Persönlich
Das Dilemma des Ehrenamts auf den Punkt gebracht

In meinem fast 30-jährigen ehrenamtlichen Engagement in einem Sportverein habe ich am eigenen Leib miterlebet, wie die Ansprüche und Anforderungen an die Freiwilligen von professionellen Sportorganisationen, -behörden und -verbänden immer weiter erhöht wurden. Durch zwei zufällig aufgeschnappte Meldungen fühle ich mich jüngst daran erinnert.

Bojan Stula
Bojan Stula
Drucken
Teilen
Grossartig, dass sich so viele Jugendliche für ihre Sportvereine engagieren wollen. Die Frage wird sein, wie lange sie «durchhalten» werden: die ersten 50 Absolventen des Baselbieter 1418-Coach-Kurses.

Grossartig, dass sich so viele Jugendliche für ihre Sportvereine engagieren wollen. Die Frage wird sein, wie lange sie «durchhalten» werden: die ersten 50 Absolventen des Baselbieter 1418-Coach-Kurses.

zvg/Sportamt Baselland

Noch bis Ende 2022 will das Baselbieter Sportamt im Rahmen einer Kampagne möglichst viele 14- bis 18-Jährige an ihre Vereine binden, indem man sie in Kursen lehrt, frühzeitig Verantwortung zu übernehmen. «Wir sichern unsere Vereinszukunft» lautet das Motto; neulich absolvierten die ersten 50 Jugendlichen die sogenannte 1418-Coach-Ausbildung, die sie nun zu Hilfsleitungstätigkeiten berechtigt.

Vor einigen Tagen beklagte sich die Mutter eines Klassenkameraden meiner Söhne beim Schwatz auf der Strasse: Jetzt müsse sie für zwei Tage an einen Auffrischungskurs nach Luzern, um ihre Leiterberechtigung nicht zu verlieren. Früher hätten solche Kurse in der Region stattgefunden; jetzt sind sie zentralisiert, was für sie als Hausfrau Reiseaufwand und Umstände zu Hause bedeute. Als zugezogene Ausländerin sei sie vom Dorfverein angefragt worden, im Kinderturnen mitzuhelfen. Sie sagte in der Überzeugung zu, für die Integration ihrer Kids etwas Gutes zu tun. Von den Aus- und Weiterbildungspflichten im Schlepptau ihrer Spontanzusage wurde sie dann aber total überrascht. Jetzt sei sie nahe daran, alles hinzuschmeissen.

Der Gegenschnitt dieser beiden zufälligen Informationen bringt das Dilemma der Freiwilligenarbeit auf den Punkt: Was Sportorganisationen mit ihrem professionell aufgezogenen Fortbildungswesen als Lösung des Problems ansehen, birgt für die Ehrenamtlichen bereits den Kern der späteren Überforderung.

Aktuelle Nachrichten