Arisdorf
Perfekt verköstigt – auch ohne Jodel

Während drei Meter neben den kauenden Gästen Kühe die Zwetschgen von den Bäumen holen, beweist die Menschenschlange vor dem Büffet mit Spiegelei und Rösti: Hier schmeckt es. Auf dem Bechhof wird am 1. August zu Rösti und Spiegelei gefeiert.

Lucas Huber
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Der Brunch auf dem Bauernhof mit reichhaltigem Buffet ist ein Dauerbrenner.

Der Brunch auf dem Bauernhof mit reichhaltigem Buffet ist ein Dauerbrenner.

Lucas Huber

Während drei Meter neben den kauenden Gästen Kühe die Zwetschgen von den Bäumen holen, beweist die Menschenschlange vor dem Büffet mit Spiegelei und Rösti: Hier schmeckt es. Auf dem Bechhof ob Arisdorf, wo zwar keine Landwirtschaft, dafür umso mehr Gastfreundschaft betrieben wird, findet zum elften Mal der Brunch zum Nationalfeiertag statt. Man darf also durchaus von Tradition sprechen. Für die Familie Schweizer etwa, mittlerweile alle erwachsen und über den ganzen Kanton verteilt, ist der Bauern-Brunch Familientreff und gehört zum 1. August wie Feuerwerk und Schweizerfahne: «Es ist eine richtige Familientradition», fasst Familienoberhaupt Hannes Schweizer aus Binningen zusammen.

Eier, Zwetschgen, Mirabellen, das Brot und die Konfitüre: Das alles stammt aus dem eigenen Betrieb. 56 Zöpfe und 52 Brote habe sie gebacken, erzählt Landwirtin und Brunch-Chefin Marlies Weber. Und die 80 Kilo Kartoffeln für die Rösti hat die Familie eigenhändig geschält und gekocht: «Bei uns geht das halt noch ein bisschen so wie früher.» Insgesamt 16 Helfer wuseln hinter den Büffets und durch die Tischreihen, räumen ab, offerieren Kaffee, unterhalten die Gäste.

Aufwand rechnet sich kaum

Der Aufwand, den der Brunch mit sich bringe, sei enorm, gibt Weber zu bedenken, und dass die frühe Zwetschgenernte auch noch in die Vorbereitungszeit gefallen sei, habe zusätzlich für Hektik gesorgt. Ob wirklich etwas rausspränge, wisse sie gar nicht so recht, sagt sie – «aber gut, es bleibt sicher etwas übrig, aber am Aufwand gerechnet ist es praktisch nichts.» Trotzdem wird auf dem Bechhof, der zwar zum Bauernbetrieb der Webers gehört, allerdings nur noch als Wohnhaus dient, bereits zum elften Mal gebruncht. Mit knapp 100 Leuten habe man einst angefangen, heute sind es etwa 350: «Einige kommen von Jahr zu Jahr, das zeigt uns, dass wir unsere Arbeit richtig machen.»

Zu wenig Trachten

Ein 1.-August-Brunch auf dem Bauernhof zieht auch internationale Klientel an. Die Autokennzeichen verraten: Im süddeutschen Raum mag man die Baselbieter Bauernkost. Katja Meintel aus Weil am Rhein ist zum zweiten Mal in Arisdorf dabei: «Das Brot ist so wunderbar, und diese herzliche Atmosphäre – einfach traumhaft.»

Von noch weiter her kommt eine Gruppe japanischer Expatriates. Es sind allesamt Arbeitskollegen aus Basel, die die Schweiz an ihrem Nationalfeiertag erleben wollten, wie sie am schweizerischsten ist. Darum zog es sie auf den Bechhof, wo ihnen die Stimmung gefällt und das Essen: «Vor allem die Rösti schmeckt gut», verrät Sonoko Kanai, die für den Feiertag eigens in eine Tracht geschlüpft ist. Und das sei denn auch das einzige, was sie zu bemängeln habe: Dass nämlich, ausser sie selbst, niemand in Tracht zum Brunchen ging. Und auf einen Jodel habe sie zudem ebenfalls vergebens gehofft.