprimat mache und während der letzten fünf Berufsjahre reduziert einzahle, dann bekomme ich nicht auf einen Schlag weniger. Dieses System erlaubt auch, dass man problemlos das Pensum reduzieren und die entsprechende Zeit für die Kindererziehung einsetzen kann. Mit diesem Beitragsprimat passt man sich zudem dem Schweizer Standard an. 83 Prozent der Arbeitnehmenden sind auf diese Art versichert.

Die zweite grosse Änderung ist die Umwandlung der Pensionskasse in eine Sammeleinrichtung. Was bedeutet das?

Auch hier hatte man bisher ein System, das stark auf Solidarität beruhte. Heute sind der Kanton und alle angeschlossenen Arbeitgeber in einem grossen Topf. Da kommt es zu Quersubventionierungen, weil es hier viele Arbeitgeber mit sehr unterschiedlichen Rentnerstrukturen gibt. Jetzt werden die einzelnen Vorsorgewerke einzeln geführt – jeder bezahlt die Kosten, die er selber verursacht.