Bubendorf
Pharma-Zulieferer Bachem legt ein Rekordergebnis vor

Der Bubendorfer Pharmabetrieb Bachem hat 2015 erstmals mehr als 200 Millionen Umsatz erzielt – und rechnet mit weiterem Wachstum. Die Firma will auch zukünftig auf den Standort Schweiz setzen.

Daniel Haller
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Die Firmengeschichte von Bachem begann 1971 mit zwei Mitarbeitern. Heute beschäftigt sie über 900 Angestellte. (Archiv)

Die Firmengeschichte von Bachem begann 1971 mit zwei Mitarbeitern. Heute beschäftigt sie über 900 Angestellte. (Archiv)

Keystone

Das fünfte Jahr in Folge mehr Umsatz sowie erneut mehr Gewinn: Der Bubendörfer Pharma-Dienstleister und Wirkstoffproduzent Bachem legte gestern an seiner Bilanz-Medienkonferenz in Zürich für das Geschäftsjahr 2015 ein Rekordergebnis vor. Erstmals in der Firmengeschichte, die 1971 in Liestal mit zwei Angestellten begann, erzielte Bachem mehr als 200 Millionen Franken Jahresumsatz. Weltweit wuchs die Zahl der Angestellten auf 902 Personen, die sich 859 Vollzeitstellen teilen. 80 Jobs wurden in der Schweiz geschaffen, praktisch alle in Bubendorf.

Hoch spezialisiert

Als Grundlage des Erfolgs bezeichnete CEO Thomas Früh die Konzentration auf Peptide – grosse Moleküle, Ketten aus bis zu hundert Aminosäuren mit Millionen möglicher Varianten. Diese kleinen Schwestern der Eiweisse kommen in der Natur beispielsweise als Schlangengift vor, und im Körper dienen sie als Hormone oder Botenstoffe.

Dies ermöglicht medizinische oder kosmetische Anwendungen vom Krebs- oder Parkinson-Medikament über künstliche Süssstoffe für Diabetiker bis hin zu Antifalten-Cremes. Die chemische Komplexität dieser Substanzen erfordert für deren künstliche Herstellung ein hohes Know-how.

Dieses setzt Bachem entlang der Pharma-Wertschöpfungskette ein, angefangen mit der Forschung, wofür sie 6400 Peptide ab Katalog bereithält. Weiter bietet sie Dienstleistungen für die präklinische und die klinische Phase der Medikamentenentwicklung an und entwickelt für ihre Pharmakunden spezifische Verfahren, Peptide in industriellen Mengen herzustellen. Teilweise produziert sie diese im Kundenauftrag auch selber. Hinzu kommt die Herstellung bekannter Peptid-Wirkstoffe für die Entwicklung von Generika. Diese enge Zusammenarbeit mit den Industriekunden erweitere das Wissen der Bubendörfer Spezialisten laufend, erklärte Finanzchef Stephan Schindler. Er verwies auch auf die breite Palette von 241 Entwicklungsprojekten in den weit fortgeschrittenen Phasen der Medikamentenentwicklung.

Neubau in Bubendorf

Beachtlich ist nicht nur die Steigerung des Cashflows aus Geschäftstätigkeit um 30 Prozent, der Zuwachs des Umsatzes in Lokalwährungen um 13,8 und in Schweizer Franken um 13,4 Prozent sowie des Reingewinns um 9,5 Prozent. Bemerkenswert ist zudem, dass Bachem dieser Gewinnsprung im Jahr des Frankenschocks gelang. Neben der führenden Position im Markt führt Schindler als Grund dafür an, dass es gelungen sei, den Effekt des schwachen Euros durch den erstarkenden Dollar weitgehend zu kompensieren. Dabei hat die im März erworbene US-Firma APC noch mit Verlust gearbeitet.

Insgesamt war das Wachstum in Nord- und Südamerika mit 18,2 Prozent deutlich stärker als in Europa (11 Prozent). Die Umsatz-Steigerung ging einher mit einer stärkeren Auslastung der Produktionskapazitäten. Um weiterhin aus eigener Kraft wachsen zu können, investiert Bachem in neue Produktionsanlagen. So sei man derzeit dabei, in Bubendorf den Neubau einzurichten und demnächst zu beziehen. Die Investition ist ein Bekenntnis zum Standort Schweiz. Neben einem weiteren Schweizer Standort Vionnaz (VS) verfügt Bachem über eine Niederlassung in Deutschland, eine in Grossbritannien und zwei in den USA.