Gleichstellung
Personalprobleme: Kein Interesse an der Gleichstellungs-Kommission

Während in Basel-Stadt alle über Quoten diskutieren, findet sich in Baselland kaum jemand, der sich mit Gleichstellungsfragen befassen mag.

Aline Wanner
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Sabine Kubli (links), die Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung, und die abtretende kantonale CVP-Präsidentin Sabrina Corvini-Mohn.

Sabine Kubli (links), die Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung, und die abtretende kantonale CVP-Präsidentin Sabrina Corvini-Mohn.

ZVG

Nun wird die Zeit allmählich knapp. Seit dem Abgang der ehemaligen Präsidentin Rosy Frutiger im Juni 2013 sucht die Gleichstellungs-Kommission Baselland nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger mit «ausgewiesener Führungskompetenz», wie es im Inserat heisst. Bisher blieb die Suche erfolglos.

Und auch unterhalb der Chefetage ist die Personaldecke dünn. Im März sollten die Mitglieder der regierungsrätlichen Kommission, die für die «Verwirklichung der tatsächlichen Chancengleichheit von Frauen und Männern in allen Lebensbereichen» zuständig ist, für die nächsten vier Jahre gewählt werden. Wenn denn jemand kandidiert. Gemäss Informationen der «Schweiz am Sonntag» denken alle drei Mitglieder, aus denen die Kommission derzeit noch besteht, darüber nach, sich aus dem Gremium zurückzuziehen. Das bestätigt Sabine Kubli, Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung, die eng mit der Gruppe zusammenarbeitet.

Während Kathrin Censier und Jacqueline Seiler sagen, sie hätten sich noch nicht definitiv entschieden, ob sie weitermachen, bestätigt CVP-Präsidentin Sabrina Corvini-Mohn ihren geplanten Rückzug. «Meine Bedingung für ein weiteres Engagement wäre gewesen, dass wir eine Präsidentin finden», sagt sie. Ohne Führung gestalte sich die Arbeit in der Kommission sehr schwierig. Sie habe sich nun entschieden, ihre Prioritäten anders zu setzen, sagt Corvini, die auch ihr Amt als CVP-Präsidentin abgibt.

Unklar ist aufgrund des Personalmangels auch, ob die Kommission ihr neues Konzept umsetzen kann. Vorgesehen wäre, dass die Mitglieder künftig nicht mehr in Themengruppen, sondern projektorientiert arbeiten. Auf diese Weise solle die Tätigkeit insbesondere für jüngere Frauen und Männer attraktiver werden, sagt Seiler. Was mit der Kommission passiere, wenn sich keine Interessenten finden, sei noch nicht entschieden. «Ein Worst-Case-Szenario haben wir uns bisher nicht überlegt», sagt Seiler.

Vom schlimmsten Fall zum Höhepunkt

Ein Worst-Case-Szenario zeichnete sich auch für die Fachstelle für Gleichstellung bereits einmal ab. 2008 wollte die SVP die staatliche Gleichstellungsabteilung abschaffen und lancierte eine entsprechende Initiative. Das Volk sprach sich aber für den Erhalt der Fachstelle aus. Aus dem Worst Case wurde für Kubli «der Höhepunkt unserer 20-jährigen Geschichte», wie sie gegenüber der «Basler Zeitung» resümierte.

Das aktuell ausbleibende Interesse an der Kommission deutet Kubli nicht als mangelndes Interesse an Gender- und Gleichstellungsfragen. Für Projekte gebe es immer Leute, die sich engagieren wollen, sagt sie. Es fehle einfach noch eine «integrierende Persönlichkeit» an der Spitze der Kommission.

Integrationsarbeit ist auch bei der Gleichstellungskommission Basel-Stadt gefragt. Präsidentin Cécile von Mutzenbecher musste im vergangenen Jahr vier Männer in den ehemaligen Frauenrat aufnehmen. Im Gegensatz zum Baselbiet gibt es in der Stadt allerdings ein reges Interesse an der Kommissionsarbeit. Es seien rund siebzig Bewerbungen eingegangen, sagt von Mutzenbecher.

Die Kommission organisierte am Donnerstag ein Podium unter dem Motto «Geschlechterquote – Zwang oder Chance?». Dass sich derzeit so viele Leute für die Quotenfrage interessieren, überrascht von Mutzenbecher etwas. «Aber es ist natürlich gewinnbringend, wenn das Thema Gleichstellung breit diskutiert wird.» Normalerweise seien Gleichstellungsthemen nicht so sexy.