Rheinschifffahrt
Per Bahn und Strasse statt per Schiff

Wegen der Schleusensperre in Augst muss der Gütertransport auf die Strasse und die Bahn ausweichen. Für die betroffenen hat das beträchtliche Mehrkosten zur Folge.

Fabian Muster
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Neue Dammbalken

Neue Dammbalken

«Wir sind sehr stark betroffen», sagt Ernst Frey von der gleichnamigen Baufirma in Kaiseraugst zur dreiwöchigen Schleusensperre beim Kraftwerk Augst. Der Verwaltungsratspräsident siedelt die Mehrkosten für den Unterbruch der Schifffahrt im «sechsstelligen Bereich» an, ohne eine genauere Zahl nennen zu wollen.

Revision kostet 250000 Franken

Seit gestern um sieben Uhr ist die einzige Schleuse beim Kraftwerk Augst wegen Revisionsarbeiten geschlossen. Für den Schiffsverkehr ist die Route gesperrt. Bereits gestern wurden bei der Schleuse Dammbalken eingesetzt. Bis heute Morgen soll alles Wasser aus der Schleuse gepumpt sein, damit Torflügel und Entleerungsschieber per Kran ausgebaut und später vor Ort oder in der Werkstatt revidiert werden können. Letztmals wurde dies vor elf Jahren durchgeführt. Die Revision dauert drei Wochen und kostet rund 250000 Franken. Seit Juli plant der technische Geschäftsleiter Theo Zeier die Revision, seit damals wissen auch die betroffenen Firmen von der vorübergehenden Schleusenschliessung. (fam)

Unangenehme Revisionsarbeiten

Für Frey sind die Revisionsarbeiten «unangenehm». Er hätte es lieber gesehen, wenn diese über Weihnachten und Neujahr ausgeführt worden wären, weil die Bautätigkeit in dieser Zeit ausgesetzt ist. «Doch es ist klar, dass es dann schwieriger ist, Fachleute und Maschinen für die Revision aufzubieten», weiss Frey, der zugleich als Verwaltungsratspräsident der Kraftwerk Augst AG tätig ist.

Weniger schwerwiegend sind die Folgen für die Provimi Kliba AG. Der Hersteller von Versuchstierfutter in Kaiseraugst hat ebenfalls eine eigene Anlegestelle, jedoch kein eigenes Frachtschiff. Rund 70 Schiffsladungen werden pro Jahr gelöscht. «Für uns bedeutet die Sperre keine Katastrophe, auch wenn wir mit gewissen Mehrkosten rechnen müssen», sagt der Silomeister Konrad Freiermuth. «Für gewisse Produkte haben wir die Lager aufgefüllt.» Konkret betrifft es nur eine Ladung aus Übersee, die womöglich noch vor der Betriebsaufnahme der Schleuse in Basel eintreffen könnte. «Diese Lieferung wird in diesem Fall per Bahn statt per Schiff transportiert.»

Stark betroffen von der Schliessung ist der Güterhafen im deutschen Rheinfelden. Frachtschiffe aus Basel können die Anlegestellen nicht mehr anlaufen. Die Betreiberin des Hafens, die Rhenus Freight Logistics GmbH & Co., konnte aber bis gestern Abend keine Stellung dazu nehmen. Nicht mehr betroffen von der Schleusensperre ist hingegen die Basler Personenschifffahrts-Gesellschaft: Am 17. Oktober hatte die letzte Kursfahrt mit der MS «Lällekönig» nach Rheinfelden stattgefunden.